Benefiz-Aktion : Ein Spezialrad sucht neue Besitzer

Aus ihrem speziellen Fahrrad ist Merle Tönnies, hier mit ihrer Mutter Angela, herausgewachsen. Der Erlös des Verkaufs plus eine Spende der Fahrrad-Börse soll an den Förderverein der Fröbelschule gehen. Dort geht Merle zur Schule.
Aus ihrem speziellen Fahrrad ist Merle Tönnies, hier mit ihrer Mutter Angela, herausgewachsen. Der Erlös des Verkaufs plus eine Spende der Fahrrad-Börse soll an den Förderverein der Fröbelschule gehen. Dort geht Merle zur Schule.

Angela Tönnies aus Gadeland möchte das zu klein gewordene Spezialgefährt ihrer behinderten Tochter zugunsten des Fördervereins der Fröbelschule verkaufen. Fahrradbörse will den Erlös aufstocken

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06. November 2013, 07:30 Uhr

Wenn ein Kind aus seiner Garderobe herauswächst, bekommen entweder die jüngeren Geschwister die zu kleinen Sachen – oder die Kleidersammlung. Was aber tun mit einem Spezialfahrrad, das bisher ein Kind mit Behinderung fuhr? Angela Tönnies hatte eine Idee: Sie möchte das Therapiefahrrad, das ihre Tochter Merle (14) bisher benutzte, an Eltern mit Kindern in ähnlicher Lage verkaufen und den Erlös an den Förderverein der Fröbelschule spenden. „Wir haben lange um das Rad gekämpft. Vielleicht gibt es Eltern, die schon aufgegeben haben“, sagt die Gadelanderin.

Besichtigen können Interessierte das gute Stück, das einen Neuwert von etwa 1400 Euro hat, bei der Fahrradbörse am Haart im Störpark (www.fahrradboerse-pinneberg.de). Inhaber Gordon Horter hat das Rad bereits durchgecheckt und möchte den Erlös des Verkaufs aus eigener Tasche aufstocken. Es hat spezielle Merkmale – einen stabilen Sitz, einen tiefen Einstieg, spezielle Feststellbremsen und extrastarke, gefederte Stützen, die verhindern, dass das Rad zu schnell umkippt. Merle, die von Geburt an das Down-Syndrom hat, wurde es so möglich, eigenständig Fahrrad zu fahren; auf einem normalen Fahrrad hätte sie es aufgrund von Gleichgewichtsproblemen nicht geschafft. „Wir hoffen, dass wir so etwas Gutes für andere leisten können, wir suchen die richtigen Kandidaten“, sagt Angela Tönnies.

Sie und ihr Mann Hauke haben über vier Jahre lang mit ihrer Krankenkasse um das Fahrrad gerungen. „Ihr Kind braucht kein Fahrrad“ und ähnliches hat sie im Laufe der Zeit gehört – als ob Kinder mit Handicap keinen Spaß daran hätten, mit dem Rad durch die Gegend zu fahren. Kersten Andresen vom Verein Lichtblick für Körper- und Mehrfachbehinderte kennt die Thematik: „Alle Freizeitgeräte wie Fahrräder, Roller oder Bollerwagen sind für Krankenkassen keine therapeutischen Hilfsmittel und werden deshalb nicht bezahlt. Fahrradfahren wird so zur Lusuxfreizeitbeschäftigung“, sagt sie mit ironischem Unterton.

Erst wenn ein spezielles Fahrrad, beispielsweise ein feststehendes für den Gebrauch in der Wohnung, eine Nummer als Hilfsmittel habe, gewähre die Krankenkasse im Rahmen einer „Kann“-Regelung eventuell Zuschüsse. Andresen: „In unserem Verein in Neumünster haben wir Fahrräder über Stiftungen oder Eingliederungshilfe bezahlt. Letzeres wird dann gültig, wenn ein Fahrrad die Teilhabe am öffentlichen Leben ermöglicht.“

Auch mit anderen Bewilligungen hatte Familie Tönnies zu kämpfen wie bestimmte Matrazen, die Reha nach einer aktuellen Knie-Operation oder im Kleinkindalter einen speziellen Hochstuhl. Angela Tönnies: „Das war alles sehr nervenaufreibend.“ Jetzt hoffen sie, dass das Rad in die richtigen Hände kommt, wo die entsprechende Wertschätzung vorhanden ist. Die Spende an den Förderverein? „Die tun einfach so viel für die Schüler.“

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