Traditioneller Auftakt : „Eine Gilde ohne Bier gildet nicht“

Trotz Unterstützung von Profi-Zapfer Dominik Bätjer (rechts) wollte es Majestät Heiner I. nicht sofort gelingen, den Hahn zu platzieren.
Trotz Unterstützung von Profi-Zapfer Dominik Bätjer (rechts) wollte es Majestät Heiner I. nicht sofort gelingen, den Hahn zu platzieren.

130 Gildebrüder trafen sich zur traditionellen Gildebierverkostung in den Holstenhallen.

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06. Mai 2015, 10:00 Uhr

Neumünster | Ein (Bier-)Hahn muss kein Vogel sein, und wo sich der eine schnell geschlagen gibt, bleibt der andere standhaft. Diese Erfahrung machte Heiner Schulz-Hildebrandt am Montagabend während der Gildebierverkostung im Restaurant der Holstenhallen.

Dass er den Vogel treffen kann, hatte Schulz-Hildebrandt hinlänglich bewiesen: Beim letzten Vogelschießen der Bürgergilde vor zwei Jahren ging er als Sieger aus dem Rennen und darf sich seitdem Majestät Heiner I. nennen. In seiner Funktion als König hatte Schulz-Hildebrandt die Ehre, das große Holzfass anzustechen und damit traditionell den Auftakt der Gildewochen einzuläuten.

Die alte Tradition der Bierverkostung wurde vor fast 50 Jahren von den Jacoby-Gildebrüdern Heinrich Oldehus und Gerhard Schümann begründet. Spontan besuchten die beiden damals die Holsten-Brauerei und baten Braumeister Einsiedel, das fürs kommende Vogelschießen der Jacoby-Bürgergilde gebraute Bier schon einmal probieren zu dürfen. Das Bier erwies sich als „vorzüglich und für den menschlichen Genuss geeignet“.

Im Laufe der Jahre nahm die „Gildebierverkostung“ Formen an. Zunächst kam der Vorstand der Jacoby-Gilde dazu, dann auch Gildebrüder der Bürgergilde. Heute ist die Bierverkostung ein fester Bestandteil des Neumünsteraner Gildelebens. Aus zwei Vorkostern im Jahr 1966 wurden 130 Gildebrüder in diesem Jahr, das Bier wird inzwischen von Carlsberg Deutschland in Hamburg gebraut (und gestiftet), den Fassanstich übernimmt aber nach wie vor der amtierende König der einladenden Gilde. In diesem Jahr veranstalten die „Witten Büxen“ der Bürgergilde das Vogelschießen.

In seiner launigen Begrüßungsrede zeigte sich Capitain Dr. Ulf-Christian Mahlo als Ideengeber. „Holsten hin, Carlsberg her. ,Wes Bier ich trink, des Lied ich sing‘“, meinte Mahlo schmunzelnd. „Aber wäre es nicht schön, wenn man die Hinselmann’sche Brautradition in Neumünster wieder aufleben lassen würde? Vielleicht findet sich ja hier mal ein Investor. Was meinen Sie, Herr Oberbürgermeister?“, meinte Mahlo in Richtung seines Gildebruders Dr. Olaf Tauras. Denn: „Eine Gilde ohne Bier – das gildet nicht“, stellte der Capitain fest.

Im Hintergrund hatte sich mittlerweile Heiner Schulz-Hildebrandt, geschützt mit Lederschürze, zum Anstich bereit gemacht. „Dass so ein Fassanstich nicht immer glatt geht, haben wir im letzten Jahr gesehen“, spielte Ulf-Christian Mahlo auf das Malheur 2014 an, bei dem der Bierhahn erst nach diversen Versuchen und einem verletzten Daumen fest im Fass saß. „Dieses Mal sollte es besser laufen. Unsere Majestät hat viel geübt. Wo immer es ein Bier zu öffnen galt, war Heiner I. zur Stelle“, berichtete der Capitain.

Aber irgendetwas am Trainingsplan hatte wohl nicht gestimmt. Der König schwang den Holzhammer und traf nicht richtig. Das Bier spritzte auf den Boden, nicht ins Glas. „Nun müssen wir wohl Brause trinken“, meinte ein Gildebruder. „Ach was“, entgegnete Mahlo. „Jetzt riecht es hier wenigstens wie früher bei den Verkostungen in der Brauerei.“ Mehrere Versuche später und einigermaßen durchnässt, gelang es Schulz-Hildebrandt dann, den Hahn fest zu platzieren.

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