Bordesholm : Eine Ära der Holsteiner geht zu Ende

Auch die Brügger Jungzüchter Petra Schneider (Mitte) sowie Susanne und Frank Böckmann informierten sich zum Abschied noch einmal über die Geschichte der Deckstation in Groß Buchwald.
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Auch die Brügger Jungzüchter Petra Schneider (Mitte) sowie Susanne und Frank Böckmann informierten sich zum Abschied noch einmal über die Geschichte der Deckstation in Groß Buchwald.

Nach 53 Jahren wird die Bordesholmer Deckstation in Groß Buchwald nicht mehr benötigt / Zum Abschluss-Empfang kamen mehr als 160 Gäste

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21. Juli 2014, 06:30 Uhr

Eine Ära geht zu Ende. Nach 53 Jahren wird die Deckstation des Körbezirks Bordesholm im Verband der Züchter des Holsteiner Pferdes in Groß Buchwald nun in wenigen Wochen Geschichte sein. „Mit der Abschaffung des Natursprungs und der zunehmenden Besamung direkt auf den Höfen haben sich die Voraussetzungen so stark verändert, dass wir hier reagieren mussten“, erklärte dazu Harm Sievers (Tasdorf) als Mitglied des Vorstandes. Am Freitagabend hatte der Verband deshalb, gemeinsam mit der Familie des Hofbetreibers Jochen Plagmann, zu einem feierlichen Empfang geladen, an dem mehr als 160 Gäste teilnahmen.

Mit Wehmut, aber auch in der Überzeugung, dass die Holsteiner Pferde immer eine Zukunft haben werden, erinnerten sich hier „alte Hasen“ und nachfolgende Verantwortliche noch einmal an die vergangenen Jahrzehnte.

Nach Gründung im Jahr 1961 (nach der Auflösung des Gestütes Traventhal) gelang es den Bordesholmern damals schon, hervorragende Hengste in ihren Stall zu bekommen. Kontinuierlich wurde die Zucht der Holsteiner von hier aus dann mit großem Engagement weiterentwickelt und vorangetrieben. „Seit dem Start haben hier rund 100 Hengste gestanden. Der Nachwuchs ist ungezählt, und es sind zahlreiche Grand-Prix-Teilnehmer und Spitzenpferde darunter. Besonders stolz sind wir natürlich auf den Hengst Cumano, der unter Jos Lansing 2006 mit der belgischen Equipe Weltmeister wurde“, erzählte der Körbezirksvorsitzende Dirk Bertow.

Von ebenso guten wie auch schlechten Zeiten wussten die jahrzehntelangen Wegbegleiter Hans Helmut Sievers (Tasdorf) und Klaus Göttsche-Götze (Groß Buchwald) zu berichten. „Es gab immer Höhen und Tiefen in der Zucht. Nach dem absoluten Tiefpunkt im Jahr 1962, in dem lediglich 37 Fohlen geboren wurden, folgten Ende der 80er-Jahre Spitzenjahrgänge mit bis zu 150 Fohlen“, erzählten die beiden Urgesteine nicht ohne Stolz. Aktuell sei man zwar mit rund 50 Fohlen wieder in einer Talsohle. Diese sei jedoch mit dem Vertrauen in die hervorragende Arbeit der Jungzüchter zu überwinden, so die Meinung der Fachleute.

Ganz besondere Aufmerksamkeit erfuhr während des Empfangs Harald Mühlich. Als Stationsleiter hatte der heute 68-Jährige 32 Jahre lang auf der Deckstation das Sagen. Nun geht auch er in den verdienten Ruhestand. Mit Mühlich verbinden sich unzählige Geschichten, denn mit seiner knurrigen, jedoch von Herzen kommenden Art sorgte der gebürtige Seestermüher (Kreis Pinneberg) nicht nur für Ordnung, sondern auch für eine ganze Reihe von Anekdoten. Diese wurden natürlich während des Abends immer wieder gern erzählt. Und nicht nur beim Verbandsgeschäftsführer Norbert Boley schlich sich dabei zum Abschied auch mal eine Träne ins Auge.

Eine echte Fleißarbeit lieferte zudem Gunhild Clausen ab. In einer umfangreichen Chronik hat die engagierte „Pferdefrau“ die Geschichte des Körbezirks dokumentiert. Zu bestellen ist die Sammlung zum Preis von 20 Euro unter Tel. 0 43 47 / 37 43 oder per Mail an gunhild.clausen@gmx.de.

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