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Mini-Strassenbahn-Ausstellung : Eine kleine Welt kam ganz groß raus

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Gut 500 Besucher bestaunten am Wochenende auf dem Gelände des Lokschuppens Mini-Straßenbahnen in allen Variationen.

shz.de von
erstellt am 06.Jun.2016 | 14:00 Uhr

Neumünster | Langsam fährt der Vorortwagen der 60er-Jahre am Rathaus von Schönebeck-Frohse vorbei. Dahinter reihen sich schon der Ikarus 180 und der Gotha-Wagen ET 57 / EB 57 auf dem Weg in die Südstadt ein. Die Straßenbahnen passieren Häuser, Kirchen, Seen und Wälder. Autos warten, Leute flanieren an Geschäften vorbei. Die insgesamt gut 500 Besucher, die bei der 13. Internationalen Modell-Straßenbahn-Ausstellung „Kleine Bahn - Ganz Groß“ am Wochenende auf dem Gelände des Lokschuppens die 13 Meter lange Anlage im Maßstab 1 zu 78 der Magdeburger Straßenbahnfreunde betrachteten, fühlten sich sofort in die sachsenanhaltinische Hauptstadt versetzt. Mit viel Liebe zum originalgetreuen Detail präsentierten die Mitglieder eines der ältesten Straßenbahn-Modellbauvereinigungen Deutschlands ihr zeitintensives Hobby.

Insgesamt 26 Aussteller aus vier Ländern hatten ihre Schätze im Lokschuppen und im ehemaligen Sozialgebäude aufgebaut. Es wurde gestaunt, gefachsimpelt und bei einigen Händlern Teile gekauft. „Wir sind keine Modelleisenbahn-Ausstellung im üblichen Sinn. Der Schwerpunkt liegt beim Thema Straßenbahn aus allen Jahrhunderten“, erklärte Claus Thiele vom ausrichtenden Verein Verkehrsamateure und Museumsbahn (VVM) aus Hamburg. Der Zusammenschluss von über 300 Mitgliedern betreibt unter anderem die Museumsbahnen Schönberger Strand sowie die Eisenbahnmuseen Lokschuppen Aumühle und Kleinbahnhof Wohldorf. Er hat sich zum Ziel gesetzt, die Geschichte des Nah- und Regionalverkehrs in Norddeutschland museal zu bewahren. Neumünster wurde in diesem Jahr zum Jubiläum von 150 Jahren Straßenbahn in Hamburg und Schleswig-Holstein als Messestandort ausgesucht. „Das Lokschuppen-Gelände an sich ist schön. Aber wir mussten noch sehr viel in Eigenregie aufräumen, bevor es losgehen konnte“, sagte Thiele.

Rund 200 verschiedene Züge hatten die Freunde der Bremer Straßenbahn im Gepäck, acht bis zehn waren stets gleichzeitig auf der größten fantasievoll gestalteten Anlage der Ausstellung in Bewegung. „Da ist alles dabei, was in Europa fährt oder gefahren ist, von A wie Amsterdam bis Z wie Zürich“, erklärte Sven Janßen. Einmal in der Woche treffen sich die Mitglieder der sogenannten Clublinie 11. Dann wird gebastelt, repariert und an der mittlerweile insgesamt 30 Meter langen Landschaft weitergebaut.

Eine besondere Anlage präsentierten Thorsten Löbl und René Jonzeck aus Hannover. Bei ihnen konnten die Besucher Nachbauten der legendären New Yorker U-Bahn betrachten. Angeregt wurden die beiden durch ein Werbegeschenk im Handel. „Wir sind dann 2011 nach New York gereist, um uns die Originale anzuschauen“, sagte Jonzeck. Und Löbl ergänzte: „Damals war der Dollar-Kurs noch so gut, dass wir gleich viele Teile aus den Staaten mitgenommen haben.“

Auch auf dem Außengelände gab es viele Aktionen. Ein historischer Bus pendelte zwischen Hauptbahnhof und Lokschuppen. Besucher konnten mit einer Handkurbel-Draisine selbst auf dem Gelände fahren oder die historische Dampflok bewundern. Am Sonntag startete zudem ein AKN-Triebwagen zu einer rund fünfstündigen Fahrt nach Hamburg.

„Wir sind sehr zufrieden mit der Resonanz. Schließlich sind wir ja nur eine Nischensparte“, sagte gestern Abend Detlef Schulze-Hagenest vom VVM. Die nächste Ausstellung „Kleine Bahn - Ganz Groß“ findet 2017 in Stuttgart statt.

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