Auslandstrip : Ein Herz für Hunde in Afrika

Unwissenheit und Frustration sorgen für Misshandlungen afrikanischer Hunde: Das hat Kristin Kowsky miterlebt. Der Welpe Pablo wurde mit Steinen beworfen und wieder hochgepäppelt.
Unwissenheit und Frustration sorgen für Misshandlungen afrikanischer Hunde: Das hat Kristin Kowsky miterlebt. Der Welpe Pablo wurde im afrikanischen Tierheim in Arusha mit Steinen beworfen und wieder hochgepäppelt.

Kristin Kowsky aus Wittorf machte acht Monate eine Weltreise / Im afrikanischen Tansania arbeitete sie im Tierheim / Rückreise nach Terrorgefahr

shz.de von
06. Mai 2015, 09:00 Uhr

Neumünster | „Hallo Mzungu“ (Hallo Weiße) – diese Begrüßung auf Afrikanisch hörte Kristin Kowsky (20) aus Wittorf in den vergangenen Wochen häufig. Die GS-Brachenfeld-Abiturientin ging im August 2014 auf Weltreise nach Asien, Australien und Afrika. In Tansania arbeitete sie in einem Tierheim in der Stadt Arusha und unterrichtete Kinder – eine spannende Erfahrung. Mit vielen Fotos, Eindrücken und Erkenntnissen ist sie jetzt wieder zurück.

Beeindruckt hat sie die Offenheit der Menschen: „Man wird dauernd angesprochen, Menschen gehen auf einen zu. Ich kann jetzt noch unvoreingenommener auf fremde Menschen und Kulturen zugehen und wertschätzen, wie gut es mir geht“, sagt sie. Asien bereiste sie mit dem Rucksack, in Australien arbeitete sie auf einer Farm. In Afrika wählte sie bewusst die Kombination Tierheim-Schule; organisiert wurde das von „Step Africa“. „Ich war immer schon tierlieb. Außerdem habe ich in meinem Leben bisher so viel Liebe, Geborgenheit und Wohlstand erfahren, dass ich Menschen und Tieren, die nicht so viel Glück haben wie ich, etwas abgeben möchte“, erklärt die 20-Jährige. Kontakt zu den Eltern Jörg Kowsky und Martina Brockmann und der Familie hielt sie über Skype und E-Mail.

In Afrika traf sie auf eine andere Kultur, einen anderen Alltag, lernte Kisuaheli und Swahili, staunte über die Unterschiede zum wohlgeordneten Deutschland: „In den Dalla-Dalla-Taxi-Kleinbussen herrschte riesiges Gedränge, und es war normal, dass Ziegen im Kofferraum transportiert wurden. Außerdem hört man den Satz „Hakuna Matata“ (kein Problem) an jeder Ecke.“ Beeindruckt hat sie die Mentalität der Menschen: „Sie sind sehr lebensfroh und arbeiten hart.“

Traurig und wütend machte sie der Umgang mit Tieren: „Hunde haben dort einen anderen Stellenwert, werden geschlagen, liegen an der Kette, sind aggressiv. Ein Welpe, den wir Pablo tauften, verirrte sich auf einen Schulhof und wurde mit Steinen beworfen. Aufgrund von Frustration und Unwissenheit kommt es immer wieder zu Misshandlungen. Eine schwarze Katze wurde ebenfalls geschlagen, die Menschen sind teils sehr abergläubisch.“ Im Tierheim betreute sie die Tiere und klärte an jener Schule über den richtigen Umgang mit Hunden auf: „Wir haben den Kindern gezeigt, dass Hunde die besten Freunde werden können. Das haben sie gut angenommen.“ Das Tierheim (www.mbwa-wa-africa.org) finanziert sich durch Spenden. „Auch kleine Beträge helfen: 15 Euro ist das Futter für einen Monat, eine Tollwut-Impfung kostet einen Euro.

Ihren Trip beendete sie einen Monat früher als gedacht. Die islamistische Terrororganisation Al-Shabaab war angeblich in Arusha, es gab einen geplanten Anschlag auf eine Schule, ein Bus war vermutlich gesprengt worden. Es war schwer herauszukriegen, was wirklich passierte. Es gab eine Ausgangssperre, viel Militär war in der Öffentlichkeit zu sehen. „Ich hatte Angst und glaubte, meine Mission nicht mehr erfüllen zu können, daher bin ich abgereist.“ Die Familie ist froh über diese Entscheidung und schloss „ihre“ Kristin herzlich in die Arme.

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