Amtsgericht Neumünster : Ein Schubser ist noch keine Backpfeife

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Das Amtsgericht Neumünster hat das Verfahren gegen einen Diskotheken-Türsteher eingestellt. Selbst das angebliche Opfer wollte von einem Schlag jetzt nichts mehr wissen.

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23. November 2013, 10:00 Uhr

Neumünster | Sie sind nicht immer überfreundlich, gucken meist grimmig und können auch schon mal ordentlich zupacken – aber sie sind auch nicht immer automatisch die Bösen: Türsteher vor Diskotheken.

Ohne weitere Auflagen stellte das Amtsgericht Neumünster jetzt das Verfahren gegen einen 39-jährigen „Rausschmeißer“ ein, der im März in einer Diskothek an der Wrangelstraße einen 17-Jährigen beschimpft und geschlagen haben soll.

Kahlköpfig, mit breitem Kreuz und hünenhafter Statur entsprach der Angeklagte zwar dem gängigen Klischee des Zupackers, Richter und Staatsanwalt ließen sich davon aber nicht in eine Richtung drängen. Immerhin konnte der 39-jährige Russland-Deutsche auf ein sauberes Vorstrafenregister ohne Eintragungen und neun Jahre Erfahrung als Wachmann verweisen. Dass er den angeblichen Schlag ins Gesicht seines Opfers und die Beleidigungen bestritt, überraschte dagegen kaum.

Er habe lediglich einen Streit unter Jugendlichen glätten wollen, sagte der Mann aus. Als der Junge ihn in der Hitze der Auseinandersetzung an der Jacke packen wollte, habe er ihn zurückgeschubst, und ihn am Nacken packend seinem Kollegen vor der Tür übergeben. Beleidigungen seien nicht gefallen – jedenfalls nicht von seiner Seite.

Dagegen klangen die Einlassungen des angeblichen Opfers in den Ohren des Gerichts etwas verschwommen, teilweise auch widersprüchlich. Welche Beleidigung seinerzeit gefallen seien, daran konnte sich der junge Mann nicht erinnern, angeblich wohl aber an die Stimme des Türstehers, der damals zunächst hinter ihm gestanden haben soll.

Auch an den Schlag hatte er vor Gericht keine Erinnerung mehr, obwohl der Arzt ihm später rote Flecken am Hals und Druckstellen am Arm bescheinigte. Noch in der polizeilichen Vernehmung vor der Diskothek und auch 14 Tage später auf dem Revier hatte der 17-Jährige den Türsteher noch beschuldigt ihm „eine geklatscht“ zu haben.

Ob er denn damals gelogen habe, wollte der Richter von dem Zeugen wissen. Nein, er habe ja schließlich Schmerzen im Gesicht verspürt, wehrte sich der junge Zeuge, ohne konkret darauf einzugehen. Ob er dem Türsteher durch seine Beschuldigung nur eins auswischen wollte oder jetzt nur aus Angst vor dem Rausschmeißer seine eigenen Vorwürfe klein redete, blieb letztlich ungeklärt. Viele Wahlmöglichkeiten ließ er dem Gericht wegen seiner dürren Aussagen aber nicht. Wegen geringer Schuld stellte der Richter das Verfahren gegen den Türsteher ein.

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