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30 Jahre Hahnknüll : Ein Zuhause für ganz besondere Menschen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

In der DRK-Fachklinik leben seit 30 Jahre Schwerst- und Mehrfachbehinderte. Ein strukturierter Alltag vermittelt Sicherheit

Freundliche Honoratioren der Stadt, bunte Cocktails, fröhliche Gäste, leckere Grillwürstchen, zufriedene Bewohner, aufmerksame Mitarbeiter und der liebe Gott – das war die gute Zutatenliste für eine gelungene Party. Seit genau 30 Jahren gibt es den Wohnbereich für Schwerst- und Mehrfachbehinderte in der DRK-Fachklinik Hahnknüll. Zu diesem Anlass versammelten sich die Gäste zu einem Festakt mit zünftiger Grillerei.

„Wie kann das Leben für die Bewohner mit ihren ganz individuellen Bedürfnissen gut gestaltet werden? Das ist täglich eine unserer zentralen Aufgaben“, erklärte Geschäftsführer Gerhard Wachsmuth in seiner Begrüßung. Er bedankte sich bei den Mitarbeitern und den Angehörigen, die zum Gelingen dieser Aufgabe gemeinsam beitrügen. Wachsmuth erinnerte auch an die Anfänge des Wohnbereichs und die damit verbundenen Veränderungen im Umgang mit behinderten Menschen.

Vor 30 Jahren teilten sich 48 Bewohner auf zwei Etagen die Mehrbettzimmer mit einem Waschraum mit acht Waschbecken und kaum Duschbädern. Zur körperlichen Ertüchtigung gab es eine Turnhalle. „Damals galt das als gute Ausstattung und sogar mustergültig“, sagte Wachsmuth. In anderen, älteren Einrichtungen waren Schlafsäle mit bis zu 40 Betten an der Tagesordnung und Privatsphäre ein Fremdwort. Auch der Umgang mit den behinderten Menschen und die Beschäftigung mit ihnen hat sich glücklicherweise im Laufe der Jahrzehnte gewandelt. Wegsperren und sich selbst überlassen – das waren zu Kriegszeiten noch die harmloseren Methoden. Arbeit und Beschäftigung galten als schlicht überflüssig. Das ist heute ganz anders. Lebensqualität, Lebensfreude, Achtsamkeit, Zuwendung, Bewegung und Beschäftigung bilden heute die Grundlagen des Zusammenlebens in der Fachklinik.

Der Wohnbereich 4, wie er auch benannt ist, ist keine Klinik, sondern er möchte ein Zuhause für besondere Menschen sein. Hier haben heute die meisten der 60 Bewohner ein Einzelzimmer oder leben in einer Zweiergemeinschaft – jeder so, wie es ihm gut tut. So wie beispielsweise Dieter und Alfred. Sie sind mehr als Zimmergenossen: Sie sind dicke Freunde und im Alltag sogar jeweils die Stimme des anderen. Und sie sind wichtige Menschen im Hahnknüll, schließlich sind sie jedem Besucher als Polizist und Feuerwehrmann bekannt. Mit Kelle und passender Uniform-Mütze sorgen sie für Ordnung oder regeln nach Bedarf den Verkehr auf dem Klinikgelände. Sie haben Aufgaben und sind wichtig für die Gemeinschaft. Das gilt auch für ihre Mitbewohner – je nach Schwere der Erkrankung und nach den individuellen Bedürfnissen. Mittendrin sind sie alle, nämlich als Teil der Gemeinschaft.

Wenn es körperlich und seelisch möglich ist, besetzen die Bewohner einen der Arbeitsplätze in der vielseitig ausgestatteten Beschäftigungstherapie und arbeiten mit Holz oder anderen Werkstoffen. Ein strukturierter Alltag vermittelt Sicherheit. Dazu gehören auch Geselligkeit und Ausflüge. Ein Wochenhöhepunkt ist für viele die Kuschelstunde mit Besuchshund „Hunter“. Gegessen wird in kleinen Gruppen. Die Fitteren gehen auch gern in den großen Speisesaal.

Ein Team aus 30 Mitarbeitern kümmert sich um die Bewohner. Viele sind lange Jahre dabei so wie Andrea Wede, die seit 25 Jahren im Zwei-Schicht-Betrieb dabei ist. „Die Bewohner schenken uns viel Vertrauen. Hier geht es sehr familiär zu.“

Susanne, Dirk und Dieter sind alte Hasen unter den Bewohnern. Sie leben vom ersten Tag an in dem besonderen Wohnbereich der Fachklinik. Jenny dagegen ist das Küken. Sie ist mit ihren 19 Jahren der jüngste Neuzugang und lebt seit etwa einem Jahr in der Einrichtung. Ihre schweren Behinderungen sind im Alter von drei Monaten erstmals aufgefallen. 15 Jahre konnten ihre Eltern die Pflege leisten, doch irgendwann stießen sie körperlich an ihre Grenzen. „Wir sind dankbar, dass Jenny hier sein kann. Hier ist sie glücklich, wird gefördert, und wir sind trotzdem nah dran“, freuen sie sich.

Jenny liebt Musik. „Lala, Lala!“ fordert sie lautstark, und jeder weiß dann, was gemeint ist. Musik spielt eine große Rolle für fast alle Bewohner. Viele singen gern, leben spürbar auf, wenn Lieder ertönen, oder sie besuchen leidenschaftlich gern die Tanzstunden. Der Tanz-Donnerstag mit Birgit Prasse ist ein Muss. Wer als Besucher draußen vorbeigeht, kommt nicht umhin zu denken, dass er eine richtig gute Party verpasst.

30 Jahre – ein Grund zum Feiern. Ach ja, der liebe Gott war natürlich auch noch auf dem Festakt. Gott alias Peter wohnt auch schon sehr lange im Hahnknüll. Die Wurst hat ihm richtig gut geschmeckt. Für eine perfekte Party fehlte ihm allerdings das Tanzparkett. Tanzen ist eine Leidenschaft von ihm. Vielleicht beim nächsten Mal...


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erstellt am 08.Okt.2013 | 11:00 Uhr

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