Erlöserkirche Gadeland : Ein ganzer Konzertabend nur für die Gitarre

Wenn Ute Reinhardt las, dann schwiegen die Gitarren.
Wenn Ute Reinhardt las, dann schwiegen die Gitarren.

Das Gitarrenensemble Neumünster spielte Werke verschiedener europäischer Komponisten.

shz.de von
17. Oktober 2015, 09:00 Uhr

Neumünster | Das war ein interessantes und geglücktes Experiment, wie der Beifall der 60 Gäste in der Erlöserkirche Gadeland am Donnerstagabend zeigte: Der Gitarre in Musik und Wort ein ganzes abendliches Konzert zu widmen, kam gut an. Das Gitarrenensemble Neumünster unter der Leitung von Marco Firrincieli spielte Werke verschiedener europäischer Komponisten von Händel über Thierry Tisserand bis Ralph Paulsen-Bahnsen.

Dazu las Ute Reinhardt aus „Die Geschichte der Welt in 9 Gitarren“ von Erik Orsenna. Er erzählt in seinem Buch besinnliche, melancholische, humorvolle und sehr tiefgründige Geschichten über dieses Instrument, die von den Pharaonen über die Inkas bis in die Neuzeit reichten. Ausdrucksstark, lustvoll und gestenreich interpretierte Ute Reinhardt beispielsweise die Entscheidung eines Mannes, der sich im Bett mit einer jungen Frau und seiner Gitarre befand. Die junge Frau entfernte sich schmollend. Im Textteil „Der unsterbliche Dr. Joan Amat“ verblüffte dieser die Geistlichkeit im Mittelalter angesichts seines bevorstehenden Todes mit Namen von Gitarrenkönnern seiner Zeit wie auch mit Eric Clapton oder Paul McCartney. Die Zuhörer amüsierten sich köstlich. Dazu boten die acht Musiker mit ihren Konzertgitarren eine gekonnte, mal zurückhaltende oder auch furiose Interpretation der Musikstücke.

Bei „Malagena“ von Jürg Hochweber beispielsweise war spanischer Esprit zu spüren. Nach einer Zugabe mit „All I have to do is dream“ bedankten sich die Gäste mit lang anhaltendem Applaus für einen besinnlichen und beeindruckenden Abend.

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