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Dokumentation : Ein Kunstprojekt gegen Vorurteile

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Holstenschüler und Flüchtlinge arbeiten zurzeit gemeinsam an einem Film, einem Theaterstück und einer Ausstellung und lernen sich kennen

von
erstellt am 23.Mai.2014 | 06:30 Uhr

Neumünster | Für die einen ist es die erste echte Begegnung mit der deutschen Gesellschaft. Für die anderen ist es der erste Blick hinter die Kulissen eines Flüchtlingsschicksals. Seit Anfang der Woche treffen sich 24 Schüler des 11. Jahrgangs der Holstenschule und 17 junge Flüchtlinge (17- bis 32 ) täglich in einem Kunstprojekt. Gemeinsam drehen sie einen Film, bereiten eine Fotoausstellung vor oder spielen Theater – und sie lernen sich kennen.

Ins Leben gerufen wurde das Projekt von Quinka Stoehr, Dokumentarfilmerin und Deutsch- und Geschichtslehrerin an dem Gymnasium. Den Kontakt zu den Flüchtlingen, die alle erst seit wenigen Monaten in Deutschland leben, hat Idun Hübner von der Zentralen Bildungs- und Beratungsstelle für Migrantinnen in Schleswig-Holstein (ZBBS) aus Kiel hergestellt. Über die ZBBS wird das Projekt durch Spenden auch finanziert. Hier bekommen die Flüchtlinge aus Afghanistan, dem Iran, Syrien und Somalia außerdem Deutschunterricht. Sie alle haben keinen gesicherten Aufenthaltsstatus, leben verteilt zwischen Neumünster und Kiel.

Hesham (21) kommt aus Afghanistan. Stunde um Stunde saß er gestern am Computer in der Holstenschule und schnitt Filmsequenzen zusammen. Der PC ist seine Welt. In seiner Heimat hat er als IT-Administrator gearbeitet. Immer wieder eilt er hinunter zum Set auf dem Pausenhof, wo Reza (22) aus dem Iran und Jennifer (16) aus Neumünster mit ihrer Filmcrew gerade eine Szene über eine Begegnung zwischen einer Deutschen und einem Flüchtling drehen. Auf Englisch ringen die Schüler und die Flüchtlinge dabei um jedes Detail. Der Ehrgeiz ist groß. Quinka Stoehr und der Dokumentarfilmer Fredo Wulf aus Kiel halten sich erst einmal mit ihrem Fachwissen zurück, lassen djungen Akteure nach Lösungen suchen.

Nur wenige Meter entfernt baut die Fotogruppe mit dem Fotografie- und Medienkünstler Sven Bergelt aus Leipzig die Aufsteller für ihre Bilder. Leisten werden vermessen, es wird gehämmert und gesägt. In der Turnhalle diskutiert die Theatergruppe mit der Hamburger Theaterpädagogin Ulrike Krogmann und ihrer Kollegin Idun Hübner aus Kiel über ihr Stück. Mit dabei ist auch Holstenschülerin Imke (16). Sie ist begeistert – nicht nur vom Theaterspiel. „Man bekommt einen ganz anderen Zugang zu den Flüchtlingen, merkt, wie die so drauf sind“, sagt sie. Besonders berührt hat sie die Offenheit, mit der sie über Krieg, Flucht und Ängste sprechen. „Manche haben in ihrem Leben bisher nur Krieg erlebt. Die wollen nicht mehr zurück“, weiß die Schülerin jetzt. So mancher aus der Gruppe kam über Lampedusa (Italien) nach Schleswig-Holstein. Im Gegenzug interessieren sich die Flüchtlinge brennend für alles, was mit dem Leben in Deutschland zu tun hat, fragen nach Ausbildung, Schulbildung und Hobbys. Sie wären selbst gern Teil der hiesigen Gesellschaft. So auch Hesham. Er würde gern arbeiten, hat seine Zeugnisse auf die Flucht mitgenommen, um seine technische Vorbildung zu dokumentieren, lernt eifrig Deutsch. „Doch ich habe einen Fingerabdruck in Spanien. Vielleicht muss ich dorthin zurück, auch wenn ein Großteil meiner Familie in Deutschland ist“, fürchtet der junge PC-Experte.

Das Projekt wird am 2. Juli in der Holstenschule präsentiert. Die Uhrzeit ist derzeit noch unklar.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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