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Holsteinischer Courier

17. Dezember 2017 | 19:09 Uhr

Osterkonzert : Ein Höhepunkt der Kirchenmusik

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Bach-Chor, das Concerto Lübeck und fünf Gesangssolisten spielten Bachs Matthäus-Passion in der voll besetzten Vicelinkirche.

Neumünster | „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Vor fast 300 Jahren setzte Johann Sebastian Bach die Leidensgeschichte Jesu nach dem Matthäus-Evangelium in eine ergreifende musikalische Passion um. Jesus letztes Aufbäumen am Kreuz gehört zweifelsohne zu den Höhepunkten der Matthäus-Passion. Am Karfreitag führten der Bach-Chor, der Kinderchor III, das Concerto Lübeck und fünf Gesangssolisten unter der Leitung von Karsten Lüdtke Bachs Meisterwerk vor 450 Gästen in der Vicelinkirche auf.

Bach gab seinem Werk eine dialogische Struktur. Dafür legte er ihm zwei Chöre und zwei Orchester mit Continuo zugrunde. Insgesamt 120 Musiker wirkten mit – bereits beim Betreten der Kirche war das Publikum beeindruckt. Die gesamte Wucht des großen Klangkörpers sieht Bach für den Eingangs-, den Schlusschor und die Choräle vor, ansonsten bleiben die beiden Ensembles getrennt.

Allein der komplexe Aufbau der Passion verlangt Sängern wie Instrumentalisten großes Können ab. Die 77 Laiensänger meisterten ihre Aufgabe bravourös. Bereits der Eingangschorus, an dem alle Musiker beteiligt waren, erfordert höchste Konzentration. Er gelang außerordentlich. Es folgen Choräle, in denen der Bach-Chor die Gefühle der Gemeinde ausdrücken muss, um wenig später als Turbachor die Freilassung Barabas’ zu fordern. Beim gehässigen Ruf der Volksmassen, „Kreuzige ihn“ lief den Besuchern ein Schauer über den Rücken. Damit das Volksgeschrei eindringlich gelingen konnte, waren präzise Einsätze gefragt, Karsten Lüdtke gab sie mit sicherem Schlag.

Florian Feth verdeutlichte den Evangelisten-Text mit klarer, ausdrucksstarker Tenorstimme und berührte das Publikum auch in seiner Arie „Geduld“ zutiefst. Titus Witt beeindruckte mit sonorer Bassstimme als zweifelnder Jesus: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Der eingesprungene Bassist Till Schulze konnte sich bis zu seiner letzten Arie „Mache dich, mein Herze, rein“ deutlich steigern.

„Erbarme dich“. In ihrer wunderschönen Arie zeigten Altistin Christine Wehler und Konzertmeisterin Anna Melkonyan sehr ergreifend die Verzweiflung Petrus’ auf. Auch Nicole Ferrein gelang mit „Aus Liebe will mein Heiland sterben“ ein Höhepunkt. In höchsten Tönen, allein mit ihrem glockenhellen Sopran, einer Traversflöte und zwei Oboen als Begleitung spiegelte sie die himmlische Liebe in der Musik wider.

Der Schlussapplaus war gewaltig und dankbar. Er galt den 120 Musikern und Kantor Karsten Lüdtke, der die Mitwirkenden zusammenführte und das Konzert mit ruhigem Dirigat gestaltete. Gemeinsam gelang es ihnen, die Leidensgeschichte Jesu von Nazareth über dreienhalb Stunden eindringlich nachzuzeichnen.

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