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Hospiz-Initiative : Ein Stück gelebte Mitmenschlichkeit

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

250 Besucher kamen zur Veranstaltung der Hospiz-Initiative in die Stadthalle. Franz Müntefering referierte über den Umgang mit dem Tod.

shz.de von
erstellt am 11.Mai.2017 | 08:17 Uhr

Neumünster | Auf reges Interesse stieß die Auftaktveranstaltung der Hospiz-Initiative am Dienstagabend, die mit einer Kampagne neue Ehrenamtliche für die besondere Arbeit als Hospizhelfer gewinnen möchte. 250 Besucher nahmen im Festsaal der Stadthalle Platz und informierten sich darüber, was es für Sterbende, Angehörige und Begleiter bedeuten kann, wenn ein fremder Mensch mit einem Schwerkranken den letzten Weg gemeinsam geht. Unter dem Motto „Zeit schenken – Begegnungen gewinnen“ gab es eine Podiumsdiskussion, die von der Journalistin Harriet Heise moderiert wurde, einen Vortrag von Franz Müntefering und einen Kurzfilm.

„Die Humanität einer Gesellschaft zeigt sich auch in ihrem Umgang mit dem Alter und dem Sterben“, sagte Franz Müntefering (77), der nicht nur SPD-Politiker ist, sondern auch Mitglied des Stiftungsrats der Deutschen Hospiz- und Palliativ-Stiftung. Der ehemalige Vizekanzler, der seine erste Ehefrau durch ein Krebsleiden verloren hat, bereicherte seine Betrachtungen mit einer persönlichen Note. „Ich habe das nur durchgestanden, weil es Leute gab, die geholfen haben, als es nötig war“, erklärte er. Er lobte die Hospizbewegung als „eine der größten und schönsten, die wir in unserem Land haben, denn sie ist ein Stück gelebte Mitmenschlichkeit.“

Britta Juckel, die sich kurz vor Abschluss der eineinhalbjährigen berufsbegleitenden Ausbildung zur Sterbebegleiterin befindet, erzählte auf dem Podium von ihren persönlichen Erfahrungen: „Diese Arbeit bringt auch unheimlich viel Spaß und ist nicht nur traurig, denn die Menschen bereichern das Leben. Man hat alle Facetten des Lebens dabei.“ Petra Marré, Leiterin des ambulanten Hospizdienstes in Neumünster, erklärte dem Publikum: „Man muss nicht christlich sein, um einen Menschen würdevoll beim Sterben zu begleiten. Man sollte Neugier mitbringen zu einem Thema, bei dem viele Menschen sonst das Gruseln kriegen.“

Deutlich wurde auf dem Podium auch, dass Zeit ein großes Geschenk für die Sterbenden ist. „Wir versuchen, einen Rahmen der Entschleunigung zu geben. Mancher Patient berichtet, er habe hier zum ersten Mal nach langer Zeit wieder geschlafen“, berichtete Dr. Klaus Wittmaack von der Palliativstation im FEK. Auf einen wichtigen Punkt machte Franz Müntefering aufmerksam: „Die eigene Hilfsbedürftigkeit muss akzeptiert werden. Das fällt in der Regel Männern schwerer als Frauen. Aber wir wären ohne Hilfe auch nicht zur Welt gekommen.“

Der Chor „Jetzt oder nie“, der aus Schwerkranken und Gesunden besteht, sorgte für den musikalischen Rahmen genauso wie das Musikensemble „Quartetto“.

Die Besucherin Petra Schmale war von dem Abend angetan: „Es war sehr ansprechend. Ich kann mir gut vorstellen, als Sterbebegleiterin zu arbeiten, allerdings nicht in meiner jetzigen Berufs- und Familienphase. Ich stelle mir die Aufgabe sehr bereichernd vor.“

In Neumünster gibt es zwölf Pflegeheime. Ein Gesetz von 2015 regt Pflegeheime zur Verbesserung ihrer Sterbekultur an und empfiehlt die Zusammenarbeit mit Hospiz-Vereinen. „Wir beteiligen uns gerne daran, den Hospizgedanken in die Gesellschaft zu tragen“, erklärte Petra Marré.

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