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Südfriedhof : Ein lehrreicher Spaziergang für die Seele

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Brigitte Lemke von der Hospiz-Initiative führte 14 Teilnehmer über den Südfriedhof. Gedichte und Anekdoten luden zum Innehalten ein.

Neumünster | Bei strahlendem Sonnenschein hatten sich am Sonntag 14 Besucher an der Plöner Straße versammelt, um sich von Brigitte Lemke über den farbenprächtig erblühten Südfriedhof führen zu lassen. Die Hospiz-Initiative hatte dort zum ersten „Spaziergang für die Seele“ in diesem Jahr eingeladen.

„Der Spaziergang soll die Scheu nehmen, alleine über einen Friedhof gehen zu müssen“, erklärte Brigitte Lemke, die vor sechs Jahren den „Seelenspaziergang“ ins Leben gerufen hatte. „Er ist von Anfang an ein Erfolg gewesen, selbst bei Regen waren wir zu zwölft“, sagte Brigitte Lemke, die auch das Trauercafé der Hospizinitiative leitet.

Bis auf einen Besucher waren die Spaziergänger am Sonntag weiblich. Iris Wegner aus Neumünster war mit ihrem Ehemann da, sie erklärte: „Wir lieben den Friedhof. Meine Schwiegereltern liegen hier. Ich war vor zwei Jahren schon einmal bei einem Spaziergang dabei, weil es gut für meine Seele ist. Der Friedhof strahlt eine unheimliche Ruhe und Geborgenheit aus, und der Baumbestand ist sehr hübsch.“

Vor fünf Jahren hat das Ehepaar seinen Sohn verloren, er ist in Eckernförde in einem Friedwald begraben. „Wir hätten ihn sehr gerne hier gehabt. Nun gibt es auch hier einen Friedwald, und das ist eine große Bereicherung für Neumünster“, sagte Iris Wegner weiter.

Während des Gangs vorbei an verschiedenen Themenfeldern hielt Brigitte Lemke immer wieder an und lud bei einem Gedicht oder einer Anekdote zum Innehalten ein. Bei einer gerade im Verblühen begriffenen Ansammlung von Maiglöckchen erklärte sie, dass die intensiv duftenden Blümchen gerne in der Ikonenmalerei benutzt werden und aus Marias Tränen am Kreuz Jesu sprießend dargestellt werden. Einige aus der Gruppe plauderten während des Gangs, andere gingen etwas abseits und suchten innere Einkehr.

Schwer zu ertragen war für alle Teilnehmer der Halt an den Kindergräbern. Auf den etwa einen Meter langen Feldern drehten bunte Windräder, und einige Besucher musste sich die Tränen aus den Augen wischen. „Der Spaziergang berührt sehr und wühlt auf. Aber das braucht man, eine Anlaufstelle für die Trauer ist wichtig“, schilderte Iris Wegner ihre Gefühle.

Der „Spaziergang für die Seele“ findet bis Oktober einmal im Monat mit unterschiedlicher Begleitung und auf anderen Wegen statt. Der nächste Spaziergang mit der Möglichkeit zum anschließenden Austausch bei Kaffee und Kuchen im Gezeiten-Café findet am Sonntag, 25. Juni, ab 14 Uhr statt.

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