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FEK : Eine eigene Abteilung für Flüchtlinge im Krankenhaus

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Land stellt kurzfristig 2 Millionen Euro zur Verfügung. Ärzte und Pfleger mit Sprachkenntnissen gesucht

Neumünster | Es ist noch keine zwei Wochen her, da saß eine Delegation aus dem Friedrich-Ebert-Krankenhaus im Büro von Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras, um dem OB ihre Sorgen zu klagen. Man sei im FEK mit den Flüchtlingen einfach überfordert. Aber die FEK-Leute wollten nicht nur jammern, sondern hatten ein fertiges Konzept dabei, wie das Problem gelöst werden könnte. Und das wird jetzt umgesetzt. Kurzfristig wird es für die Flüchtlinge eine eigene Anlaufstelle im FEK geben.

Das Konzept wurde in den vergangenen Wochen offenbar von unbürokratischen Entscheidungen auf allen Verwaltungsebenen unterstützt. Das Innenministerium hat dafür innerhalb von einer Woche zwei Millionen Euro (pro Jahr) zur Verfügung gestellt.

Das FEK wird sehr häufig von den Flüchtlingen aufgesucht – zu jeder Tages- und Nachtzeit, mit Symptomen vom Wehwehchen bis zu lebensbedrohlichen Krankheiten. Dadurch verlängerten sich die Wartezeiten für alle anderen Patienten. „Das konnte so nicht weiter gehen. Das System war verstopft. Die Behandlung eines Flüchtlings dauert drei- bis fünfmal länger als die eines deutschsprachigen Patienten. Und wir arbeiten im FEK auch ohne die Flüchtlinge schon ständig an unseren Grenzen“, sagte gestern Dr. Ivo Marcus Heer, der Ärztliche Direktor des FEK, auf einer Pressekonferenz in der Klinik.

Eine Arbeitsgruppe entwickelte das Konzept einer eigenen Anlaufstelle, die sich mit Dolmetscherhilfe nur um Flüchtlinge kümmert. Dort sollen sechs Ärzte, zehn Pfleger und drei Verwaltungskräfte arbeiten. Das Personal wird jetzt zusammengestellt, damit die Einheit möglichst bald starten kann – zunächst nur freitags bis sonnabends, später rund um die Uhr. Gesucht werden multikulturelle Ärzte und Pfleger mit Sprachkenntnissen. Die sollen gern auch aus den Reihen der Flüchtlinge kommen und können unter Ausschaltung von üblichen Dienstwegen eingestellt werden. „Wir wissen, dass es echte Fachleute mit Spezialkenntnissen unter den Asylbewerbern gibt“, sagte Heer.

Eingerichtet wird die „Einheit integrierende Versorgung“ im zweiten Stock des (alten) Neubaus, erreichbar über den Haupteingang. Dort sind derzeit Räume frei, in denen bis vor kurzem das physikalische Labor der Inneren Medizin untergebracht war. Wenn Kinder behandelt werden müssen, werden sie in die Kinder-Aufnahme weitergeleitet.

Der Hilferuf aus dem FEK muss sehr deutlich gewesen sein, denn Staatssekretär Ralph Müller-Beck aus dem Innenministerium machte die Lösung des Problems zur Chefsache. Auch das Sozialministerium und diverse Ämter agierten offenbar unbürokratisch und ungewöhnlich zügig. Müller-Beck lobte ausdrücklich den Einsatz des FEK-Personals und die Unterstützung aus dem Rathaus. Dass er das Konzept zum Erfolg führen will, machte Müller-Beck sehr deutlich: „Wir räumen alles aus dem Weg, was stört.“

Dieser Wille ist offenbar auch im Krankenhaus angekommen. Mehrere Mitarbeiter sagten am Rande der Pressekonferenz: „Eine so schnelle Entscheidungskette haben wir in der Politik noch nie erlebt. Wir sind schwer beeindruckt.“

 

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erstellt am 29.Aug.2015 | 08:00 Uhr

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