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Johann-Hinrich-Fehrs-Schule : Ein Klassenlehrer auf vier Pfoten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

An der Johann-Hinrich-Fehrs-Schule wird ein Schulhund eingesetzt. Paul sorgt für eine angenehme Lernatmosphäre.

von
erstellt am 26.Mai.2016 | 09:00 Uhr

Neumünster | Es gibt Menschen, die sind durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Und es gibt Tiere, für die gilt das gleiche. Ein solches Exemplar ist Paul. Der zweijährige Berner Sennenhund wird seit neun Monaten zum Schulhund ausgebildet und bereichert seitdem den Unterricht an der Johann-Hinrich-Fehrs-Schule an der Wilhelmstraße.

Pauls Besitzerin ist Brigitte Behrens-Busse, Klassenlehrerin der 2 c. Als der Hund vor zwei Jahren zu ihr kam, merkte die 62-Jährige sofort, dass es sich bei dem Rüden um ein besonderes Tier handelt: „Ich hatte vor Paul schon andere Hunde, aber so wie er war keiner. Paul war von Anfang an sehr wissbegierig und geduldig, hat schnell gelernt und vor allem viel Freude daran gezeigt.“

In Brigitte Behrens-Busse reifte daraufhin der Wunsch, das Tier zum Schulhund ausbilden zu lassen und Paul in den Unterricht einzubinden. Doch bis dahin war es noch ein weiter Weg. Zuerst musste sich das Tier im Lehrerkollegium „bewerben“. Der nächste Schritt war dann, die Einverständniserklärung aller Eltern einzuholen. Paul überzeugte dabei auf ganzer Linie: „Alle haben zugestimmt, das war für mich eine große Freude. Denn es ist wichtig, dass alle hinter dieser Entscheidung stehen“, sagt Brigitte Behrens-Busse.

Als schließlich auch das Kultusministerium grünes Licht für den offiziellen Einsatz eines Schulhundes gab, nahm die Lehrerin Kontakt zu Katharina Scholz von der Hundeschule „Canicura“ in Langstedt auf, die Paul seit neun Monaten ausbildet. In einem Eignungstest überprüfte die Expertin zunächst, ob das Tier für einen Einsatz als Schulhund überhaupt geeignet ist. „Nur weil ein Hund sich in der Familie bekuscheln lässt, bedeutet das nicht, dass er sich von jedem beschmusen lässt“, sagt Katharina Scholz, die mit Paul im Juni die entscheidende Prüfung ablegen wird.

Die Generalprobe meisterte Paul gestern Vormittag in der Klasse 2c bereits bravourös. Eine der Aufgaben lautete, ein Federmäppchen und einen Stoffbeutel aufzuspüren, den die Kinder zuvor im Klassenraum versteckt hatten. In dem Beutel befanden sich Aufgaben, die die Kinder lösen mussten. „Paul schafft eine entspannte Atmosphäre für die Schüler. Es ist faszinierend, was im Unterricht passiert, wenn ein Hund den Kindern Motivation und Freude zum gemeinsamen Lernen gibt“, beobachtet Brigitte Behrens-Busse. „Hunde stellen keine Anforderungen und haben keine Erwartungshaltung. Sie nähern sich jedem Menschen völlig unvoreingenommen und akzeptieren ihn ohne Vorurteile. Das steigert auch das Selbstwertgefühl der Kinder“, erklärt die Lehrerin weiter.

Der achtjährige Burak freut sich jedes Mal, wenn Paul Teil des Unterrichts ist: „Man kann besser lernen, wenn er da ist, und außerdem dürfen wir ihn immer streicheln“, sagt der Schüler. Auch Schulleiterin Bärbel Wulf-Fechner ist begeistert: „Ich habe selbst einen Hund und weiß, wie sie auf Kinder zugehen. Ich halte Tiere für sinnvolle Begleiter des Menschen – und wenn sie für eine schöne Lernumgebung sorgen, ist das umso besser.“

Kommentar: Neue Wege gehen

Hunde im Unterricht sind eigentlich nicht üblich. Doch wer einmal an einer Schulstunde mit dem Berner Sennenhund Paul an der Fehrs-Schule teilgenommen hat, stellt schnell fest, wie sinnvoll sein Einsatz ist. Die Lernatmosphäre ist eine ganz andere, wenn ein Tier im Spiel ist. Das unvoreingenommene und geduldige Wesen des Hundes überträgt sich auch auf die Kinder. Wenn statt des Lehrers auf einmal der Hund die Aufgaben überbringt, sorgt das für eine ganz andere Motivation. Es wäre wünschenswert, dass sich noch mehr Schulen trauen, diesen außergewöhnlichen Weg zu gehen – er lohnt sich!

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