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Holsteinischer Courier

20. September 2017 | 11:25 Uhr

FEK : Ein Ort für das Sterben in Würde

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Vor 20 Jahren wurde die Palliativstation im FEK gegründet / Zuerst ist es ein Schock, wenn Patienten hören, dass sie dorthin umziehen sollten

shz.de von
erstellt am 14.Mai.2017 | 09:07 Uhr

Neumünster | Wenn Menschen erkranken, ist es das oberste Ziel von Ärzten, sie zu heilen. Doch bei Schwerstkranken gibt es den Punkt, an dem klar wird, dass medizinische Hilfe nichts mehr nützt. Wie geht man mit diesen Patienten um? Wie ermöglicht man ihnen ein würdiges Sterben? Aus diesem Gedanken heraus wurde vor 20 Jahren die Palliativstation im FEK gegründet, die jetzt ihr rundes Bestehen mit einem Symposium für geladene Gäste und mit Fachvorträgen zu „Würde in der Medizin“ begeht.

„Die Palliativmedizin war damals nicht weit verbreitet. Neumünster war absoluter Vorreiter in Schleswig-Holstein neben Flensburg, das war hochinnovativ und mutig“, sagte gestern FEK-Geschäftsführer Alfred von Dollen. Es war vor allem der treibenden Kraft von vier Frauen zu verdanken, die 1992 die Hospiz-Initiative gründeten: Dr. Christa Buchwald, Irmgard Gillert, die inzwischen verstorbene Pastorin Regina Wichmann-Roß und die Krankenschwester Erika Koepsell. Sie wurden im FEK unterstützt von Dr. Hajo Wetzel, dem damaligen Oberarzt der Radiologie und Nuklearmedizin.

Am 30. April 1997 wurde die Station eröffnet. „Es sollte eine besondere Atmosphäre für schwerstkranke Menschen und ihre Angehörigen geschaffen werden, ein besonderer Rahmen. Die Tagesabläufe wurden nach den Patienten ausgerichtet“, sagt Krankenschwester Julia Hertz-Kleptow, seit fünf Jahren auf der Station. Die Situation jedes einzelnen Patienten wurde und wird individuell und täglich besprochen. Ebenso gilt das Augenmerk den Angehörigen, die in dieser Situation nicht alleine gelassen werden.

14 Pflegekräfte, ein Arzt, eine Physio-, eine Kunst- und eine Musiktherapeutin, eine Psychologin und ein Seelsorger-Team kümmern sich um die Patienten. Einen besonderen Posten hat Inga Wolter. Ihre Aufgabe ist der Konsildienst: Sie nimmt auf anderen Stationen den Erstkontakt mit Ärzten auf, wenn ein Patient auf die Palliativstation wechseln soll, führt Gespräche mit Patienten und Stationsärzten. „Es ist immer ein großer Schock für Betroffene und Angehörige, wenn sie hören, dass es auf die Palliativstation gehen soll. Wir wollen Berührungsängste abbauen, geben den Patienten Zeit. Falls möglich, gehen wir mit ihnen auch im Vorfeld auf die Station“, sagen Oberarzt Dr. Klaus Wittmaack und Inga Wolter. Sie haben festgestellt: „Die Akzeptanz ist gewachsen.“ Es gelte, dies zielstrebig und behutsam gleichermaßen weiterzuentwickeln.

Das bezieht sich auch auf die Palliativmedizin in der Region – und das wichtige Netzwerk rund um das FEK mit Heimen, Ärzten, Pflegediensten, der spezialisierten ambulanten palliativen Versorgung (SAPF) und vor allem der Hospiz-Initiative und ihren Ehrenamtlichen, die täglich vor Ort und gar nicht wegzudenken sind. Die Hospizler begleiten die Todkranken, ihre Angehörigen, bieten Gespräche an oder auch gemeinsames Schweigen. Sie begleiten die Patienten auch außerhalb des Krankenhauses weiter. „Zwei Drittel der Palliativpatienten werden entlassen. Das war 1997 noch anders, zwei Drittel starben im FEK. Auch wenn unser Motto ‚Dem Sterben ein Zuhause geben‘ ist, sind wir doch keine Sterbe-Station“, betont Wittmaack.

„Unsere Türen stehen Interessierten offen“, sagt Chefarzt Dr. Jochen Hansen. Einen Film über die Arbeit gibt es auf der Internet-Seite des FEK (Anästhesiologie-Klinik).

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