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Prozessbeginn : Ein kleines Mädchen sah die Bluttat

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ein Neumünsteraner (29) muss sich nach dem gefährlichen Messerstich am Durchgang zur Linienstraße seit gestern vor dem Kieler Landgericht verantworten.

Neumünster | Die blutige Tat geschah am helllichten Tag auf offener Straße. Die Stadt freute sich auf ein sommerliches Kösten-Wochenende, als am 12. Juni dieses Jahres ein Mann (24) in der Innenstadt niedergestochen wurde. Nur durch eine Notoperation konnte er gerettet werden. Seit gestern muss sich Mike B. (29) wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Kieler Landgericht verantworten.

Bisher schweigt der junge Mann zu den Vorwürfen und äußerte sich auch nicht zu Details aus seinem Leben. Stattdessen kam am ersten Prozesstag eine wichtige Zeugin zu Wort: Per Videovernehmung erzählte ein kleines Mädchen (9), wie es die Bluttat an dem Freitag zufällig beobachtete.

Laut Anklage soll der Neumünsteraner gegen 10.40 Uhr mit dem späteren Opfer zu einem An- und Verkaufsladen an der Ecke Wasbeker Straße/Fabrikstraße gegangen sein. Die beiden wollten dort offenbar Parfümflaschen verkaufen, die sie nach Auskunft der Staatsanwaltschaft einige Tage zuvor bei Karstadt gestohlen hatten. Mit dabei war auch eine Frau, die ihr Kind (15 Monate) im Kinderwagen schob. Plötzlich sollen die beiden Männer in Streit geraten sein. Wenig später soll der Angeklagte ein Messer, das er an einer Kette um den Hals trug, aus einer Hülle gezogen haben. „Er stieß seinem Kontrahenten die etwa zehn Zentimeter lange Klinge in die Brust“, so der Vorwurf. Nachdem das Opfer schwer verletzt zusammengebrochen war, soll Mike B. noch nach ihm getreten haben.

Ein kleines Mädchen wartete zu diesem Zeitpunkt in unmittelbarer Nähe mit seiner kleinen Schwester im Auto auf seine Mutter, die gerade ein paar Besorgungen machte – und wurde zur wichtigen Zeugin. Nur eine gute Stunde nach der Tat wurde das Kind bereits von einer Polizistin vernommen. Das fast 40-minütige Gespräch, das auf Video aufgezeichnet worden war, wurde gestern im Gerichtssaal gezeigt. Während es seinen großen Teddy immer wieder fest an sich drückte, schilderte das Kind im hellen Sommershirt das brutale Geschehen: „Es war laut, und ich habe mich umgedreht. Zuerst haben die Männer sich gehauen. Der eine Mann hatte ein silbernes Taschenmesser mit so ’ner Hülle dazu. Er hat dem anderen in die Brust gestochen. Aus dem Laden ist auch ein Mann gekommen, der hat ‚Hört auf!‘ gesagt“, berichtete die Kleine unter anderem. „Die Frau hatte ein Kind. Das war etwas größer als mein Teddy. Sie hat zu dem Mann, der das gemacht hat, ‚Stopp!‘ gesagt. Da hat er noch getreten. Dann sind sie mit dem Kinderwagen weg gegangen. Ich hatte Angst, dass die mich sehen oder zurückkommen. Da habe ich geweint. Dann ist Mama gekommen“, erzählte die kleine Zeugin auf Nachfragen. Und das Mädchen erinnerte noch mehr: Bereits am Vortag, als es mit seinem Onkel auf dem Großflecken vor dem Riesenrad wartete, will es den „Mann mit dem Messer“ gesehen haben. „Der hieß Mike“, berichtete die Kleine der Vernehmungsbeamtin.

Direkt nach der Videovorführung kritisierte der Verteidiger die Art der Befragung. „Sie ist vielfach suggestiv und entwertet dadurch die Aussage des Kindes“, bemängelte der Anwalt.

Zusätzlich zu der Bluttat muss sich Mike B. für eine weitere Gewalttat und diverse Diebstähle verantworten. So soll er Anfang Juni an der Lütjenstraße 140 Euro aus einem Auto gestohlen haben. Wenige Tage später soll er sich mit einem Komplizen Zutritt zu einem Haus an der Wasbeker Straße verschafft haben, wo er unter anderem teuren Schmuck und zwei Fernseher mitnahm. Bei Karstadt steckte er laut Anklage nicht nur Parfüm, sondern auch Sportschuhe und Kleidung ein. „Er wollte die Einnahmen für seinen Lebensunterhalt verwenden“, so die Staatsanwältin. Nur zwei Tage vor der Bluttat soll der Mann außerdem in die Wohnung eines Bekannten an der Wasbeker Straße eingedrungen sein und ihn aus Eifersucht mit einem Messer bedroht haben. Das Opfer sprang damals in Panik aus einem Fenster im ersten Stock und verletzte sich leicht. Der Prozess wird fortgesetzt.

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erstellt am 11.Nov.2015 | 07:30 Uhr

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