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Nachruf : Ein Stadtpräsident zum Anfassen, der seine Stadt vorbildlich repräsentierte

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Zum Tode von Friedrich-Wilhelm Strohdiek

von
erstellt am 18.Feb.2015 | 06:30 Uhr

Neumünster | Es war kurz nach der konstituierenden Sitzung der Ratsversammlung im Juni 2008. Im kleinen Kreis wurden im Rathaus die ersten Termine des neuen Stadtpräsidenten Friedrich-Wilhelm Strohdiek besprochen und ein Blick bis in den Sommer getan. Auf die Frage, wann er denn Urlaub machen werde, sagte Strohdiek: „Keine Sorge, ich mache keinen Urlaub.“ Mit dieser Einstellung und buchstäblich preußischer Pflichterfüllung ist Friedrich-Wilhelm Strohdiek damals nicht nur in das neue Amt als Stadtoberhaupt und oberster Repräsentant gestartet; diese Amtsauffassung behielt er bei, buchstäblich bis zum letzten Tag. Und der kam viel zu früh. Vielleicht hat er sich doch zu viel zugemutet. Der Tod kam am vergangenen Donnerstag jedenfalls sehr plötzlich, im Alter von 72 Jahren.

Friedrich-Wilhelm Strohdiek wurde 1942 in Hamburg geboren. Er ging in Hamburg und Tostedt (Niedersachsen) zur Schule, machte zunächst eine Ausbildung zum Drogisten in Hamburg, wurde Filialleiter einer Drogerie. 1960 wurde er zum Wehrdienst eingezogen, und der Bundeswehr blieb er als Reserveoffizier im Sanitätswesen stets verbunden.

1962 begann Strohdiek eine Karriere in der Pharmaindustrie, im Außendienst der Firma Nattermann. 1978 ließ er sich bei Boehringer zum Pharmaberater ausbilden, und bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand war er in der Pharmabranche tätig. Neumünsteraner (genauer: Einfelder) war Strohdiek seit über 50 Jahren. Mit seiner Traute war er 46 Jahre verheiratet. Die beiden haben zwei erwachsene Kinder.

In der Kommunalpolitik war CDU-Mann Strohdiek schon ein paar Jahre tätig gewesen, als er 2008 im Alter von 65 Jahren erstmals in die Ratsversammlung gewählt wurde. Als die CDU bei der Kommunalwahl das beste Ergebnis geholt hatte und damit das Vorschlagsrecht für das Stadtoberhaupt erhielt, da geriet Strohdiek sehr schnell ins Blickfeld. Mit seiner leicht aristokratischen Ausstrahlung, dem wilhelminischen Bart, dem Einstecktuch und den vollendeten Manieren schien er trotz der fehlenden Erfahrung durchaus präsidiabel zu sein. Dass die SPD mit der gleichen Zahl von Ratsmandaten auch Ansprüche auf das Amt anmeldete, schreckte ihn nicht. Voller Selbstbewusstsein stellte Strohdiek sich der Kampfabstimmung mit Arno Jahner (SPD), ließ sich von den Parteifreunden eine Mehrheit organisieren – und wurde am 17. Juni 2008 mit 22 zu 21 Stimmen zum elften Stadtpräsidenten in Neumünsters Nachkriegszeit gewählt. Die Wiederwahl 2013 war dann sogar einstimmig.

Wer den Stadtpräsidenten einlud, der bekam ihn auch. Strohdiek war jederzeit bereit, zu größeren oder auch zu den ganz kleinen Anlässen präsent zu sein. Das galt nicht nur für Termine in Neumünster. Ob in Boostedt ein Bundeswehrbataillon in den Kosovo verabschiedet wurde oder ein Neumünsteraner Künstler in Lübeck zur Vernissage einlud – Strohdiek war dabei. Und wenn sich der Dienstwagen der Stadt an einem späten Freitagabend im Schneesturm durch Wasbek kämpfte, wusste man: Der Stadtpräsident war auch bei diesem Wetter beim Neujahrsempfang der Wasbeker CDU gewesen und hatte seine Stadt repräsentiert. Die Amtskette trug er stets mit sichtbarem Stolz.

In Neumünster kannte er buchstäblich Gott und die Welt. Wer mit ihm über den Großflecken ging, kam nicht weit. Jeder Zweite (er)kannte ihn, jeder Dritte sprach ihn an – und bekam eine freundliche, höfliche Antwort. Nie wäre es Strohdiek eingefallen, einen Menschen zurückzuweisen, der sich ihm höflich näherte. So war auch seine Amtsführung. Manch erkrankter Ratsherr bekam von ihm (unabhängig von der Partei) einen überraschenden Krankenbesuch im FEK, manch Amtsleiter wurde auf der Bühne des Ratssaales in den Ruhestand verabschiedet, manch junge Mutter bekam persönliche Glückwünsche zur Geburt ihres Kindes.

Auch in der türkischen Gemeinde war Strohdiek präsent und hoch angesehen; dort tat er viel für die Integration. Aber er mahnte die ausländischen Mitbürger auch, unsere Sprache zu lernen und sich in unsere Gesellschaft zu integrieren.

Seit mehr als 20 Jahren war Strohdiek Mitglied der Freimaurer-Loge „St. Johannis zur Brudertreue an der Schwale“, in den vergangenen Jahren sogar ihr Logenmeister. Ebenfalls über Jahrzehnte hinweg kochte er gern (und gut), am liebsten in einer Männerrunde: Strohdiek war 1986 Gründungsmitglied der Schwale-Chuchi, einem Club kochender Männer. Und vor einigen Jahren nahm ihn auch die Bürgergilde in ihre Reihen auf. Den Vorsitz im Verein für Jugendmusik übernahm er 2010.

Eine hohe Auszeichnung erhielt Friedrich-Wilhelm Strohdiek im Jahr 2007: Ministerpräsident Harald Ringstorff verlieh ihm die Ehrenurkunde des Landes Mecklenburg-Vorpommern – stellvertretend für den Verein „St. Johannis Bruderhilfe“. Der von Strohdiek mitbegründete Verein sammelte Spenden für soziale Projekte und gab viel davon an Bedürftige in Mecklenburg-Vorpommern. Aber er half nicht nur, wenn die Medien berichteten. Auch im Verborgenen und auf dem „kleinen Dienstweg“ hat Strohdiek so manches Problem gelöst, ohne dafür großartig Dank zu erwarten.

Die Stadt Neumünster hat Friedrich-Wilhelm Strohdiek viel zu verdanken.

 

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