zur Navigation springen
Holsteinischer Courier

14. Dezember 2017 | 03:40 Uhr

Eine 74 Jahre alte Freundschaft

vom

Elf ehemalige Klaus-Groth-Schülerinnen haben sich nicht aus den Augen verloren / Regelmäßige Treffen und viele Erinnerungen

shz.de von
erstellt am 08.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Neumünster | Es war das Schuljahr 1939/40, und Edith Oldehus, Tea Drenckhahn und Ilse Ruser wurden auf der Klaus-Groth-Schule eingeschult - das war vor 74 Jahren - und die drei Damen kennen sich immer noch. Und nicht nur sie: Einmal im Monat trifft sich eine Runde von elf Seniorinnen, um über damals zu plauschen, aber auch Neues auszutauschen - eine Runde mit weiteren stadtbekannten Namen wie Bartram, Specht und Holtorf. "Wenn wir uns treffen, fühlen wir uns wie früher", sagt Hildegard Haase (84).

Sie alle sind ein Stück der Geschichte Neumünsters. Über die Jahre hinweg haben sie sich nie ganz aus den Augen verloren. Vor allem, nachdem die Kinder groß waren, wurden die Treffen regelmäßiger. Vor allem ein gemeinsames Erlebnis hat sie zusammengeschweißt: 1943 kamen sie per Kinderlandverschickung (KLV) acht Monate ins österreichische Waidhofen an der Ybbs. Es wurde eine der schönsten Zeiten ihrer Kindheit. Untergebracht waren sie im Sanatorium Werner. "Wir hatten richtig Unterricht, denn die Lehrer waren mitgekommen. Durch diese Gemeinschaft hatten wir kein Heimweh", schildert Hildegard Haase diese Zeit. Unvergesslich: Die einwöchige Fahrt die Donau entlang auf der "Johann Strauß" bis nach Wien. Höhepunkt: Die KLV-Mädchen wurden zum Wiener Rundfunk zu einem "bunten Abend" eingeladen und sangen Lieder auf plattdeutsch, den "Abendfreeden" von Klaus Groth oder Volksweisen.

Später, in Neumünster, kamen die Bombenangriffe. "Das war Herbst 1944, es war der 25. Oktober, an diesem Tag hatte mein Vater Geburtstag, es war furchtbar", erinnert sich Lissy Specht (83). Alle wissen das noch. "Diese Zeit hat uns geprägt", sagen sie. "Ich fuhr mit dem Fahrrad nach Moltsfelde, rutschte in den Graben, ich war so erschrocken", erinnert sich Ingeburg Peo (84).

Und die Schulzeit und die Lehrer! "Wir hatten wesentlich mehr Respekt vor den Lehrern als heutzutage", sagt Ilse Ruser (83) schmunzelnd. Da war Dr. Kloth, der Direktor, "wunderbar, väterlich, sehr musisch", sagen mehrere der Damen. Deutsch und Englisch unterrichtete Frau Dr. Flatter. Und da war noch Fräulein Klein. Alle nannten sie "Missy", das war die Abkürzung von "Miss Little", "das fand sie unerhört". Und es herrschte Strenge. Waltraud Bartram (84): "Wer dem anderen vorsagte, musste in der Ecke stehen."

Die Gräueltaten des Nationalsozialismus begriffen sie erst viel später. Rituale wie den täglichen Fahnenappell erinnern alle. Zum 50-Jährigen der Kinderlandverschickung mieteten sie einen Bus, fuhren wieder nach Waidhofen. Dass sie sich alle immer noch kennen, sei ein bisschen Zufall - und Schuld der Männer. Denn so mancher leitete Firmen in Familientradition - Photo Ruser, die Textilfabrik Julius Bartram, die Konditorei Oldehus, die Firma Elektro-Sprecht, die Tief- und Straßenbaufirma Max Huß und der Kohlen- und Baustoffhandel Boje Holtorf, der dem Vater von Tea Drenckhahn gehörte. Viele ihrer Kinder sind gemeinsam eingeschult worden. Edit Huß (84) formuliert es so: "Die Freundschaften waren schon in der Schule. Jetzt im Alter ist uns das viel mehr wert als alles andere."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen