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Holsteinischer Courier

24. November 2017 | 06:46 Uhr

Theater : Eine Inszenierung voller Leichtigkeit

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

„Tschick“ begeisterte die Zuschauer im Theater in der Stadthalle. Die Darstellung bestach durch Ideenreichtum und Präzision.

Neumünster | Rappelvoll war das Theater in der Stadthalle am Mittwochabend, und das vor allem mit jungen Menschen, die „Tschick“ (2010) sehen wollten – das Stück über zwei 14-jährige Jungen und ihre aufregende, skurrile, urkomische, traurige und berührende Geschichte, über den Beginn ihrer wunderbaren Freundschaft und ihren Sprung ins Erwachsenenleben.

Der (Jugend-)Roman „Tschick“ (2012 ausgezeichnet mit dem Hans-Fallada-Preis der Stadt) war der literarische Durchbruch für Wolfgang Herrndorf, der 1965 in Hamburg geboren wurde und 2013 in Berlin nach schwerer Krankheit verstarb. Bereits 2011 wurde am Schauspiel Dresden die Bühnenfassung von Robert Koall uraufgeführt, die gegenwärtig auf über 30 deutschen Bühnen gespielt wird.

Koall hatte das richtige Gespür für die Geschichte von Maik und Tschick, wählte sicher die Situationen aus, die die Bühne realisieren kann und hielt sich eng an die großartigen Dialoge und Erzählpassagen. Um aus einer so guten Vorlage einen guten Theaterabend zu machen, braucht man natürlich noch einen umsichtigen, innovativen, fantasievollen Regisseur und ein Schauspieler-Duo, das in die Figuren von Maik und Tschick „hineinkriechen“ kann. In der Inszenierung des Landestheaters war alles in reichem Maße vorhanden, und alle Theater-Elemente (Regie, Sprache, Bewegung, Pantomime, Bühnenbild, Licht, Geräusche) waren passgenau aufeinander abgestimmt.

Regisseur Henning Bock gelang eine Inszenierung, die durch Ideenreichtum, Leichtigkeit, präzises Timing und unerwartete, amüsante Spielvarianten bestach. Mittelpunkt der Bühne (Martin Fischer) war die raumfüllende, nach oben offene und bespielbare Wohnzimmerwand, die alle nötigen Requisiten griffbereit enthielt, von der Zeichnung für Maiks Schwarm Tatjana bis zum geschrotteten Lada. Dazu wenige Möbel, die viele Schauplätze ermöglichten, und die immer wieder zu einem funktionstüchtigen Auto zusammengebaut wurden.

In diesem Ambiente agierten die beiden Jungen, beide Außenseiter in der 7. Klasse eines Berliner Gymnasiums. Der eine ist Maik Klingenberg, Kind aus „gutem Hause“; seine Mutter besucht häufig eine Beautyfarm (= Entzugsklinik), sein Vater ist viel auf „Geschäftsreise“. Der andere ist Andrej Tschichatschow, genannt Tschick – russischer Spätaussiedler, sehr begabt, bettelarm und unternehmungslustig. Dieser Tschick steht zu Beginn der Sommerferien mit einem geklauten Lada vor Maiks Tür und animiert ihn zu einer Autotour. Das Abenteuer beginnt! Tschick will seinen Großvater in der Walachei besuchen, doch ohne Karten und Kompass kommt er nicht weit. Der Radius ist recht klein, doch irgendwo im Nirgendwo südlich von Berlin, bestehen Maik und Tschick zahlreiche Abenteuer. Sie kraxeln auf Mülldeponien und andere „Berge“, erleben die Schönheiten der Natur, begegnen bizarren und freundlichen Menschen und lernen von Isa, dem Mädchen von der Deponie, viele nützlich Dinge.

Als Isa gestaltete Thyra Uhde ihre Rolle überzeugend, doch in den Nebenrollen, die sie und Stefan Wunder noch darzustellen hatten, waren beide einen Tick zu überzogen. Umso natürlicher wirkten Johannes Fest als Maik und Stefan Wunder als Tschick. Sie spielten die Jungen so selbstverständlich, so locker, so überzeugend, wie’s besser nicht geht. Begeisterter Beifall für diese Interpreten!

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