OB-Wahlen : „Ein Gewinn für die Fraktion der Nichtwähler“

Applaus für den alten und neuen OB: Stadtpräsidentin Anna-Katharina Schättiger (links), Torsten Geerdts (vorne, Mitte) und CDU-Ratsherr Gerhard Lassen (rechts) jubelten um 18.30 Uhr.
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Applaus für den alten und neuen OB: Stadtpräsidentin Anna-Katharina Schättiger (links), Torsten Geerdts (vorne, Mitte) und CDU-Ratsherr Gerhard Lassen (rechts) jubelten um 18.30 Uhr.

Wahlpräsentation im Rathaus: Tauras-Anhänger jubelten, Roeder-Fans ließen den Kopf hängen – aber allen macht die zu geringe Wahlbeteiligung große Sorgen

shz.de von
11. Mai 2015, 08:45 Uhr

Neumünster | Am Anfang des Abends war im Rathaus die Hoffnung noch nicht gestorben. Andreas Hering (SPD) stärkte der OB-Kandidatin Elke Christina Roeder den Rücken: „Sie hat einen tollen Wahlkampf gemacht. Wir gehen mit einem guten Gefühl in den Abend und hoffen auf keine Stichwahl.“ Sein Gefühl trog ihn. Als schon um 18.20 Uhr die Prognosen für Tauras klar waren und laute „60“(Prozent)-Rufe erschollen, unkte Torsten Geerdts, ehemaliger Landtagspräsident (CDU), in seine Richtung: „Wir werden Herrn Hering gleich ein bisschen trösten müssen.“

Im Wahlpräsentationsraum hatten sich von der Jubel-Lautstärke her überwiegend Tauras-Anhänger versammelt. So wie Geerdts, der schon Jahre vor der ersten Wahl von 2009 am „Tauras-Bündnis“ (CDU, FDP, Grüne) gearbeitet hatte: „Olaf Tauras hat eine gute Leistungsbilanz. Ich gehe davon aus, dass die Leute das heute honorieren.“ CDU-Mitglied Astrid Arend hatte ein Beispiel: „Man muss nur mal am DOC vorbeifahren, gestern war es brechend voll. So etwas wird die Stadt mit der Holsten-Galerie auch erleben.“

Die Handynetze glühten: Eifrig wurden andere informiert – so wie vom FDP-Fraktionsvorsitzenden Reinhard Ruge: „Es sieht gut aus, der Proch hat auch nur Zwei-Komma-Nochwas“, informierte er seine Parteikollegen. Mit ihm verfolgte Till Färber (18), Vorsitzender der Jungen Liberalen, die Ergebnisse: „Es zeigt, dass die Wähler Inhalte statt Parolen gewählt haben.“

Enttäuscht ließen die SPD-Mitglieder und Roeder-Fans die Köpfe hängen – so wie SPD-Ratsherr Thorsten Klimm: „Ich bin sehr enttäuscht, weil die Stimmungslage das anders widerspiegelte.“ Gerrit Köhler, Vorsitzender der Schwuso-AG in der Landes-SPD, sorgte sich wegen der dramatisch geringen Wahlbeteiligung: „Es gibt einen klaren Gewinner – die Fraktion der Nichtwähler.“ Er zeigte sich ebenfalls enttäuscht über das Abschneiden von Elke Christina Roeder („das war ein hoch engagierter Wahlkampf“), freute sich aber immerhin darüber, „dass die geringe Wahlbeteiligung nicht auch noch dazu geführt hat, dass die Parteien rechts außen überdimensional viele Stimmen bekommen haben.“

Unter den vielen Gratulanten waren Ibrahim Ortacer vom Forum der Vielfalt, Fazli Tuncer, Vorsitzender der Fatih-Moschee, und sein Stellvertreter Ugur Temelli. „In den Moscheen hatten die Imame Wahlaufrufe gestartet, außerdem waren auch welche auf Facebook. Das wirkte“, sagte Ortacer, der Wahlhelfer war. Sie freuten sich, dass „alles demokratisch gelaufen ist“ und über das schlechte Abschneiden der Rechten. Ortacer: „Neumünster ist kein Ort für Nazis.“

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