Neues Buch : Einblicke in die Kitas der Welt

Horst Küppers erklärt in seinen neuen Buch, was deutsche Erzieher aus aller Welt lernen können / Heute stellt er es auf Leipziger Buchmesse vor

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16. März 2013, 08:18 Uhr

Neumünster | Horst Küppers (61) ist Lehrer an der Elly-Heuss-Knapp-Schule. Dort vermittelt er jungen Erziehern das Rüstzeug für ihren Einsatz in Kitas, Schulen oder Jugendheimen. Oder er ist Weltenbummler. Dann guckt er fremden Völkern ab, wie die ihre Kinder erziehen, und was wir in Deutschland daraus lernen können. Seine Erfahrungen und Erlebnisse aus mehreren Sabbatjahren, in denen der Lehrer alle sechs Kontinente bereist und mit den Augen eines Pädagogen studiert hat, hat er jetzt in einem Buch zusammengefasst. Heute stellt er es offiziell auf der Leipziger Buchmesse vor: "Eine Reise durch Kitas in aller Welt".

Der Titel ist kaum übertrieben: Küppers beschränkte sich bei seinen ausgedehnten Studienreisen keineswegs auf die sogenannte erste Welt, sondern schaute auch den Erziehern, Müttern und Kindern auf Tahiti, in den Arabischen Emiraten oder im bitterarmen Ruanda zu. Dabei erlebte er mitunter Spektakuläres oder Bewegendes: In einem kleinen Dorf in Kenia entdeckte der Pädagoge hinter einem Vorhang in der Gemeinschaftshütte eine gut sortierte Bibliothek mit Montessori-Pädagogik. "Viele Kindergärten in den USA heften sich das Etikett Montessori gern ohne blassen Schimmer an, aber die Erzieher mitten im Busch wussten sehr genau, wovon sie reden", staunt Küppers noch heute.

In Dubai stieß er auf eine Kita mit 4000 Plätzen(!) und eigenem Busbahnhof, über den die Kinder am Strick geführt wurden, damit sie im Verkehrsgewusel nicht verloren gehen. Im indonesischen Banda Aceh lernte Küppers eine engagierte Bauingenieurin kennen, die nach dem verheerenden Tsunami 2004 eine neues Leben begann und aus dem Nichts einen privaten Kindergarten aufbaute. Von Pädagogik habe die Frau nach eigener Aussage keine Ahnung gehabt, dafür führte sie in ihrem Haus einen Betreuungsschlüssel von 1:3 ein. "Ein Betreuer auf drei Kinder!", schwärmt Küppers.

Trotz solcher Anekdoten soll sein Buch keine reine Reiseerzählung, sondern Lehrbuch für junge Pädagogen sein, die den Mut haben, über den Tellerrand hinauszublicken, wünscht sich der Autor.

Aber was können hiesige Erzieher von Lehrern und Müttern im afrikanischen Busch für ihre tägliche Arbeit in einer deutschen Kita lernen? "Jede Menge", ist Küppers überzeugt und verweist auf das afrikanische Sprichwort: "Zur Erziehung eines Kindes bedarf es eines ganzes Dorfes."

Wenn es darum gehe, den Kindern beizubringen, wie man zu lernen lernt oder wie man erfährt, den anderen Kindern oder Erwachsenen etwas abzugucken, dann seien manche Kulturen uns Deutschen meilenweit voraus, ist der Pädagoge überzeugt. Gefallen hat ihm auch der Spruch eines Erziehers in Palästina: "Wir können den Kindern nur mitgeben, was sie im Kopf tragen können!" Das gelte natürlich auch für uns in Deutschland, "aber es ist uns viel zu selten bewusst", sagt er.

Am 18. April liest und erzählt Küppers von seinen Reisen durch die Kitas in aller Welt in der Buchhandlung Lübbert an der Mühlenbrücke, Beginn 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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