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Seniorenmagazin : Ein würdiges Grundeinkommen für alle könnte die Lösung sein

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Altersarmut betrifft oft alleinstehende Frauen.

Neumünster | Die Medien meldeten vor einiger Zeit, dass in Griechenland jeder dritte Einwohner im Rentenalter von Armut betroffen sei. Neuerdings wird berichtet, dass die Bundesministerien für Arbeit und Soziales und für Wirtschaft an Plänen arbeiten, wie unser Rentensystem reformiert werden kann, damit wir hierzulande in absehbarer Zeit nicht vor dem gleichen Problem stehen.

Ich versuche, mich in die Lage der Frauen und Männer zu versetzen, die ihren Lebensunterhalt, einschließlich der Wohnkosten, nicht aus ihrer Altersrente finanzieren können und auf die öffentliche Grundsicherung im Alter angewiesen sind. Es fällt mir nicht ganz leicht, denn ich beziehe selbst Renten, mit denen ich gut auskommen kann. Warum diese Ungleichheit? Sie rührt wohl daher, dass in den Jahren, in denen ich berufstätig war (1950 bis 1991), eine nach Ausbildung oder Studium unbefristete, der gesetzlichen Sozialversicherung unterliegende Vollzeit-Beschäftigung die Regel war. Das hat sich inzwischen grundlegend geändert; deshalb ist Altersarmut vor allem ein strukturelles Problem, das nach weitsichtigen sozial- und arbeitspolitischen Lösungen ruft. Gelingt dies nicht, so ist abzusehen, dass in Zukunft noch viel mehr Menschen von Altersarmut betroffen sein werden. Anzeichen dafür kann ich in der eigenen Familie und im Freundeskreis erkennen. Besonders betroffen sind alleinstehende Frauen, die aus unterschiedlichen Gründen nur in Teilzeit berufstätig sein können und sich mit beruflichen Aufgaben zufrieden geben müssen, deren Anforderungen unter ihrem Ausbildungsabschluss liegen.

Auch mit einem anderen Denkansatz beschäftige ich mich seit Jahren: Der Eindruck verdichtet sich nämlich, dass unser über 100 Jahre altes, auf der Erwerbsarbeit gründendes und im Wesentlichen immer noch von Arbeitgebern und Arbeitnehmern finanziertes Sozialversicherungssystem den Herausforderungen der globalisierten Weltwirtschaft nicht gewachsen ist. Das zeigt sich bei einem Vorgang, für den wir heute den Begriff des Freisetzens von Arbeitskräften verwenden, und zwar nicht nur bei Insolvenzen, schlechter Ertragslage von Unternehmen oder Verlegung von Produktionszweigen in Billiglohnländer, sondern auch bei Einsparung von Personal nach Fusionen von Konzernen oder als Folge von Rationalisierung und Automatisierung im Produktionsprozess. Fachleute haben nun durchgerechnet, dass es einen industrialisierten Staat nicht teurer kommt, wenn er all seinen Bürgern ein würdiges Grundeinkommen zusichert, das an keine Bedingung geknüpft ist. Es würde Versichertenrenten, die zu finanzieren angesichts des demografischen Wandels immer schwieriger wird, überflüssig machen und keine Armut im Alter mehr produzieren. Zu meiner großen Überraschung hat die Schweiz, also eines der höchst technisierten Länder der Welt, diesen grundlegend anderen Ansatz gerade zur Volksabstimmung gestellt. Natürlich löst er Ängste aus, Besitzstände zu verlieren. Die Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens unterlagen zwar, ihr Stimmenanteil von 23 Prozent bestärkt mich jedoch in der Überzeugung, dass unsere heutigen gesellschaftlichen Probleme nur mit einem solchen Ansatz zu lösen sind. Bis sich diese Überzeugung allgemein durchsetzt, müssen wir, die wir im Alter finanziell abgesichert sind, daran denken, die Anderen in das, was wir uns leisten können, einzubeziehen oder mitzunehmen.

Das ganze Seniorenmagazin mit weiteren Berichten zum Thema “Altersarmut“ finden Sie im Courier vom 24. Juni 2016.

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erstellt am 24.Jun.2016 | 17:00 Uhr

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