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Amtsgericht : Einbruch in die eigene Wohnung nur vorgetäuscht?

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Angeklagter soll Versicherung um fast 15 000 Euro betrogen haben

Neumünster | Stimmt die Masche, dann ist sie schon ziemlich ausgebufft: Der Staatsanwalt warf gestern im Amtsgericht einem 21-jährigen Neumünsteraner heiklen Versicherungsbetrug vor. Der damals 19-Jährige soll gemeinsam mit seinem damals 27-jährigen Bruder zwei Einbrüche in ihre eigenen Wohnungen in Auftrag gegeben haben, um anschließend bei den Versicherungen lange Listen mit vermeintlichem Diebesgut einzureichen und dabei vorzuspiegeln, dass die Dinge gestohlen wurden. Eine Versicherung zahlte fast 15 000 Euro, doch die andere wurde misstrauisch. Die Ermittlungen deckten den Umfang der Aktion auf.

Demnach sollen Mittäter, die nicht ermittelt werden konnten, während eines Urlaubs des Angeklagten und seines Bruders im Juli 2015 in die Wohnungen der beiden eingestiegen sein und bewusst Chaos gestiftet haben. Unterdessen sollen die Brüder sich von einer Bekannten, Inhaberin eines Juweliergeschäfts, Schmuckzertifikate über angeblich in der Türkei gekauften Schmuck im Wert von insgesamt etwa 33  000 Euro gegeben haben lassen, obwohl ein derartiger Verkauf offenbar nie stattgefunden hat. Nach dem Einbruch habe der Angeklagte bei seiner Versicherung eine Liste der vermeintlich verschwundenen Gegenstände und ein Schmuckzertifikat über rund 8000 Euro sowie Kaufbelege von Gegenständen eingereicht, die überhaupt nicht existierten oder nicht bei dem Einbruch gestohlen wurden, hielt ihm der Staatsanwalt vor.

Der Angeklagte selbst schwieg zu den Vorwürfen. Er hat die Schule abgebrochen, ist arbeitslos und wegen Diebstahls vorbestraft. Eine Jugendgerichtshelferin bescheinigte ihm gestern trotz seines Alters „eine Gleichstellung mit einem Jugendlichen“. Seine Freundin sagte unter Eid aus, dass sie mit ihm verlobt ist. Dadurch konnte sie die Aussage verweigern. „Wir wollen wohl am 18. August kommenden Jahres heiraten“, erklärte die junge Frau der Richterin. Gegenüber der Polizei hatte sie das in Vernehmungen zuvor in Frage gestellt. „Wenn Sie jetzt unter Eid eine Falschaussage machen, werden Sie schwer bestraft“, hatte die Richterin die 21-Jährige zuvor ermahnt.

Als weitere Zeugen waren ein Sachbearbeiter des Jobcenters und ein Kriminalkommissar geladen. Der Amts-Mitarbeiter hatte Probleme festzulegen, wann der Angeklagte wie viel Arbeitslosengeld erhalten hat. „Wir haben neue Software erhalten. Die alten Daten sind leider weg“, sagte er aus. Zudem werde nur selten und bei Verdacht überprüft, ob die Angaben der Antragssteller auf Arbeitslosengeld zu ihrem Vermögen stimmen.

Der Kommissar berichtete, dass es mehrere Durchsuchungen in den Wohnungen des Angeklagten, seines Bruders und eines Onkels gegeben habe. Dabei seien diverse technische Gegenstände wie Fernseher, Spielekonsolen oder Staubsauger aufgetaucht, die mit auf der Stehlgut-Liste des Angeklagten für die Versicherung gestanden hatten. Zudem gebe es keine Bestätigung des Zolls, dass der Angeklagte und sein Bruder teuren Schmuck in der Türkei gekauft haben. Die entsprechenden Nachweise könnten also gefälscht sein.

Der Prozess wird kommende Woche fortgesetzt.

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erstellt am 02.Aug.2017 | 08:00 Uhr

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