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Holsteinischer Courier

14. Dezember 2017 | 04:02 Uhr

Mieten : Ein Viertel weniger Sozialwohnungen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Am 1. Juli fallen schlagartig 725 Wohnungen in Neumünster aus der Sozialbindung. Der Mieterverein sieht das mit Sorge. Stadt und Wohnungsgesellschaften fürchten keine steigenden Mieten.

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erstellt am 27.Jan.2014 | 07:30 Uhr

Neumünster | Der 1. Juli 2014 ist ein Stichtag, der es in sich hat: Auf einen Schlag fallen dann ein Viertel aller Sozialwohnungen in der Stadt aus der Sozialbindung. Die Zahl der Sozialwohnungen sinkt dann von etwa 3000 auf knapp 2250. Steigen dann die Mieten?

Eine (öffentlich geförderte) Sozialwohnung darf nur an Mieter mit einem Wohnberechtigungsschein vermietet werden (Voraussetzung: geringeres Einkommen, große Familie). Die Miete darf nicht höher sein als zur Deckung der laufenden Aufwendungen erforderlich. Läuft die Bindung aber aus, hat der Eigentümer bei einer Neuvermietung Anspruch auf die so genannte ortsübliche Vergleichsmiete, die in der Regel höher liegt.

„Wir sehen das mit Sorge“, sagt der Vorsitzende des Mietervereins Mittelholstein, Hauke Petersen. Billiger Wohnraum sei gefragt. „Durch Neubau und Modernisierung wird Wohnen auch in Neumünster immer teurer“, so Petersen. Er räumt aber ein, dass Neumünster vergleichsweise günstig sei und andere Städte, gerade im Hamburger Raum, viel schwerer getroffen seien.

Die Stadt und die beiden großen Wohnungsgesellschaften sehen das bei Weitem nicht so dramatisch. „Der Wegfall von Sozialbindungen ist verkraftbar. Das Mietniveau wird dadurch nicht steigen“, sagt Stadtplaner Bernd Heilmann. Der freie Wohnungsmarkt sei sehr entspannt, und vergleichbare Wohnungen seien sogar deutlich unter der Obergrenze für Sozialwohnungen von 5,10 Euro je Quadratmeter zu bekommen.

Ähnlich argumentiert Carsten Henning, der Prokurist der Baugenossenschaft Holstein (BGH), die mit rund 2500 Wohnungen Nummer 2 in Neumünster ist. Bei der BGH fallen etwa 200 Wohnungen aus der Sozialbindung heraus. Das seien durchweg größere Dreizimmer-Wohnungen aus den 70er-Jahren. „Vielleicht macht der Wegfall die Lage am Wohnungsmarkt sogar einfacher: Wir haben jetzt schon Interessenten, die nicht zum Zuge kommen, weil sie keinen Wohnberechtigungsschein haben.“ Auch Paare ohne Kinder hatten bisher keine Chance auf eine geförderte Dreizimmer-Wohnung.

Bei der städtischen Wobau sind laut Geschäftsführer Uwe Honsberg 500 Wohnungen betroffen. Die meisten liegen in Ruthenberg, etwa am Ruthenberger Markt, in der Käthe-Kollwitz-Straße, der Otto-Dix-Straße oder der Noldestraße. Auch Honsberg sieht keine grundsätzlichen Auswirkungen auf den Markt und das Mietniveau. Honsberg: „Es gibt keine Stadt von der Größenordnung Neumünsters, die so niedrige Mieten hat.“ Das Innenministerium sei deshalb sogar der Auffassung, dass Neumünster zu viele geförderte Wohnungen habe, so Honsberg.

Die Stadt will versuchen, den Bestand der Sozialwohnungen bei etwa 2000 stabil zu halten. Diese Größenordnung hält auch Wobau-Chef Uwe Honsberg für ausreichend. Bei den sozial geförderten Wohnungen will die Stadt künftig zwei Schwerpunkte setzen. Der eine zielt auf familienfreundliche, eigentumsähnliche Mietreihenhäuser. Stadtplaner Heilmann nennt als Beispiel die von einem privaten Eigentümer errichteten Neubauten am Wernershagener Weg. Der zweite Schwerpunkt liege auf kleinen, barrierearmen Wohnungen für Singles und Senioren. Hier gibt es auch nach dem aktualisierten Wohnraumversorgungskonzept der Stadt in der Tat Bedarf, sprich einen Mangel an günstigen Wohnungen.

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