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Anscharkirche : Ein Theaterstück, das nachdenklich macht

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

70 Gäste verfolgten das Begleitprogramm zur aktuellen Anne-Frank-Ausstellung in der Anscharkirche.

Neumünster | Schreie gellen im Halbdunkel, ein großer Scheinwerfer sucht Gesichter ab, ein Saxofon brüllt bedrohlich, die Menschen agieren panisch – diese beklemmende Szene ist Teil des Theaterstücks „Über das Leben oder meine Geburtstage mit dem Führer“, das vom Ensemble „Theaterspiel“ aus Witten gestern beeindruckend in der Anscharkirche aufgeführt wurde. 70 Gäste, überwiegend Schüler, verfolgten aufmerksam das Begleitprogramm zur aktuellen Anne-Frank-Ausstellung in der Kirche.

„Ich will diese Zeit spürbar näher bringen und die Zuschauer in die Geschichte hineinziehen“, erklärte die Autorin des Stücks, Beate Albrecht. Das ist ihr gelungen: Die Geschichte um die Hauptfigur Johanna zeigt in wechselnder Erzählperspektive, wie sich die gesellschaftlichen Verhältnisse der Nazi-Zeit immer weiter über das Privatleben des Mädchens stülpen und es letztlich brutal vernichten. 1933 ist der Reichskanzler Hitler noch jemand, über den Johannas Vater Witze reißt und der bei der Jugend einen populären Status genießt. Am Ende sind alle des überschaubaren Figurenpersonals tot, mit Ausnahme von Johanna und ihrem ehemaligen Kinderfreund und Naziüberläufer Hans.

Die Autorin Albrecht, die selber mit starkem Ausdruck die Mutter von Johanna spielt, bedient sich eines Kniffs, um die Zeit von 1933 bis 1945 zu zeigen: Die Geburtstage Johannas werden Jahr für Jahr gefeiert, und an ihnen sieht der Zuschauer die Veränderungen der Familienstruktur und der Charaktere. Das 2012 entstandene Stück wurde von überzeugenden Schauspielern präsentiert, die mit Tanzeinlagen und Instrumentalstücken gegen das Vergessen ankämpfen. Es macht nachdenklich.

Dennis Kuderna (22) war mit anderen Jugendlichen des Ausbildungsverbunds Neumünster bei der Premiere zu Gast und fand: „Ein super Stück! Besonders die Anfangsszene hat mir gut gefallen und die, in der der Vater erschossen wurde. Da kamen starke Gefühle hoch.“ Und Sarah Marquardt (16) von der Freiherr-vom-Stein-Schule meinte: „Durch die Beschäftigung mit dem Thema bin ich aufmerksamer gegenüber Diskriminierung geworden, die es ja auch in Neumünster gibt.“

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