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Holsteinischer Courier

17. August 2017 | 07:48 Uhr

Aukrug : Ein Viertel der Bienenvölker ist tot

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Varroamilbe verursacht große Verluste in den Beständen der Imker. Außerdem wird dem Jakobskreuzkraut der Kampf angesagt.

Aukrug | 20 Bienenvölker sind in diesem Winter schon aufgrund von Milbenbefall abgestorben, und damit sind die Verluste beim Imkerverein Aukrug und Umgebung genauso schlimm, wie es der Deutsche Imkerbund prophezeit hat. „Ein Viertel unserer Bienenvölker ist in diesem Winter bislang schon eingegangen“, stellte der 1. Vorsitzende Reimer Reimers fest, nachdem er seine Imkerkollegen bei der Jahreshauptversammlung reihum nach deren Verlusten befragt hatte.

Der Deutsche Imkerbund hatte im November eine vom Fachzentrum Bienen und Imkerei Mayen (Rheinland-Pfalz) erarbeitete Studie präsentiert, der zufolge in diesem Winter besonders hohe Verluste durch Milbenbefall zu erwarten seien. „Das Bienenjahr hat 2014 besonders früh begonnen, und im gleichen Tempo wie die Bienen entwickelte sich auch die Varroamilbe“, erklärt Reimers. „Dann dauerte die Saison auch noch länger als gewohnt, so dass sich die Milben ausbreiten konnten.“

Aukrugs Ex-Bürgermeister schwört bei der Bekämpfung der Varroamilbe auf Ameisensäure: „Aber in der Hauptbekämpfungszeit im Sommer hat es viel geregnet, die Luft war feucht, und da wirkt die Ameisensäure dann nicht so gut.“ Der Deutsche Imkerbund hatte im November Bienen-Winterverluste von 25 bis 30 Prozent prognostiziert. Der Winter sei für die Bienen erst mit der Durchlenzung (Ersetzung der langlebigen Winterbienen durch Sommerbienen) im April zu Ende, sagt Reimers. „Bis dahin können noch weitere Bienenvölker absterben, so dass bei uns durchaus 30 Prozent Verluste zu befürchten sind.“

Ähnlich wie in Aukrug sieht die Lage auch im benachbarten Nortorfer Imkerverein aus. Genaue Zahlen liegen dort zwar noch nicht vor, aber der Vorsitzende Hans-Heinrich Büller geht davon aus, dass es durchschnittlich in seinem Bereich genauso schlecht aussieht. Allerdings meint Büller, dass nicht allein die Varroamilbe für die hohen Ausfallzahlen verantwortlich ist. Ein weiterer Grund sind aus seiner Sicht die vermehrten Monokulturen in der Landwirtschaft.

Ein weiteres unerfreuliches Thema bei der Imkerversammlung im Gästehaus der Gemeinde Aukrug war das Jakobskreuzkraut in der Region. Die leberschädigenden Pyrrolizidinalkaloide (kurz: PA), die das Kraut enthält, können auch in den Honig gelangen. Das Bundesamt für Risikobelastung hält PA-Werte von maximal 140 Mikrogramm (millionstel Gramm) pro Kilogramm Honig für unbedenklich. Reimer Reimers (Böken) und sein Imkerkollege Siegfried Carstens (Bünzen) ließen 2014 zu verschiedenen Jahreszeiten insgesamt fünf Proben ihres Honigs analysieren. Alle Proben lagen im Bereich von 0 bis 50 Mikrogramm PA pro Kilo. „Die Belastung war also ziemlich gering“, so Reimers. „In Aukrug sind sowohl die Gemeinde als auch der Aukruger Bund, der Naturschutzring und Erna bestrebt, dass Problem Jakobskreuzkraut aktiv anzugehen“, betont der Vorsitzende des Imkervereins, der bei der Versammlung für drei weitere Jahre in seinem Amt bestätigt wurde. „Es wird mit vereinten Kräften versucht, die Jakobskreuzkraut-Flächen unter Kontrolle zu halten und wenn möglich zu verringern“, erklärte Reimers

Varroamilbe

Die Varroamilbe (Varroa destructor) ist eine (als adultes Weibchen) etwa 1,1 Millimeter lange und 1,6 Millimeter breite Milbe aus der Familie Varroidae, die als Parasit an Honigbienen (Apis mellifera und Apis cerana) lebt. Die Milbe entwickelt und vermehrt sich in der verdeckelten Brut im Bienenstock. Der Befall von Bienenvölkern durch die Milbenart wird als Varroose (alter Name: Varroatose) bezeichnet. Varroa destructor gilt als der bedeutsamste Bienenschädling weltweit.

Interview

Mit Dr. Kristina Hein,  Tierärztin beim Kreis Rendsburg-Eckernförde, sprach sh:z-Redakteurin Uta Petersen:

  Frau Dr. Hein, haben Sie Kenntnis über weitere Ausfälle duch die Varroamilbe im Kreis Rendsburg-Eckernförde?

Da diese Erkrankung nicht anzeigepflichtig ist, liegen keine genauen Zahlen vor. Aber bekannt ist uns schon, dass viele Imker dieses Problem haben. Es ist ein Hauptbefund bei Erkrankungen in Bienenvölkern. Der Ausfall in einigen Betrieben geht hin bis zu 100 Prozent in den Beständen. Wenn zu dem Milbenbefall noch ungünstige Witterung kommt,  wie es im vergangenen Jahr der Fall war, haben es die Imker schwer, das Problem in den Griff zu bekommen. Die Ausfälle könnten noch größer werden, da der Winter noch nicht vorbei ist.

 

Was kann ein Imker tun, damit die Ausfälle  nicht so groß werden?

Diese Milben sind sehr schwer zu behandeln und der Befall ist sowohl management- als auch witterungsanfällig. Viele Imker wissen jedoch, dass im Winter grundsätzlich mit Ausfällen gerechnet werden muss und bereiten sich darauf vor.  Sie bilden zum Beispiel schon im Sommer Ableger aus ihren Stammvölkern, die dann in der nächsten Saison zum Einsatz kommen. Man kann den eigenen Bestand also wieder aufbauen, aber einige betroffene Imker werden um Zukäufe nicht herumkommen. Äußerst wichtig ist es, dafür  zu sorgen, dass die Bienen in sehr gutem Zustand in den Winter gehen, sie also gut gefüttert werden. Das ganze Jahr über muss ein befallener Bestand allerdings auch behandelt werden, zum Beispiel mit Ameisensäure.

 

Wie sieht es derzeit mit der Faulbrut aus, die vor einigen Jahren ein großes Problem im gesamten Kreisgebiet war?

Damit haben wir im Moment nur wenig Probleme. Im vorigen Jahr musste zum Beispiel kein einziger Sperrbezirk in Rendsburg-Eckernförde ausgewiesen werden.

 

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erstellt am 06.Feb.2015 | 09:45 Uhr

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