„Eine Bootsmesse wäre toll“

Dirk Iwersen organisiert mit seinem Holstenhallen-Team rund 850 Veranstaltungen im Jahr.
Dirk Iwersen organisiert mit seinem Holstenhallen-Team rund 850 Veranstaltungen im Jahr.

Holstenhallen-Chef Dirk Iwersen äußert sich im Interview mit dem Courier über Veranstaltungen, Baupläne und die Entwicklung der Stadt.

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19. Januar 2018, 08:25 Uhr

Für den Geschäftsführer der Holstenhallen Neumünster GmbH, Dirk Iwersen, gibt es keinen gemächlichen Start ins Jahr 2018. Der 50-Jährige muss mit der Ballsaison sofort wieder auf Betriebstemperatur sein. Auch anschließend geht es in den Holstenhallen Schlag auf Schlag. Über Herausforderungen und Pläne sprach er im Freitags-Interview mit Courier-Redaktionsleiter Hannes Harding.

Die Ballsaison läuft. Ist das zum Jahresanfang gleich eine besonders arbeitsreiche Phase?
Ja, im Prinzip geht es nach der ruhigen Weihnachts- und Silvester-Zeit gleich von null auf hundert: 4000 Menschen beim Ball des Sports und fast 6000 beim Ball der Pferdefreunde. Das ist logistisch eine große Herausforderung.

Laufen denn bei der Vorbereitung nur Routinen ab oder gibt es auch Überraschungen?
Wo Menschen sind, gibt es immer wieder Überraschungen. Wir verändern ja auch vieles, etwa das Raumkonzept für den Ball des Sports. Dadurch verändern sich Laufwege der Besucher und die Logistik für die Gastronomie, in der an dem Abend immerhin 125 Mitarbeiter tätig sind. Der Faktor Mensch ist nicht immer kalkulierbar, aber das ist das Salz in der Suppe. So wird es nie langweilig.

Die Holstenhallen haben eine lange Tradition. Wie schwierig ist es, immer mit der Zeit zu gehen?
Ich denke, das ist für jedes Unternehmen eine Herausforderung. Wir blicken seit Jahren in die Zukunft. Der Startschuss war die Modernisierung und Sanierung der Holstenhallen mit Unterstützung des Landes. Den Weg gehen wir kontinuierlich weiter. Wir haben noch einige Baupläne in der Schublade, die noch nicht spruchreif sind. Auch bei den Veranstaltungen wollen wir uns neu erfinden und mit der Zeit gehen. Die Oldtimer-Messe ist ein Beispiel, auch die Outdoor-Messe. Beide haben wir selbst ins Leben gerufen und beide veranstalten wir selbst. Ich glaube, die Holstenhallen sind auf einem guten Weg, auch wenn es noch viel zu tun gibt.

Gibt es Neuerungen, die Sie für dieses Jahr ins Auge fassen?
Ja, wir versuchen unser Marketing stärker auf moderne Medien wie Facebook auszurichten. Wir müssen junge Menschen abholen, wo sie sind. Mit etwas Glück wird es in diesem Jahr auch noch den ersten Spatenstich für einen Neubau geben, zu dem ich noch nicht mehr verraten kann. Im März kann ich dazu wahrscheinlich mehr sagen. Die Nordbau wird sehr digital. Wir werden einen Kartenvertrieb erstmals übers Internet betreiben. Besucher können dann online ein Ticket kaufen und es selbst ausdrucken. Bei uns wird es dann gescannt.

Welchen Stellenwert hat denn der Kauf des Bahngeländes für die Zukunftssicherheit des Messestandortes?
Das ist ein ganz großer Schritt für die Stadt, um zukunftsorientiert planen zu können. Wir werden in dieser Planung sicher Nutznießer sein. Darüber freue ich mich sehr. Für uns als Messebetrieb, insbesondere für die Nordbau, sind die Flächen enorm wichtig.

