Amtsgericht Neumünster : Ein Zettel reicht nicht: Fahrerflucht

Das Amtsgericht Neumünster hat eine Renterin wegen Unfallflucht verurteilt. Sie hatte beim Ausparken ein Auto gerammt und hinter der Windschutzscheibe einen Zettel hinterlassen.

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08. März 2012, 12:23 Uhr

Neumünster | Wer nach einem Parkplatz-Unfall lediglich per Zettel seine Anschrift hinterlässt, kommt seiner Verpflichtung nicht nach, den Unfallgegner zu informieren - und begeht Unfallflucht. Darüber musste sich jetzt auch eine 74-jährige Autofahrerin aus dem Umland vom Amtsrichter belehren lassen. Wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort verurteilte das Gericht die Mercedes-Fahrerin zu 300 Euro Geldstrafe.
Der Fall: Auf einem Parkplatz an der Gerichtsstraße hatte die Rentnerin beim Ausparken einen hinter ihr stehenden Renault übersehen und gerammt. Die Frau stieg aus, besah sich die Beule in der Fahrertür und wartete nach eigener Aussage eine gute halbe Stunde vergeblich auf den geschädigten Fahrer. Auch auf Anraten einer jungen Frau, die den Unfall zufällig beobachtet hatte, will sie dem Unbekannten schließlich eine Botschaft geschrieben haben. Den Zettel klemmte sie hinter die Windschutzscheibe des Renaults und fuhr dann ruhigen Gewissens nach Hause. Weil sich der Unfall am Sonnabend zugetragen hatte, informierte sie ihre Versicherung erst am darauf folgenden Montagmorgen. Dennoch glaubte die Frau, alles richtig gemacht zu haben. Zur Sicherheit hatte sie sogar noch vor Ort eine Abschrift ihrer Botschaft angefertigt, die sie dem Gericht stolz präsentierte.
Zettel wird zum Bumerang
Dort entpuppte sich der scheinbare Beleg für ihren guten Willen allerdings als Bumerang: "Ich habe Ihren Renault an der Fahrerseite mit der Stoßstange an der Tür angetickt. Bitte melden!" Da runter hatte die Rentnerin noch ihren Namen und ihre Anschrift gesetzt.
Dem Richter reichte das nicht. Unabhängig von der Frage, ob der Zettel tatsächlich geschrieben worden ist, was der Staatsanwalt bezweifelte, fehlte ihm neben der Telefonnummer auch ein klarer Hinweis darauf, mit welchem Fahrzeug der Unfall verursacht worden ist. Ohne entsprechende Angaben habe es der Geschädigte später schwer, seine Rechtsansprüche durchzusetzen, beispielsweise wenn strittig sei, welche Schäden am Wagen auf diesen Unfall zurückzuführen seien, monierte der Richter. Auch die halbstündige Wartezeit war dem Richter angesichts des angerichteten Schadens von mehr als 1300 Euro zu kurz.
Er folgte dem Antrag des Staatsanwalts und verurteilte die Fahrerin zu 300 Euro Geldstrafe, verzichtete aber auf ein Fahrverbot. Das hätte für die Rentnerin, die mit dem Wagen ihren pflegebedürftigen Ehemann versorgt, ein unbillige Härte bedeutet. Dem Verteidiger war das Urteil dennoch zu hart. Er hatte auf Freispruch plädiert - der Frau sei kein strafrechtliches Verhalten anzulasten.

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