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Ein Guantanamo-Häftling berichtet: Schwere Kost im KDW

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Nicht der Unterhaltung wegen, sondern um einem erschütternden Teil der Realität ins Auge zu blicken, kamen auf Einladung der Neumünsteraner Gruppe von Amnesty International am Dienstagabend 30 Besucher ins KDW (Kulturverein Dada am Waschpohl). Peter Spilok las aus dem „Guantanamo-Tagebuch“ von Mohamedou Ould Slahi.

Das Buch ist bisher das einzige veröffentlichte Zeitzeugnis aus dem umstrittenen rechtsfreien Gefangenenlager, das von einem Inhaftierten verfasst wurde. Schon beim Durchblättern fällt auf, dass es kein normales Buch ist: Viele Textstellen sind bisweilen sogar über ganze Seiten hinweg unkenntlich gemacht worden. Das war die Bedingung, unter der das Buch nach zehn Jahren juristischem Ringens 2015 herausgegeben werden durfte.

Der Autor sitzt seit 2002 in dem US-Kerker in der kubanischen Bucht, obwohl 2010 seine Freilassung angeordnet worden ist. „Politik und insbesondere demokratische Freiheiten und Recht haben mich schon immer interessiert. Seit meinem Austritt aus dem Schuldienst habe ich die Zeit, mich intensiv damit zu befassen“, erklärte Peter Spilok, der bis vor viereinhalb Jahren Leiter der Gemeinschaftsschule Brachenfeld gewesen ist.

Zunächst berichtete er über die entscheidenden Etappen, die den 1970 in Mauretanien geborenen Slahi ins Foltergefängnis nach Kuba brachten. Der Ingenieur, der in Duisburg Elektrotechnik studiert hat, wurde als Unterstützer des Anschlags auf das World Trade Center am 11. September 2001 verdächtigt.

Spilok las einige Passagen vor, in denen der Häftling die Demütigungen und Schmerzen der Folterungen beschreibt: Schlafentzug, sexuelle Nötigung, Kälte, Prügel. Namen im Text sind grundsätzlich geschwärzt, ein Verhör mit einem Lügendetektor, den der Autor auf dreizehn Seiten beschreibt, sind durchweg mit schwarzen Balken versehen.

Der Herausgeber des Buchs, Larry Siems, gibt in Fußnoten die Ergebnisse seiner Nachforschungen zum Inhalt der zensierten Stellen preis.

Nach der Lesung entwickelte sich eine Diskussion über das Buch als auch über die aktuelle Kriegslage. „Ich kannte das Buch nicht und habe es mir auch nicht gekauft, weil es mich sehr bestürzt. Aber es ist natürlich sehr aufschlussreich“, meinte Susanne Franken, eine ehemalige Kollegin von Peter Spilok, nach der schwer verdaulichen Lesung.

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erstellt am 10.Feb.2016 | 12:39 Uhr

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