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Holsteinischer Courier

13. Dezember 2017 | 18:35 Uhr

Ein Richter mit spitzer Feder

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Amtsgerichtsdirektor Andreas Martins befasst sich in seiner Freizeit künstlerisch mit seinem Berufsstand und zeichnet Karikaturen

shz.de von
erstellt am 28.Feb.2017 | 17:12 Uhr

Auf der einen Seite das sachliche, streng neutrale Gesetz, auf der anderen die frei spottende Kunst der Karikatur – was nach Gegenatz klingt, vereinigt sich in der Person von Andreas Martins. Der Direktor des Amtsgerichts zeichnet in seiner Freizeit Karikaturen und nimmt dabei gern das eigene Berufsumfeld auf die Schippe. Zurzeit ist ein Teil seiner Werke in einer Ausstellung im Itzehoer Landgericht zu sehen.

Konflikte zwischen den ungleichen Feldern sieht der Richter nicht. Ganz im Gegenteil: In seinem beruflichen Umfeld findet er ein ideales Betätigungsfeld. Martins: „Richter sind oft ausgesprochene Individualisten mit sehr charakteristischen Merkmalen.“ Und damit wie geschaffen für seine Zeichnungen, die er meist mit Bleistift zu Papier bringt, manchmal auch in Farbe mit Buntstiften oder Aquarell.

Worum geht es ihm in seiner Kunst? Martins sucht nach den richtigen Worten. Denn: Was sich nur schwer beschreiben lässt, ist letztlich das, was er auf Papier zu bringen versucht. „Es geht nicht einfach um das Abbilden eines Gesichtes oder das Übertreiben von Gesichtszügen zum Selbstzweck. Den Charakter eines Menschen herauszustellen – das ist die wahre Kunst“, erklärt er. Deshalb bemüht er sich stets, die typische Mimik oder die besondere Körperhaltung seines Objektes zu finden.

Bei Männern sei das meist einfacher als bei Frauen. Die Gesichter seien kantiger und weniger glatt, es gebe häufiger Alleinstellungsmerkmale wie Bärte, Brillen oder große Nasen. Vom Leben gezeichnete, zerklüftete Gesichter hält Martins für am besten geeignet. Er sagt: „Hervorragende Karikaturisten liefern bei zu hübschen Menschen wie Marilyn Monroe oft nicht ihre besten Arbeiten.“

Bei seiner Arbeit trifft der Amtsdirektor nicht nur auf Menschen, sondern vor allem auch auf komplexe Zusammenhänge. Diese in einfache, den Kern der Sache treffende Bilder zu fassen und Widersprüche zu visualisieren, beschreibt Martins als eine weitere zentrale Aufgabe des Karikaturisten. „Dabei helfen gewisse zeichnerische Stilmittel, beispielsweise aus den Locken der Haarpracht eines Kollegen ein Paragrafenzeichen zu formen“, sagt Martins.

Justitia mit Augenbinde, Schwert und Waage steht für die Justiz, ein Richter ist an Robe und Hammer zu erkennen. Martins Zeichnungen zu Justizthemen finden sich etwa auf den Titelseiten einer Fachzeitschrift, die der Landesrichterverband mehrmals im Jahr veröffentlicht. Auf einem der Cover zu sehen ist die erwähnte Justitia – von Überlastung gebeugt und krank, während das als Arzt personifizierte Personalbedarfsberechnungs-Verfahren ihr bedeutet, sie solle sich nicht so anstellen.

Martins hatte bereits als Kind seine Mitschüler gezeichnet, später beim Studium die Professoren. „Das Karikieren war schon in mir, lange bevor ich meinen Beruf gewählt habe. Es begleitet mich mein ganzes Leben.“ Eigentlich wollte er Kunst studieren. Jura ist es geworden, weil er an der Kunsthochschule abgelehnt wurde. Im Nachhinein hält er seine zweite Wahl für die klügere: „Ich liebe meinen Beruf, und außerdem ist es ein Gebot der Vernunft. Lieber einen Existenz sichernden Beruf und die Kunst als Ergänzung – ein freier, kreativer Prozess als Ausgleich zur Aktenarbeit.“

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