Rickling : Eine Hecke erinnert an das KZ

Helge Buttkereit steht auf dem Fundament des ehemaligen Konzentrationslagers von Kuhlen. Da, wo die Wände des „KZ der Kirche“ verliefen, steht heute eine Hecke.
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Helge Buttkereit steht auf dem Fundament des ehemaligen Konzentrationslagers von Kuhlen. Da, wo die Wände des „KZ der Kirche“ verliefen, steht heute eine Hecke.

Helge Buttkereit hat ein Buch über Gedenkorte im Kreis Segeberg geschrieben. Rickling und Boostedt kommen auch darin vor.

shz.de von
24. Februar 2018, 12:46 Uhr

Boostedt | In Kuhlen bei Rickling wächst heute eine Buchenhecke. Sie markiert die Wände des „KZ der Kirche“, wie das Konzentrationslager (KZ) landläufig heute noch genannt wird. Hier haben die Nationalsozialisten schon 1933 in einer Baracke politische Gegner weggesperrt. Das ehemalige KZ auf dem Gelände des Landesvereins für Innere Mission ist einer der Gedenkorte im Kreis Segeberg, die jetzt zum ersten Mal schriftlich und bebildert zusammengetragen worden sind.

Helge Buttkereit (41) hat die Orte besucht, an denen Menschen unter den Nazis gelitten haben, Quellen gesichtet und ein Buch darüber geschrieben. „Verdrängen, Vergessen, Erinnern“ heißt es, und er möchte es als einen Wegweiser verstehen. „Gedenkorte bringen ja nur soviel, wie man über sie weiß“, sagt der Autor. Daher hat der Journalist die Geschichte der Gedenkorte recherchiert, und wie in einem Reiseführer diese Erinnerungswürdigkeiten zusammen gestellt. „So eine Zusammenschau für den Kreis Segeberg gab es vorher nicht, ich möchte, dass die Menschen Ausflüge zu den Gedenkorten machen und sich wach halten für die Erinnerung“, erklärt Helge Buttkereit. Das KZ in Kuhlen gab es vier Monate. Zwischen Juli und Oktober 1933, also zu Beginn des Regimes, wurden insgesamt 200 Männer aus ganz Schleswig-Holstein dorthin verfrachtet. Unter ihnen war ein Abgeordneter des Reichtags.

Das Lager stand zwar unter kommunaler Leitung, aber Helge Buttkereit weiß: „Profitiert hat der Landesverein für Innere Mission. Er bekam vom Kreis Geld für die Unterkunft der Gefangenen.“ Außerdem mussten die Männer im Moor und in der Landwirtschaft schuften, auch zugunsten der Inneren Mission. Erst in den 1990er-Jahren, nach dem Abriss der Baracke, kamen die im Rechteck angelegte Hecke, eine Gedenkplatte und ein Stein als Mahnmal. „Die faschistische Vergangenheit ist im Kreis Segeberg lange Zeit verdrängt und vergessen worden“, musste der aus Alveslohe stammende Historiker feststellen. Auch leistete die Innere Mission den ehemaligen Gefangenen keine Entschädigungen für die Haftzeit.

Auch Boostedt hat einen Gedenkort, er befindet sich auf dem Friedhof. Dort erinnern ein Stein und eine Ruhestätte an die begrabenen, meist namenlosen Opfer des Krieges, unter ihnen waren auch Zwangsarbeiter.

Sie kamen aus Neumünster, wo es eine Verteilstelle für die aus dem Ausland verschleppten und als Arbeiter benutzten Menschen gab. Der Stein ist erst 2002 aufgestellt worden. Viele der Zwangsarbeiter aus dem Osten waren im Barackenlager „Am Kassenbarg“ untergebracht worden.

„Ich wünsche mir, dass die Neugier der Leser angestachelt wird und sie sich weiter auf die Suche nach der Vergangenheit machen“, sagt Helge Buttkereit.

>Das Buch „Verdrängen, Vergessen, Erinnern“ ist in der Segeberger Edition erschienen, hat 147 Seiten und ist in jedem Buchhandel für 12 Euro erhältlich.

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