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Junge Flüchtlinge : Ein Schulabschluss als Türöffner

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

25 junge Flüchtlinge wurden vor und in den Sommerferien unterrichtet. Gestern wurden ihnen die Zeugnisse überreicht.

von
erstellt am 12.Sep.2017 | 08:30 Uhr

Neumünster | Ein altes arabisches Sprichwort sagt „Wissen ist Licht – Unwissenheit ist Dunkelheit.“ An der Elly-Heuss-Knapp-Schule an der Carlstraße standen gestern Vormittag 25 junge Männer und Frauen in ganz besonders strahlendem Licht. Sie alle hatten in den großen Ferien an einem Sommerkursus teilgenommen und durch fleißiges Lernen den ersten allgemeinbildenden Schulabschluss (ehemals Hauptschulabschluss) erworben. Gestern wurden ihnen in einer Feierstunde die Abschlusszeugnisse überreicht.

Der Sommerkursus ist ein Gemeinschaftsprojekt der Elly-Heuss-Knapp-Schule (EHKS), der Theodor-Litt-Schule sowie der Walther-Lehmkuhl-Schule und fand bereits zum zweiten Mal statt. Eine Woche vor sowie sechs Wochen in den Sommerferien standen für die Schüler Deutsch, Mathematik, Englisch, Religion und fachpraktischer Unterricht in Form von Werken auf dem Stundenplan. Alle Jugendlichen hatten zuvor im Schuljahr 2016/2017 am Unterricht einer Berufsintegrationsklasse „Deutsch als Zweitsprache“ oder der Ausbildungsvorbereitung Schleswig-Holstein teilgenommen. Insgesamt hatten sich in diesem Jahr 27 Schüler der Herausforderung gestellt, nur zwei von ihnen waren im ersten Anlauf nicht erfolgreich.

Für Jörg Leppin, Schulleiter der Elly-Heuss-Knapp-Schule, ist das Ergebnis nicht nur eine Bestätigung, sondern auch ein Ansporn. „Das Thema Integration hat in Deutschland nach wie vor eine sehr große Bedeutung. Das hat auch das TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Herausforderer Martin Schulz gezeigt. Hier wurde dem Bereich Integration ein sehr großes Zeitfenster eingeräumt. Im Mittelpunkt steht für uns auch weiterhin die Frage, wie wir die jungen Flüchtlinge in Ausbildung bringen und für den Arbeitsmarkt qualifizieren können“, sagte Leppin.

Das Konzept des Sommerkurses, das die drei Regionalen Berufsbildungszentren in Neumünster entwickelt haben, stieß auch bei dem Leiter der Safety Villa an der Kieler Straße, Stefan Westphalen, auf große Zustimmung. In seinem Grußwort lobte er das Engagement der jungen Flüchtlinge: „Ihr wart immer pünktlich, ihr habt euer Bestes gegeben, und ihr habt neue Freundschaften geschlossen, weil das gemeinsame Thema euch verbunden hat.“

Großer Applaus brandete auf, als einige Absolventen ans Rednerpult traten und ihre Erfahrungen während des Sommerkurses in eigene Worte fassten. „Wir haben während der Ferien eine große Chance bekommen. Natürlich war es manchmal schwer, motiviert zu bleiben, wenn alle anderen frei hatten und sich erholen konnten. Wir konnten schließlich nicht in den Urlaub fahren oder das gute Wetter genießen. Aber wir danken allen Beteiligten, die uns diese Möglichkeit gegeben haben, besonders den Lehrern, die ihre Freizeit geopfert haben“, sagte Mostafa Hosseini. Besondere Worte richtete er an seine Klassenlehrerin Sabine Klütz von der EHKS: „Sie hatten stets ein offenes Ohr für uns und haben uns immer unterstützt, wenn wir sie gebraucht haben.“

Auch sein Mitschüler Amar Marei fand während der Feierstunde rührende Worte: „Aller Anfang ist schwer, das galt auch für uns. Zuerst haben wir viel Blödsinn gemacht und die Lehrer geärgert. Heute weiß ich, dass wir es ohne sie nicht geschafft hätten.“

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