Tierpark : Ein ganzer Tag für den Wolf

Wolf Tinka leckt sich die Lefzen angesichts der Pferdeäpfel in der Tüte, die Biologin Viola Effenberg ins Gehege geworfen hatte.
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Wolf Tinka leckt sich die Lefzen angesichts der Pferdeäpfel in der Tüte, die Biologin Viola Effenberg ins Gehege geworfen hatte.

1800 Besucher konnten sich im Tierpark bei Experten über Meister Isegrim informieren

shz.de von
02. Mai 2015, 09:00 Uhr

Neumünster | Er möchte mit den Mythen und Ängsten rund um den Wolf aufräumen. Deshalb lud der Tierpark gestern zu einem Wolfstag ein. Mit dabei waren sogenannte Wolfsbotschafter des Naturschutzbundes (Nabu) aus Schleswig-Holstein, die ihre Infostände am Wolfsgehege platzierten.

„Vor 15 Jahren ist in Deutschland erstmals wieder ein Wolfsrudel gesichtet worden. Seitdem ist kein Fall bekannt, bei dem ein Wolf einem Menschen gegenüber aggressiv aufgetreten ist“, berichtete Sonja Betancor Suarez. „Wir möchten vermitteln, dass der Wolf mit uns leben kann“, sagte die Wolfsbotschafterin weiter. In Schleswig-Holstein ist vor drei Jahren erstmalig ein lebender Wolf nachgewiesen worden, angesiedelt hat sich ein Rudel der scheuen Fleischfresser hier bisher nicht. „Durch Schleswig-Holstein ziehen Wölfe momentan lediglich durch, um nach Dänemark zu gelangen. Wie wahrscheinlich es ist, dass er sich hier niederlassen wird, ist schwer zu sagen. Das entscheiden die Wölfe selber“, erklärte die Expertin. Zurzeit weiß man von 31 Rudeln, die sich im Bundesgebiet aufhalten.

Was rät die Fachfrau, sollte man zufällig einem Wolf begegnen? „Genießen Sie den Augenblick. Macht er nicht sofort kehrt und Sie fühlen sich bedroht, hilft lautes Rufen und Klatschen. Die Tiere meiden Konflikte, um Energie zu sparen.“

Wie Wolfsspuren aussehen und was die Losung – also der Kot – über das Fressverhalten von Meister Isegrim aussagt, konnten die 1800 interessierten Besucher bei Patrick Rinkel und Jessica Reischuck erfahren. Felle von Beutetieren wie Wildschweine konnte man ebenso anfassen wie Knochenreste. Außerdem erzählte die Verwaltungsleiterin des Tierparks und Diplom-Biologin Viola Effenberger bei zwei Rundgängen um das Wolfsgehege Wissenswertes über den unter Naturschutz stehenden grauen Vierbeiner und seinem Menschen zugetanen Verwandten, dem Hund. Der Ortsverband des Technischen Hilfswerks Neumünster hat zusätzlich die vielfältigen Fähigkeiten von Lupos Nachkommen etwa bei der Personensuche demonstriert.

UMFRAGE

Seitdem sich Wolfsrudel  in Deutschland wieder Reviere suchen, gehen die Meinungen auseinander: Soll der Wolf  bejagt werden, um Mensch und Vieh zu schützen? Oder ist er Teil der  Artenvielfalt? Der Courier hat  beim Wolfstag im Tierpark mit Besuchern gesprochen.

 André Zynder (25) aus Bad Bramstedt ist mit  Frau und Sohn (2) gekommen.  „Der Wolf war so lange weg – es wird höchste Zeit, dass er nach Hause kommt“, sagte er.

 Marion Meyer (54) aus  Vögelsen  (Niedersachsen) hat schon dabei geholfen, junge Wölfe mit der Hand aufzuziehen und meint: „Es wäre super, wenn der Wolf sich  in Schleswig-Holstein ansiedelte. Denn es ist ein gutes Zeichen für die Entwicklung der Natur.“

 Thomas Schulze-Helmke (58) aus Bargteheide hat einen Anstecker an seiner Jacke, worauf steht: „Rotkäppchen lügt“. Er meint:  „Natur darf nicht nur nach dem Nutzwert beurteilt werden. Der Wolf hat ein Recht, hier zu leben. Dafür ist  ein Umdenken erforderlich.“

 Schülerin Lara Pfeiffer (15) aus Winsen bei Kaltenkirchen macht mit ihrer Mutter und einer  Austauschschülerin einen Ausflug. Sie reagiert gelassen und meint: „Er macht ja nichts. Warum soll er nicht wie andere Tiere auch im Wald leben? Ich habe vor ihm nicht mehr Angst als vor Wildschweinen.“

 


 

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