Ein Hauch von Hollywood

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20. Juli 2018, 14:52 Uhr

Hans Fallada verlegte die Handlung seines berühmten Romans „Bauern, Bonzen und Bomben“ seinerzeit vorsichtshalber noch in das fiktive Städtchen „Altholm“, irgendwo in Mecklenburg. Egon Monk war radikaler. Der NDR-Regisseur mit feinem Händchen für historische Stoffe bestand auf Authentizität und holte die Geschichte bei den Dreharbeiten zu seinem Fernsehfilm 1972 dahin zurück, wo sie historisch hingehörte: nach Neumünster.

Und die halbe Stadt wollte diesmal dabei sein: Neben 85 Darstellern standen im Sommer ’72 fast 400 Komparsen an 118 Drehtagen vor der Kamera, bis die letzte Szene im Kasten war. Gedreht wurde vornehmlich im Vicelinviertel, das mit seinem Kopfsteinpflaster und historischen Fassaden dem alten Neumünster/Altholm am nächsten kam. Nur wenige Szenen entstanden vor dem Rathaus – auch weil hier damals noch die vierspurige Europastraße 3 vorbeiführte.

Um es dem detailversessenen Filmemacher recht zu machen, ließen die Anlieger in Vicelin- und Anscharstraße sogar ihre TV-Antennen auf den Dächern vorübergehend abmontieren: Fernsehen gab es 1931 noch nicht. Die Anwohner haben es dem Filmemacher verziehen: Komparsen und Zaungäste erinnerten sich noch nach Jahren begeistert an Hollywood in Neumünster.

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