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Lesung von Ulrich Grode : Ein wahres Kulturerlebnis

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Starke Worte statt bunter Schuhe: Ulrich Grode las im „Specht-Haus“ aus seinem neuen Roman.

Neumünster | Das muss ihm erst einmal jemand nachmachen. Mit einem einzigen Buch füllte Ulrich Grode einen ganzen Saal. Über 100 Leute kamen am Donnerstagabend ins „Specht-Haus“ am Großflecken 32, um der Lesung des Neumünsteraner Autoren beizuwohnen. „Woanders, vielleicht“ heißt der neue Roman von Ulrich Grode.

Im Mittelpunkt des Buches steht Eduard, ein alternder Autor und Bücherwurm, dessen Leben der Literatur gehört. Eichendorff, Fontane, Kleist – in der abendländischen Literatur kennt Eduard sich bestens aus und wird nicht müde, seinem Unverständnis über die moderne Welt mit Zitaten zu begegnen. Bei Freunden und Verwandten stößt er damit zunehmend auf Unverständnis. „Benutz doch mal deine eigene Sprache. Sei doch einmal wieder du selbst. Versteck dich nicht hinter dem alten, längst erbrochenen Zeugs“, wirft ihm seine Freundin, die Lektorin Lisaweta, vor.

„Eduard ist ein Mensch, der mit einem familiären Trauma lebt und sich nach menschlicher Nähe sehnt. Einen Ausdruck für diese Sehnsucht findet er aber nur in den Bücher. Sie bieten ihm Schutz und Halt“, beschrieb Ulrich Grode seinen Protagonisten. Mit Eduard habe er eine Figur schaffen wollen, der es trotz großer Bildung kaum gelinge, tiefe menschliche Beziehungen aufzubauen, sagte der Autor.

Ulrich Grode ist ein brillanter Beobachter seiner Umgebung und ein großer Kenner literarischer Werke und philosophischer Texte, die er gekonnt in seinem neuen Roman verarbeitet. Mit feinsinniger Sprache und hintergründigem Wortwitz nimmt er seine Leser mit auf eine Reise durch die Höhen und Tiefen der menschlichen Verständigung. Lokalkolorit, von Grode zu keiner Zeit als Selbstzweck eingesetzt, verstärkt das Lesevergnügen. „Mit Ulrich Grodes neuem Roman kann man sich auf Spurensuche begeben“, brachte es Jan-Willem Bülck auf den Punkt. „Und das gleich in dreierlei Hinsicht“, so der Mitarbeiter der Buchhandlung Lübbert. Nach der Lektüre bekomme man Lust, die dargestellten Schauplätze zu besuchen, man entwickle detektivischen Spaß daran, die Identität Neumünsteraner Lokalgrößen, die im Roman versteckt sind, zu ermitteln, und, was dem Buchhändler besonders gefällt: „Die Lust auf andere Bücher wird geweckt“.

Großes Lob für Autor und Lesung fand auch Sönke Jahn: „Dass Ulrich Grode mit einer Lesung auf Leerstand reagiert, finde ich großartig“, sagte das Mitglied vom Kulturverein Dada am Waschpohl (KDW) in Hinblick auf den Veranstaltungsort. Seit dem Umzug des Schuhladens „Tamaris“ in die Holsten-Galerie stehen die Verkaufsflächen im „Specht-Haus“ leer. Grode und seine Frau Urte nutzten die Gunst der Stunde und machten das ehemaligen Schuhgeschäft für einen Abend zum Kulturladen. „Wer weiß“, sagten die beiden, „vielleicht war die Lesung ein Impuls für andere, auf dem Großflecken kreative Konzepte zu etablieren“.

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erstellt am 07.Nov.2015 | 08:00 Uhr

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