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Musical : Ein gelungenes Musical über das Böse im Menschen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Humboldt-Schüler erhielten viel Beifall für ihren Auftritt.

shz.de von
erstellt am 08.Feb.2014 | 07:45 Uhr

Kein Vorhang, dafür ein Laufsteg bis in den Zuschauerraum. Keine einzelnen Protagonisten im Rampenlicht, dafür während des gesamten Stückes zwanzig agierende Darsteller auf der Bühne. Keine gefälligen Lieder mit seichter Handlung, dafür kraftvolle Interpretationen mit erschütternden Einsichten. In diesem Jahr war vieles anders in der Alexander-von-Humboldt-Schule in Einfeld.

Und vieles war großartig. Mit seiner Inszenierung von William Goldings Roman „Herr der Fliegen“ als Musiktheater feierte der Projektkursus Theater/Musical am Freitagabend im ausverkauften Forum der Schule Premiere und wählte damit erstmals eine Darstellungsform, in der Theater und Musik gleichermaßen beteiligt sind. „40 Schüler, davon über 30 Mädchen haben den Kursus gewählt“, erzählte Alexandra Göpfert, Leiterin für die Theatergruppe und zuständig für die Regie. „Es galt also, ein Stück mit vielen Darstellern zu finden. Außerdem war mir wichtig, dass die Frauen nicht die üblichen weiblichen Rollen besetzen, in denen sie schöne Lieder in schönen Kleidern singen,“ so Göpfert weiter. Mit „Herr der Fliegen“ ist ihr dieser Anspruch gelungen.

In seinem 1954 erschienen Roman zeigt William Golding, dass das Böse in jedem von uns als destruktive Kraft angelegt ist. Nach einem Flugzeugabsturz strandet eine Gruppe von Schülern auf einer einsamen Insel – eine Ausnahmesituation, in der alle Hemmungen verschwinden und „normale“ Schulkinder zu Barbaren werden. Kein einfacher Stoff, von den Schülern der AHS aber großartig umgesetzt.

Bereits beim Betreten des Forums war den Zuschauern klar, dass ihnen etwas Besonderes geboten werden würde. In hohen Lagerregalen hockten lethargisch die Schauspieler. Ohne Worte, dafür auf beeindruckend gespenstische Weise wurde die ausweglose Situation der Kinder sofort deutlich. Es waren diese verblüffenden Umsetzungen guter Ideen, die die Aufführung außerordentlich machten. Da wechselte die Kleidungsfarbe der Darsteller, als sich rivalisierende Gruppen gebildet hatten, da machte Schwarzlicht unvermittelt Wörter wie „Hass“, „Kultur“ oder „Zivilisation“ auf den T-Shirts der Schauspieler sichtbar, und da wurde Piggy (Lasse Trede) zur Musik von Beethovens 7. Sinfonie und den kannibalischen Schreien seiner Mitschüler hingerichtet. Es gab aber auch versöhnliche Töne. Wenn etwa Ralph (Moritz Schnack) „Home“ sang, schmolz das Publikum dahin, um kurz darauf von Jacky (Verena Hinrichs) mit einem Lied von KT Tunstall auf die Rangordnung in der Gruppe hingewiesen zu werden. „Bei der Liedauswahl ging es uns um die Unterstützung des Inhaltes“, beschreibt Burkhard Lange, Leiter der Musikgruppe und Arrangeur, das breit gefächerte Musikrepertoire. Das und auch die Interpretation ist Sängern und Musikern wunderbar gelungen.

Die nächsten Aufführungen finden heute, am Montag, 10. Februar, und am Mittwoch, 12. Februar, jeweils ab 19.30 Uhr im Forum der AHS statt. Der Eintritt an der Abendkasse beträgt fünf Euro.



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