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Holsteinischer Courier

21. Oktober 2017 | 14:29 Uhr

Kita-Kosten : „Ein Umzug kann teuer werden“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Krippenplätze im Kreis Segeberg kosten zwischen 160 Euro und 334 Euro.

Boostedt | Kita-Eltern müssen im Kreis Segeberg ganz unterschiedlich tief in die Taschen greifen, um die Betreuungskosten für ihre Kinder zu bezahlen. Das ist das Ergebnis einer anonymen Umfrage der Kreiselternvertretung Segeberg (KEV). „Wir haben jetzt handfeste Zahlen gewonnen, die uns eine Vergleichbarkeit ermöglichen“, erklärte Birthe Nohrden (40), Vorsitzende der KEV.

Die Elternvertretung hat 158 Kitas, Krippen und Horte angeschrieben; geantwortet hat knapp ein Drittel. Das ist die erste Umfrage in dieser Form der KEV.

Die Auswertung ergab besonders große Beitragsunterschiede in der Krippenbetreuung. Nach Courier-Informationen liegen die monatlichen Zahlungen der Eltern zwischen 160 Euro und 334 Euro, wenn sie ihr Kind unter drei Jahren an fünf Tagen in der Woche täglich fünf Stunden betreuen lassen. Das sind reine Betreuungskosten, ohne zusätzliche Ausgaben wie Verpflegungs- oder Ausflugsgeld.

Die Gebühren für Gruppen der über Dreijährigen liegen zwischen 126 Euro und 180 Euro. Birthe Nohrden kritisierte das Landesgesetz, das den Kommunen die Entscheidung über die Höhe der Elternbeteiligung überträgt: „Das führt zu fehlender Transparenz. Und ein Umzug ins Nachbardorf kann da schon teuer werden. In Hamburg-nahen und städtischen Bereichen scheint der politische Wille für niedrige Beiträge höher zu sein als in ländlichen Gegenden. Dabei sollten doch gerade die familienfreundlich sein, um nicht auszusterben.“ Für Eltern nicht nachvollziehbar seien daher diese großen Unterschiede bei den Betreuungsgebühren, sagte sie.

Laut Kindertagesstättengesetz in Schleswig-Holstein beteiligen sich Eltern prozentual an den Betriebskosten der Kitas. Dazu zählen zum Beispiel Mieten für die Räume, Heizung und Reinigung. „Den Löwenanteil nehmen aber die Personalkosten ein“, erklärte Birthe Nohrden, selbst Mutter zweier kleiner Kinder. „Mein Wunsch wäre ein Einheitspreis“, sagte die Boostedterin. Sie könne sich einen Anteil von 30 Prozent an den Betriebskosten vorstellen.

Die ehrenamtlichen Kreiselternvertreter fragten auch nach den Beitragserhöhungen in den vergangenen drei Jahren. Das Ergebnis laut KEV-Erhebung: Die Kosten für Eltern steigen stetig. So kletterte die Zahl der Einrichtungen, die erhöht haben, von 18 Prozent im Jahr 2014 auf 32 Prozent in diesem Jahr. Rund zwei Prozent mehr müssen Eltern von über Dreijährigen seit 2014 draufzahlen. Die durchschnittliche Beitragserhöhung ist auf rund vier Prozent gestiegen. Die Preissteigerung der Krippen liegt 2016 bei knapp 4,5 Prozent. „Der Grund dafür ist der gesetzlich vorgegebene Ausbau der Krippenplätze und der damit verbundene Erzieherschlüssel. Für zehn unter Dreijährige sind zwei Erzieher vorgesehen, eineinhalb Erzieher sollen sich um 20 Kita-Kinder kümmern“, erklärte Birthe Nohrden weiter.

Weil über die Hälfte der Kitas sich um ihren Krankenstand sorgt und den Personalschlüssel als unbefriedigend einstuft, fordert Birthe Nohrden: „Wir wünschen uns von der Politik eine Verbesserung des Betreuungsschlüssels. Der gesetzlich vorgeschriebene Schlüssel bedeutet, dass in den Morgen- und Nachmittagsstunden bis zu 23 Kinder von nur einer Person betreut werden. Ein hoher Krankenstand ist da nicht verwunderlich.“

Die KEV besteht aus 14 Müttern und Vätern, die sich für die Belange der Kinder, Eltern und Erzieher einsetzen. Sie hat eine beratende Funktion im Jugendhilfe-Ausschuss des Kreises Segeberg und der Stadt Norderstedt und pflegt den Kontakt zur Jugendhilfe und der Landeselternvertretung. 




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