Geht es für Sie denn nur um weitere Parkflächen oder gibt es weitere Infrastruktur-Vorteile?
Im ersten Schritt sind es die Parkflächen, die wir dringend brauchen. Die Nordbau ist die zweitgrößte Baumesse im deutschsprachigen Raum. Da muss auch der Rest stimmen. In Zukunft können auch Erweiterungsflächen möglich sein oder andere Projekte, bei denen wir Synergien mit der Stadt nutzen können. Auf der Fläche lässt sich viel gestalten, und den Handlungsspielraum dafür haben wir durch den Kauf jetzt.

Wie sehen Sie die Notwendigkeit für die Stadt, auch im weiteren Umfeld gestalterisch tätig zu werden?
Ich glaube, Neumünster hat in den vergangenen Jahren viel getan. Über den Großflecken kann man lange und ausführlich streiten. Aber die Stadt ist dort auf einem guten Weg, ohne den ganz großen Wurf zu wagen. Wenn ich mir anschaue, wie die Stadt sich entwickelt hat, auch die Veranstaltungen, das Citymanagement – das sind alles Dinge, die uns allen in die Hände spielen. Die Veranstaltungen finden nicht nur in den Holstenhallen statt, die Menschen besuchen die Stadt Neumünster. Denken Sie an das DOC, die Holsten-Galerie, aber auch die Industriegebiete. Neumünster wird wieder wahrgenommen, ich glaube von den Besuchern positiver als von den Einwohnern selbst.

Die Nordbau ist sicher Ihre wichtigste Einnahmequelle, welche Veranstaltungen zählen noch dazu?
Wir machen fast 20 Prozent unseres Umsatzes mit fünf bis sechs Pferdeveranstaltungen. Die Bälle sind wichtig, aber auch die Lebensmittel-Messe von Edeka, Citti und Bela. Auch diese bereichern die Stadt, während dieser Messen finden Sie kaum Hotelzimmer in Neumünster. Die ganze Stadt hat etwas davon.

Sie sprechen die Hotellerie an. Ist Neumünster in dieser Hinsicht gut aufgestellt?
Wir begrüßen natürlich das Alte Stahlwerk sehr, auch das Prisma mit seiner Nähe und der guten Zusammenarbeit. Egoistisch betrachtet würden wir uns natürlich weitere Hotels wünschen. Denn gerade zu den Stoßzeiten, wie zur Nordbau, wird es eng. Dann geht es für unsere Gäste bis nach Kiel und Norderstedt. Aber es muss sich für die Hoteliers auch rechnen, und nur mit den Messen funktioniert das natürlich nicht. Die Holstenhallen bieten ein gutes Grundgeschäft, aber keine komplette Auslastung. Das Alte Stahlwerk hat allerdings bewiesen, dass es geht. Ich glaube, dass noch Potenzial vorhanden ist.

Sie betreiben auch die Stadthalle. Mit der Einrichtung gab es zuletzt einige Probleme. Der Eiserne Vorhang klemmte, Stühle und Teppiche müssen erneuert werden. Kommt das dicke Ende in Form des Gebäudes noch?
Wir sind für Dach und Fach zuständig, alle Theatereinbauten sind Sache der Stadt. Die unterliegen einer ganz anderen Abnutzung als die Hülle. Natürlich besteht bei einem 30 Jahre alten Gebäude immer auch Unterhaltungsbedarf. Für dieses Jahr liegt aber nichts Größeres an. Wir sind in Sachen Brandschutz dabei, neue Evakuierungskonzepte zu erstellen. Aber auch das läuft nicht außer der Reihe.

Wenn es eine Veranstaltung gäbe, die Sie nicht haben, aber gerne hätten - welche wäre es?
Eine Bootsmesse wäre toll. Die Hanseboot hat ja das Handtuch geworfen. Wir schauen uns die Bestrebungen an, in Hamburg wieder eine solche Messe anzubieten. Ich könnte mir vorstellen, in Neumünster etwas Neues zu etablieren – weg von den großen Booten, hin zu Jollen und Freizeitskippern, Angelbooten und Kanuten. Das wäre ein Wunsch.

Oder eine realisierbare Option?
Beides.

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