Kinobühne : Einblicke ins Leben mit Tourette-Syndrom

Produzent Björn Vosgerau und Agnes Trenka vom Kulturbüro begrüßen das Publikum zur zweiten Vorstellung mit einleitenden Worten zum Film.
Produzent Björn Vosgerau und Agnes Trenka vom Kulturbüro begrüßen das Publikum zur zweiten Vorstellung mit einleitenden Worten zum Film.

Die berührende Komödie „Ein Tick anders“ lockte 180 Besucher auf die Kinobühne.

shz.de von
29. Januar 2015, 11:00 Uhr

Neumünster | „Lachen hilft! Lachen hilft immer!“, bestätigte Christian Hempel. Nach dieser eindeutigen Aussage des am Tourette-Syndrom erkrankten Mannes, gab es für Produzent Björn Vosgerau und Regisseur Andi Rogenhagen keinen Zweifel mehr: Ihren Film über das Leben eines Mädchens mit außergewöhnlichen Ticks sollte eine Komödie werden. Die Begegnung mit Hempel liegt neun Jahre zurück, im Juli 2011 feierte „Ein Tick anders“ Premiere, und vorgestern präsentierte Vosgerau die Komödie im Rahmen der Kinobühne im Theater in der Stadthalle.

„Natürlich ist das Leben mit dem Tourette-Syndrom nicht einfach. Die bis heute als unheilbar geltende Krankheit äußert sich in plötzlichen unwillkürlichen Zuckungen und Lautäußerungen. Einige Erkrankte stoßen unvermittelt obszöne und aggressive Schimpfwörter aus“, erläuterte Vosgerau nach der ersten Vorstellung. Den Betroffenen sei ihr Verhalten peinlich, verhindern könnten sie es nicht. „In der Öffentlichkeit bewegen sie sich deshalb immer in einem Grenzbereich zwischen irritierten Blicken, Beschimpfungen und verständnislosem Kopfschütteln“, beschrieb der Hamburger Produzent seine Erfahrungen während der intensiven Recherche zum Film.

Und da die gesellschaftliche Wahrnehmung ein zentraler Punkt für Betroffene ist, stellten die Filmemacher ihrer 17-jährigen Protagonistin Eva eine wunderbar skurrile Familie zur Seiten: Einen Vater, der sich über die Ticks seiner Tochter immer wieder amüsieren kann, eine kaufwütige Mutter, die ihre Tochter mit völlig überteuerten Salben und Halbedelsteinen heilen will, einen talentfreien Onkel, der von einer Karriere als Popstar träumt und eine Oma, die ihren Weisheiten Taten folgen lässt. Der teilweise derbe und dann wieder fast zarte Humor des modernes Märchens fand seine Entsprechung in den Reaktionen des Publikums. Absolute Stille wechselte mit schallendem Lachen.

„Ein Tick anders“ ist nicht nur „ein berührend schöner Film“, wie es nach der Aufführung spontan aus dem Publikum hieß, die Komödie von Produzent Björn Vosgerau und Regisseur Andi Rogenhagen ist auch ein Appell an die Toleranz gegenüber vermeintlichen Schwächen und einem Verhalten fernab der Norm.

Am Dienstag, 24. Februar, geht das Kinobühnen-Programm mit den beiden Preisträger-Filmen des Green-Screen-Festivals „Pinguine hautnah“ und „Superhirne im Federkleid“ weiter.


 

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