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Tag des offenen Denkmals : Ein kunstvolles Gefängnis

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Großer Andrang herrschte beim Tag des offenen Denkmals in der Justizvollzugsanstalt. Deutlich mehr Gäste als erwartet wollten das alte Gebäude von Innen sehen.

„Dass die Justizvollzugsanstalt (JVA) sich zum Tag des offenen Denkmals der Öffentlichkeit präsentiert, ist einmalig in Deutschland“, sagte Anke Spoorendonk, Ministerin für Justiz, Kultur und Europa des Landes Schleswig-Holstein, gestern zur Eröffnung des Tages des offenen Denkmals 2013 in der JVA. Sie fügte an, dass dies genau zum Motto des Tages passe, „Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale.“

Ein nicht zu erwartender Besucherstrom wollte die JVA von Innen sehen. Waren bei der Eröffnung bereits über 100 Gäste in der ehemaligen Männerkirche, heute Besucherraum, so stand vor dem Eingang eine weitere Menschenschlange und wartete auf Einlass und Führung.
Die Ministerin verwies in ihrer Rede auf die Anstrengungen, den neugotischen preußischen Gebäudekomplex aus dem Jahre 1902 zu sanieren und in eine moderne Haftanstalt umzuwandeln. Bis 2016 habe das Land 25 Millionen Euro dafür eingeplant. Anschließend stellte Dr. Berthold Köster vom Landesamt für Denkmalpflege die bereits abgeschlossenen Sanierungsarbeiten im Bild vor. Er schwärmte regelrecht von der „zauberhaften Architektur“ des Klinkerbaus und besonders von der ehemaligen Kirche mit den originalen geschossübergreifenden Spitzbogenfenstern und der künstlerisch ausgeschmückten Holzdecke. Zugleich verwies er auf die Schwierigkeiten, moderne Haus- und Sicherungstechnik in die denkmalgeschützten Gebäude zu integrieren.

Jörg Alisch, der Leiter der JVA, zeigte bei einem anschließenden Rundgang, wie beispielsweise bei Forderungen des Denkmalschutzes nach Erhalt der Außenfassade mit entsprechend kleinen, hohen Fenstern um Kompromisse gerungen wurde. „Humanität geht vor Denkmalschutz“, war sein Argument, und so wurden die Fenster nach unten erweitert.

JVA-Leiter Alisch wies beim Rundgang immer wieder auf die zahlreichen künstlerischen Details der Erbauer an Türen, Türstöcken oder an Geländern hin. Die Besucher konnten sich selbst überzeugen, wie die acht Quadratmeter großen Zellen vor 100 Jahren und nach der Sanierung aussahen.

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erstellt am 09.Sep.2013 | 17:00 Uhr

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