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Holsteinischer Courier

13. Dezember 2017 | 10:24 Uhr

Ein Theaterabend der besonderen Art

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

„Eisenstein“ im Theater in der Stadthalle kam sehr gut an

von
erstellt am 15.Mär.2015 | 11:12 Uhr

Christoph Nußbaumeder hat sich in zehn Jahren in die vorderste Reihe junger Theaterautoren geschrieben. Seine Arbeiten muten an wie Volkstheaterstücke, in denen Schriftsteller wie Martin Sperr, Franz Xaver Kroetz und Felix Mitterer nachklingen. Diesen Tonfall schlägt Nußbaumeder auch in der bayerischen Familiensaga „Eisenstein“ an. In Kooperation mit dem Theater Regensburg und dem Metropol-Theater erarbeitete das „Euro-Studio Landgraf“ eine höchst beeindruckende Tourneeproduktion, die am Donnerstag knapp 300 Theaterbesuchern einen Eindruck vermittelte, wie faszinierend ein zeitgenössisches Theaterstück in einer durchstrukturierten Regie sein kann.

„Eisenstein“ umfasst die Zeit von der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart und erzählt von zwei Familien und drei Generationen, die durch ein unentwirrbares Lügengespinst aneinander gekettet sind. Darüber hinaus erzählt „Eisenstein“ von großen Emotionen, von Verrat, Hass, Schuld und Gewalt – und auch von ein wenig echter Liebe.

In Eisenstein, dem deutsch-tschechischen Grenzübergang, nimmt das Drama 1945 seinen Anfang. Die schwangere Erna flieht vor den Russen auf den Hof der Familie Hufnagel, wo ihr Sohn Georg zur Welt kommt. Erna, die sich mit dem Familienvater Joseph Hufnagel einlässt, macht ihn glauben, Georg sei sein Kind. Joseph verspricht, für den Jungen zu sorgen, wenn nur niemand von seiner Vaterschaft erfährt. Offiziell heißt es: Der Vater des Kindes ist Ernas auf der Flucht gestorbener Verlobter. Aus dieser Ur-Lüge entwickeln sich alle späteren Katastrophen, die darin gipfeln, dass Georg sich in Gerlinde, die älteste Tochter von Joseph und seiner Frau Jutta, verliebt. In der Gewissheit, dass sie Halbgeschwister sind, bringt Joseph sie auseinander. Gerlinde verschwindet, schwanger mit Georgs Kind. Weitere Lügengebäude werden errichtet, die auch in der zweiten und dritten Generation viel Unheil anrichten.

Fast drei Stunden dauerte die in aller Ruhe nacherzählte Geschichte, der man gut folgen konnte, weil als kleine Wegweiser Jahreszahlen und Fotos eingeblendet wurden. Regisseur Jochen Schlöch gelang eine in sich schlüssige Inszenierung, er arbeitete mit einem minimalistischen Bühnenbild: neun Stühlen, zwei schrägen Ebenen, wenigen Requisiten und mit Geräuschen. Gegen die naturalistische, manchmal durchaus banale Handlung, setzte Schlöch eine pantomimische Körpersprache und eingefrorene Gesten als spannenden Kontrapunkt.

Exzellente Leistungen boten die neun Darsteller in 15 Rollen. Aus dem Ensemble traten besonders heraus: Anna Dörnte als Erna, Ina Meling als Corin und die Schwestern Gerlinde (Nikola Norgauer) und Heidi (Edit Konrath). Florian Münzer füllte die Rolle als Bauer Hufnagel gut aus, und Hubert Schedlbauer bewältigte die große Rolle des Georg mit Bravour. Alle weiteren Mitspieler arbeiteten den Protagonisten sehr genau zu und hatten ihren Anteil an dem lebhaften Applaus des Publikums, das einen Theaterabend der besonderen Art erlebt hatte.

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