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Brustkrebstattoo-Tag : Ein Tattoo wird zur großen Hilfe für die Seele

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Silke Plehn aus Wasbek organisiert den Brustkrebstattoo-Tag in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Narben werden Teil eines Kunstwerks. Betroffene Frauen können sich bewerben.

Wasbek | Vor viereinhalb Jahren erkrankte Silke Plehn (55) an Brustkrebs. Heute engagiert sich die Wasbekerin in einem ganz besonderen Projekt für andere betroffene Frauen. „Brustkrebstattoos“ heißt die Aktion, die von der gelernten Apothekerin ins Leben gerufen wurde und immer größere Ausmaße annimmt. Dabei geht es darum, betroffenen Frauen ein hochwertiges Tattoo zu ermöglichen, das die Narbe mit einbezieht – und als neues ästhetisches Element vor allem seelische Narben heilen hilft. Für das Wochenende 14./15. Oktober ist ein großer Brustkrebstattoo-Tag geplant.

Silke Plehn hat die Auswirkungen der Krankheit sowie die positive Bedeutung einer selbstbestimmten Verschönerung am eigenen Leib erfahren. Im November 2012 bekam sie die Diagnose Brustkrebs. „Es war ein Zufall, dass der Krebs entdeckt wurde. Zum Glück war der Tumor klein“, erzählt sie. Es folgten Operation und Bestrahlungen bis zum März 2013. Heute ist sie krebsfrei.

Auch als sie das Krankenhaus längst verlassen hatte, verfolgte sie der Brustkrebs weiter. Unter anderem erinnerten Narben sie immer wieder an die schwere Erkrankung. „Es gab einen vorgezeichneten, medizinischen Weg, und ich bin ihm gefolgt; eine relativ passive Phase. Die Narben an der Brust und dort, wo der Wächterlymphknoten entfernt wurde, verheilten gut. Die auf der Seele nicht so schnell. Nach der OP sah ein Teil meines Körpers nun anders aus, als gewohnt“, schreibt sie auf ihrer Internetseite www.brustkrebstattoos.de.

„Einige Wochen später hatte mein Mann, der übrigens – genau wie ich damals – nicht tätowiert ist, die Idee mit dem Brusttattoo“, erzählt die Mutter von drei erwachsenen Kindern. Silke Plehn dachte über diese Möglichkeit nach – dann ließ sie sich im Bereich der Narben einen Krebs stechen. „Die Auswahl des Motivs war etwas trotzig“, sagt sie lachend. „Ich habe jetzt einen anderen Krebs, der alte muss nicht mehr wiederkommen“, das wollte sie damit sagen. „Den Moment, als das Tattoo fertig war, werde ich nie vergessen. Das hat mich innerlich sehr berührt und positiv gestärkt“, berichtet sie. Die Tätowierung ermöglichte ihr „einen selbstbestimmten ästhetischen Abschluss“.

Dieses gut Gefühl möchte ich auch anderen Frauen weitergeben, dachte sich die Wasbekerin bald darauf. Sie wusste, dass viele betroffenen Frauen Probleme damit haben, sich im Spiegel zu sehen oder zum Beispiel nicht mehr ins Schwimmbad gehen. Silke Plehn begann deshalb zu recherchieren und fand im Internet die Organisation Personal Ink (P.Ink.org.) aus den USA, wo Informationen zu Narben verdeckenden Tätowierungen zusammenlaufen. Diese Seite nahm sie sich zum Vorbild. Ihr ging es darum, ein Netzwerk zu entwickeln, mithilfe dessen betroffene Frauen qualifizierte Tätowierer, die Erfahrungen mit Narben-Tattoos haben, in ihrer Region finden können.

2014 erstellte sie für den deutschsprachigen Raum die Internetseite www.brustkrebstattoos.de sowie eine Facebookseite. Was erst klein mit wenigen Kontakten und Diskussionen anfing, ist mittlerweile zu einer rege genutzten Plattform geworden. „Viele Frauen stellen auf meinen Seiten Fragen oder berichten von den eigenen Erfahrungen“, so Silke Plehn. Als sie selbst bei einem Tätowierer einen Gutschein gewann, stellte die Wasbekerin ihn auf ihrer Seite für eine Frau, die sich ein Brustkrebstattoo nicht leisten kann, zur Verfügung. Immerhin kostet ein größeres Exemplar 700 bis 1000 Euro. Und viele Frauen können durch die Erkrankung ihren Berufen nicht mehr in vollem Umfang nachgehen mit den entsprechenden finanziellen Folgen.

Eine neue Idee war geboren: Im Oktober 2016 veranstaltete die 55-Jährige von Wasbek aus den ersten Brustkrebstattootag mit fünf Tätowierern, die jeweils eine betroffene Frau quasi als Spende kostenfrei tätowierten. Anlaufstellen gab es damals in Lübeck, Uelzen, Köln, Herford (Nordrhein-Westfalen) und Österreich.

Am 14. und 15. Oktober 2017 soll der zweite Brustkrebstattootag über die Bühne gehen – allerdings in deutlich größeren Dimensionen: Mittlerweile haben sich schon 58 Tätowierer aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz bereit erklärt, kostenfrei mitzumachen, darunter einer aus Neumünster und einer aus Husberg. Auch der Künstler Shane Wallin aus den USA wird kommen und in Leipzig mitarbeiten. Seit dem 1. Mai haben sich schon 36 Frauen für die Aktion angemeldet. Bewerbungen um ein kostenloses Brustkrebstattoo werden noch bis zum 16. Juli unter info@brustkrebstattoos.de entgegen genommen. Eine Liste der teilnehmenden Tätowierer ist ebenso wie weiter Informationen auf der Homepage zu finden. Es kann ein Erst- und ein Zweitwunsch angegeben werden. Bei zu großer Nachfrage entscheidet das Los.

Voraussetzung für die Teilnahme ist, dass die Narben zwei Jahre verheilt sind. Außerdem sollte zuvor ein ärztlicher Rat eingeholt werden. Silke Plehn stellt den Kontakt zwischen den Gewinnerinnen und dem Künstler her, die dann alles weitere direkt absprechen. Wichtig ist, dass die Frauen bereit sind, ein Bild des neuen Tattoos zu veröffentlichen. Denn die Aktion soll vielen weiteren Frauen Mut machen – egal ob mit oder ohne Tattoo.


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erstellt am 18.Jun.2017 | 09:00 Uhr

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