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Piano und Klarinette : Ein Konzert der Extraklasse

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Klarinettist Dimitri Ashkenazy und der Pianist Timur Enikeev verzauberten 380 Besucher im Theater in der Stadthalle. Mit Hilfe einer Besucherin wurde der Abend zum Erfolg: Sie blättert die Seiten für den Pianisten um.

shz.de von
erstellt am 24.Okt.2013 | 08:00 Uhr

Ein klassisches Konzert kann ein wunderbares Klangerlebnis für die Ohren sein, eine Weide für die Augen – und manchmal schaffen es die Künstler, sich in die Herzen des Publikums zu spielen. Dimitri Ashkenazy und Timur Enikeev ist das auf eindrucksvolle Weise gelungen. Am Ende des zweistündigen Konzertes in Theater in der Stadthalle lag ihnen das Publikum zu Füßen. Dabei fing der Abend mit Hindernissen an.

Vor dem Festsaal gab es keine Programme, und die wenigen ausgelegten Saison-Programme waren schnell vergriffen. Die anfängliche Irritation der Besucher war sofort vergessen, als Dimitri Ashkenazy sie auf unglaublich sympathische Weise begrüßte. Mit entwaffnender Ehrlichkeit gestand er, dass man vergessen habe, sich jemanden zum Notenblättern für seinen Partner Timur Enikeev am Klavier zu besorgen. „Kann jemand von Ihnen blättern?“, fragte er die 380 Besucher. Bereits zu diesem Zeitpunkt hatten die beiden Musiker eine solch persönliche Atmosphäre im Saal geschaffen, dass spontan jemand rief: „Ich kann blättern. Ich kann aber keine Noten lesen.“ „Das macht nichts. Sie müssen nur das Blatt wenden, wenn Timur mit dem Kopf nickt.“ Befreites Lachen im Theatersaal. Doch Timur Enikeev musste nicht nicken. Glücklicherweise hatte sich auch Christiane Bethke gemeldet. Mit sehr viel Sachverstand erwies sich die Musiklehrerin während des gesamten Konzertes als souveräne „Blätterfrau“.

Und die Musik? Sie übertraf alle Erwartungen. „Romantik trifft Moderne“ betitelten der Klarinettist Dimitri Ashkenazy und der Pianist Timur Enikeev den Abend. Auf dem Programm standen Werke von Poulenc, Bach, Strawinsky, Schumann und Brahms. Den Anfang machte die Sonate für Klarinette und Klavier von Francis Poulenc. Obwohl der Franzose das Stück zu Ehren seines 1955 verstorbenen Freundes Arthur Honegger geschrieben hatte, bleibt es doch ganz Poulencs Credo „Music pour faire plaisir“ verbunden.

Und größtes Vergnügen machte auch die Interpretation von Dimitri Ashkenazy und Timur Enikeev. Beschwingt inszenierten die beiden den phasenweise federleichten Dialog ihrer Instrumente, der besonders durch die fein herausgespielte Klangvielfalt beeindruckte. Mal in einem mitreißendem Tempo, dann wieder betont langsam vorgetragen, bewiesen Enikeev und Ashkenazy mit abwechselnd düsteren, getragen, dann wieder fröhlichen und überschwänglichen Klängen ihr außerordentliches Können.

In den darauf folgenden Stücken für Soloklarinette von Igor Strawinsky präsentierte Dimitri Ashkenazy alle Facetten seiner Spielkunst und seines Blasinstrumentes. Anfangs leise, fängt die Klarinette langsam an zu erzählen, um dann im dritten Stück fast lachend ihre Jazz-Qualitäten zu offenbaren.

Nicht minder virtuos gelang Timur Enikeev die darauf folgende Chaconne aus der Partita 2 von Johann Sebastian Bach in einer Bearbeitung von Busoni für Klavier. Meisterlich gelang dem 1986 in Taschkent geborenen Pianisten die dem Stück innewohnende Steigerung. Immer schöner, immer wilder flogen seine Finger über die Tasten. Das Publikum dankte es ihm mit tosendem Applaus und Bravo-Rufen.

Nach der Pause kamen die Besucher noch einmal in den Genuss der drei„Phantasiestücke Op, 73“ von Robert Schuhmann und der „Sonate, OP120, Nr. 2“ von Johannes Brahms. Hier wurde kein Einsatz verpasst – und das, obwohl sich Klarinettist und Pianist nicht in die Augen schauen konnten. Hier war das harmonische Miteinander der beiden Musiker bis in die letzten Reihen des Zuschauerraumes zu spüren. Zwei Zugaben erklatschte sich das Publikum, um dann beseelt von einem wunderbaren Konzerterlebnis nach Hause zu gehen.

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