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Holsteinischer Courier

24. August 2017 | 11:22 Uhr

Neues Buch : Einblicke in Falladas Leben

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Buch „Hans Fallada und die liebe Verwandtschaft“ zeigt die Wurzeln des berühmten Schriftstellers auf

Wer ist dieser Hans Fallada? Um diese Frage zu beantworten, gehen die Autorinnen Heidi Hempel und Erika Becker gemeinsam mit Falladas jüngstem Sohn Achim mit ihrem neuen Buch „Hans Fallada und die liebe Verwandtschaft“ ganz weit zurück in der Geschichte. Sie entfalten in dem Buch einen Stammbaum, der Jahrhunderte umfasst und dem geneigten Fallada-Leser mehr als einmal zu überraschenden Aha-Erlebnissen verhilft.

Hans Fallada verbrachte nur wenige Jahre in Neumünster (1926 bis 1930), davon einen Teil im Gefängnis. Hier aber sammelte er den Stoff für seinen vielleicht berühmtesten Roman, „Bauern, Bonzen und Bomben“. Das Buch gibt sehr viele Aufschlüsse über Falladas familiären Hintergrund.

So betonen die Autoren die stolze ostfriesische Herkunft väterlicherseits. „Ihre Familien legen das Moor trocken, profitierten vom Welthandel durch die Nähe zum Meer, zu Holland und England und bleiben auch in Notzeiten wohlhabend.“ Die mütterliche Linie stammt aus dem Oberharz. Eines ist den beiden Stammlinien gemeinsam: Sie legen großen Wert auf die Ausbildung ihrer Kinder. Die Beamten, Apotheker und Notare aus Friesland schicken ebenso wie die aufstrebenden Theologen und Mathematiker aus der Bergbau-Region ihren Nachwuchs zu Lernzwecken in die deutschen Lande.

Der junge Fallada selbst, auch das arbeiten die Autoren heraus, ist sich seiner starken sozialen Prägung und Bindung bewusst. „Er hat bürgerliche Werte tief verinnerlicht, nimmt besonders scharf ihren Wandel wahr und durchschaut ihre Perversion.“ In einer Welt wohlgemerkt, die sich in den 20er-Jahren in nahezu allen Lebensbereichen rapide verändert und die in den 30er-Jahren dann intellektuelle Stagnation, gesellschaftliche Intoleranz und einen nie gekannten moralischen Niedergang erlebt. Hans Fallada wird Chronist dieser Entwicklung. Seine schwere Alkohol-, Tabletten- und Rauschgiftsucht hat hier wohl ihre Ursachen.

Große Aufmerksamkeit lassen die Autoren völlig zu Recht Adelaide Ditzen zukommen. Geprägt von der „barmherzigen Schwester“ Florence Nightingale lässt sich die 1859 in Limburg geborene Frau in Lausanne zur Krankenschwester ausbilden. Als Assistentin des italienischen Mediziners Raffaele Bastianelli, der den italienischen König zu seinen Patienten zählt, erlebt Falladas Tante „Ada“ den Aufstieg der modernen Chirurgie in Rom. Und die Tante betreut ihren labilen Neffen, der 1911 als 18-Jähriger in die Psychiatrische Klinik von Jena eingewiesen wird und 1912 in die Heil- und Pflegeanstalt Tannenfelde wechselt. Sie gibt ihm Sprachunterricht, sie bringt ihm anspruchsvolle Bücher und empfiehlt ihm therapeutisches Schreiben. Tante Ada ist Geburtshelferin des Literaten Rudolf Ditzen, der sich später Hans Fallada nennt. „Sie ist sicher die erste, die seine literarischen Potenzen entdeckt. Ein Neuanfang für Rudolf. Ada Ditzen wird seinen Werdegang mit großer Aufmerksamkeit und Teilnahme verfolgen“, heißt es im Buch.

Und natürlich darf Neumünster nicht fehlen, wo Rudolf Ditzen nach der Haft eine erste Anstellung als Anzeigenwerber beim „Generalanzeiger “ findet und später Sekretär des Verkehrsvereins wird. In einem Brief heißt es: „Eine Spezialtücke des Schicksals. . . Aber diese ganze Werberei ist vorläufig für mich nur der erste Fuß auf der untersten Leitersprosse.“

 


> Heide Hampel, Erika Becker und Achim Ditzen: „Hans Fallada und die liebe Verwandtschaft“, 180 durchgehend bebilderte Seiten; Edition Federchen im Steffen-Verlag; ISBN 978-3-941683-23-5; 24,95 Euro

 

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erstellt am 25.Feb.2014 | 14:00 Uhr

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