106. Geburtstag : Ein langes Leben für die Familie

Kaum zu glauben: Erna Johna feierte vor sechs Jahren ihren 100. Geburtstag – und man sah ihr die Jahre wirklich nicht an. Zum 106. Geburtstag hat sich die Familie dieses Foto für die Veröffentlichung in der Zeitung gewünscht.
Kaum zu glauben: Erna Johna feierte vor sechs Jahren ihren 100. Geburtstag – und man sah ihr die Jahre wirklich nicht an. Zum 106. Geburtstag hat sich die Familie dieses Foto für die Veröffentlichung in der Zeitung gewünscht.

Erna Johna aus Neumünster feiert heute einen besonderen Geburtstag. Sie wird 106 Jahre alt.

shz.de von
21. Juni 2018, 13:00 Uhr

Neumünster | Sie hat in ihrem langen Leben so vieles erlebt wie kaum ein anderer Mensch – überlebte zwei Weltkriege, ebenso die Flucht aus der oberschlesischen Heimat nach Schleswig-Holstein, gründete dann eine Familie. Erna Johna feiert heute einen sehr seltenen Geburtstag – sie wird 106 Jahre alt. Die Jubilarin, die im Propst-Riewers-Haus an der Plöner Straße 12 lebt, wird im engsten Familienkreis ihren Ehrentag verbringen; es gratulieren unter anderem vier Enkel und acht Urenkel.

Erna Johna, geborene Kolesko, hat ein Leben mit Höhen und Tiefen, aber auch langen glücklichen Jahren mit ihrer Familie, die ihr sehr wichtig ist, hinter sich. Sie wuchs mit zwei Geschwistern in Königshütte/Oberschlesien als Kind einer Schneidermeisterfamilie auf. Am Ende des Ersten Weltkrieges traf die Familie ein schwerer Schicksalsschlag: Der Vater von Erna war gefallen – und sie vermisste ihn sehr. Sie wuchs zu einer selbstbewussten und wissbegierigen jungen Frau mit kritischem Verstand heran. Schon bald lernte sie auf Familientreffen „ihren“ Herbert kennen – und es wurde mehr: 1932 wurden sie erst in Königshütte standesamtlich und in Tschenstochau (Czestochowa) kirchlich getraut. Zwei Kinder wurden geboren: Rudolf kam 1933 zur Welt; er war in Neumünster als SPD-Kommunalpolitiker und Landtagsabgeordneter bekannt. Fünf Jahre später folgte Tochter Brigitte.

Wie viele andere auch flüchtete die Familie 1945 gen Westen – über ein Jahr lang dauerte der beschwerliche und gefährliche Weg mit vielen Notsituationen. Ab 1946 wurde Wasbek für ein paar Jahre das neue Zuhause; 1952 folgte der Umzug in eine kleine Zwei-Zimmer-Wohnung am Hansaring: „Vier Personen teilten sich ein Schlafzimmer von 14 Quadratmetern, aber wir waren trotzdem glücklich. Zufriedenheit war immer das oberste Gebot unserer Eltern, das haben wir fürs Leben übernommen“, erinnert sich Tochter Brigitte. Erna hatte handwerkliches Geschick und schneiderte für alle aus wenig Material Schönes und Praktisches.

1955 erlitt Herbert Johna einen Herzinfarkt und wurde arbeitsunfähig, doch die Familie meisterte auch diese Herausforderung. Die Kinder wurden groß, Sohn Rudolf heiratete „seine“ Ingeborg; sie schenkten Erna drei Enkel. Auch Brigitte schloss den Bund fürs Leben – ihr Mann Rainer Lucht und sie bekamen den Sohn Ralf-Rainer. Neben den vier Enkeln gratulieren der 106-Jährigen auch acht Urenkel.

Das Leben von Erna und Herbert verlief dann in ruhigeren Bahnen. Sie verreisten gerne nach Büsum – mit der ganzen Familie ging es im VW-Bus an die Küste: „Das bleibt unvergessen“, sagt Brigitte. Erna widmete sich gerne ihrem Hobby Lesen. Nach fast 60 Jahren musste sie Abschied von ihrem Mann nehmen, der 1991 starb – ein schmerzlicher Verlust. Die Familie stand ihr bei. 2001 zog sie zu ihrer Tochter; als 2014 ihr Sohn Rudolf an einem Schlaganfall starb, nahm sie das mit. Sie erkrankte und zog in das Propst-Riewerts-Haus um. „Wir haben durch vorherige Kurzzeitpflege beste Erfahrungen gemacht, meine Mutter fühlt sich dort wohl und wird fürsorglich gepflegt, hat dort eine sehr gute Betreuung, für die wir uns bedanken“, so Brigitte Lucht. Erna Johna liegt im Bett. „Sie kann schlecht hören, aber noch sehen und bekommt alles mit“, sagen Brigitte (79) und ihr Mann Rainer Lucht (79).

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