Schöffengericht Neumünster : Einbrecher soll wieder hinter Gitter

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Das Gericht verurteilt einen drogenabhängigen Kieler zu anderthalb Jahren Haft. Der Staatsanwalt behält sich Berufung vor.

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13. Januar 2020, 15:18 Uhr

Wegen Diebstahls in einem besonders schweren Fall hat das Schöffengericht Neumünster einen 31-jährigen Mann aus Kiel zu einem Jahr und sechs Monaten Haft verurteilt.

Nicht jeder Diebstahl oder Einbruch ist gleich gewerbsmäßig, nur weil der Täter drogenabhängig ist! Der Verteidiger in seinem Plädoyer
 

Das Gericht hielt es nach gut dreistündiger Verhandlung für erwiesen, dass der Mann im Mai vergangenen Jahres in das kombinierte Wohn- und Gewerbegebäude eines Neumünsteraner Geschäftsmannes eingestiegen war und dort Diebesgut für mindestens 250 Euro entwendet hat. Das Geld soll der seit seiner Jugend schwer drogensüchtige Mann zur Finanzierung seiner Sucht verwendet haben. Gleichwohl mochte das Gericht dem 31-Jährigen keinen „gewerbsmäßigen Diebstahl“ unterstellen. „Nicht jeder Diebstahl oder Einbruch ist gleich gewerbsmäßig, nur weil der Täter drogenabhängig ist“, hatte der Verteidiger zuvor in seinem Schlussplädoyer argumentiert. Beim gewerbsmäßigen Diebstahl geht der Gesetzgeber davon aus, dass der Dieb seine Taten regelmäßig zur Sicherung seines Lebensunterhalts begeht. In der Regel wirkt sich das im Urteil strafverschärfend aus.

Einbruch oder nur Diebstahl?

Während der Angeklagte sich zunächst ausschwieg, stritten Verteidiger und Staatsanwalt über lange Zeit, ob es überhaupt einen Einbruch oder nur ein einfaches „Einsteigen“ (so der Verteidiger) in das Haus des Geschäftsmannes gegeben hat.

Eingangstür war nur mit einer Blechplatte gesichert

Der Knackpunkt: Weil eine Glasscheibe in der Eingangstür des Geschäftshauses kaputt und offenbar nur provisorisch mit einer Blechplatte ausgeflickt war, musste der Täter das Blech nur leicht beiseite drücken, um in einen Büroraum zu kriechen und von dort in die dahinterliegenden unverschlossenen Wohnräume zu gelangen. Dort hatte er nach Angaben des Geschäftsmannes unter anderem etwa 40 Euro Bargeld, eine EC-Karte, Uhren und eine Spielekonsole eingepackt.

Am Bankautomaten wurde er von einer Überwachungskamera gefilmt

Beim Versuch mit der geklauten EC-Karte an einem Bankautomaten Geld abzuheben, war er von einer Überwachungskamera gefilmt worden.

Der Bestohlene erkannte seine Pilotenuhr wieder

Die Kripo identifizierte auf den Bildern den polizeibekannten Kieler, der bereits einschlägig vorbestraft ist. Der Bestohlene selbst erkannte auf den vorgelegten Videobildern seine Pilotenuhr wieder.

Spätes Geständnis

Dennoch mochte sich der 31-jährige Kieler erst nach wiederholter Beratung mit seinem Anwalt zu einem Geständnis durchringen.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft behielt sich am Ende des Verhandlungstages Berufung vor. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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