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Courier-Haus : Ein gehöriges Stück Geschichte der Stadt

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Courier-Haus hat über Jahrzehnte den Gänsemarkt geprägt. Ein Blick zurück in die Geschichte des Hauses.

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erstellt am 21.Mai.2014 | 05:30 Uhr

Neumünster | Der 7. April 1945 versprach, ein wunderschöner Frühlingstag in Neumünster zu werden. Doch um die Mittagszeit wurde der Anflug feindlicher Bomber mit noch unbekanntem Ziel gemeldet. Wenige Stunden später lagen weite Teile der Innenstadt von Neumünster in Schutt und Asche. Die Trümmer des Courier-Hauses und die der benachbarten Dresdner Bank lagen auf- und übereinander. Es war ein Fanal, so kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

Doch die Verlegerfamilie Wachholtz und viele Courier-Mitarbeiter packten an, räumten die Trümmer beiseite, legten die alten Maschinen frei. Nach und nach kamen auch Kriegsgefangene zurück und meldeten sich bei ihrem Arbeitgeber. Bevor aber wieder eine Zeitung gesetzt und gedruckt werden konnte, musste noch viel, viel Vorarbeit geleistet werden.

Die englische Besatzungsmacht hatte den Deutschen verboten, ihre eigenen Zeitungen herauszubringen. Verleger Karl Wachholtz wollte sein Zeitungshaus natürlich wieder aufbauen und versuchte, das benachbarte Grundstück der Dresdner Bank zu kaufen. Die lehnte jedoch ab, weil sie selber neu bauen wollte. „Aber der Nachbar auf der anderen Seite, Dr. Lübbert am Gänsemarkt, hat an meinen Schwiegervater verkauft“, erinnert sich Dr. Gisela Wachholtz (92), die später selber über viele Jahre den Courier herausgab. So wurde bald wieder am neuen Courier-Haus gebaut; 1949 konnte der erste Teil bezogen werden: ein kleiner Flachbau mit der Front zum Gänsemarkt. Bis dahin war die Zeitung provisorisch im Haus Am Teich 7 untergebracht, daneben stand ein hölzerner Pavillon.

Am 1. Oktober 1949 durfte der Holsteinische Courier mit dem Segen der Engländer endlich wieder erscheinen, aber er wurde noch eine Zeitlang in Bad Segeberg gedruckt, weil die eigene Rotationsmaschine noch nicht wieder lief. Ein Jahr später übergab Karl Wachholtz das Geschäft an seinen Sohn Ulf, der fleißig expandierte und für seine großen Pläne mehr Platz im Haus brauchte. Seine Frau Gisela plante mit. „Ich wollte immer etwas schöner und ästhetischer bauen, aber mein Mann hat mich wegen der Kosten manches Mal ausgebremst“, sagt sie lächelnd.

Als der Alt-Verleger Karl Wachholtz 1953 am Gänsemarkt vorbeikam und sah, dass das Courier-Haus gerade ordentlich aufgestockt wurde, stellte er seinen Sohn zur Rede: „Junge, wie hoch willst du denn noch bauen? Wir können das doch gar nicht bezahlen!“ Ulf aber beruhigte ihn und erklärte seinem Vater, dass das schon alles in Ordnung sei, wie sich Gisela Wachholtz noch genau erinnert.

1954 war das fünfgeschossige Haus mit der Front zum Gänsemarkt fertig, und Wachholtz plante ständig die nächsten Schritte. Der seitliche Flügel mit der Setzerei (in Richtung Kaiserstraße) kam 1956 dazu. Der Flügel mit dem Lückenschluss zur Dresdner Bank in der Straße Am Teich entstand 1963/64. Gisela Wachholtz: „In diesen Jahren haben wir eigentlich ständig geplant und gebaut und sind umgezogen.“

Ende der 1980er-Jahre erfolgte der letzte größere Umbau, als die Courier-Passage entstand. So sah das Courier-Haus bis Anfang dieser Woche aus. In rasantem Tempo machen die Abrissbagger das Haus jetzt buchstäblich platt. In ein, zwei Tagen wird nichts mehr davon zu sehen sein. Mit dem Haus verschwindet ein gehöriges Stück Stadtgeschichte. Aber auf den Schuttbergen entsteht ja etwas Schönes, Neues.

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