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Seniorenmagazin : Ein Foto brachte uns in die gelbe Wand

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Schon immer wollte meine Tochter gerne mal im Fan-Block von Borussia Dortmund sitzen. Karten dafür zu bekommen, ist schwierig

Neumünster | In zwei Jahren ist es erst so weit, aber der 50. Geburtstag meiner Tochter wirft bereits jetzt seine Schatten voraus. Immer mal wieder kommt von ihr der Wunsch: „Einmal möchte ich bei Borussia Dortmund in der gelben Wand auf der Südtribüne stehen.“ Das hört sich zuerst einmal recht harmlos an, stellt auch kein finanzielles Hindernis dar. Befasst man sich als treusorgende Mutter aber einmal näher damit, dann merkt man, dass es ein großes Problem gibt. Man bekommt keine Karten, weder im Internet noch sonst wo.

Das ganze Stadion in Dortmund fasst 85 000 Zuschauer, und die Wand ist fest in der Hand von 25 000 Stehplatz-Fans in Gelb. Sie bilden eine Kulisse, die „Gelbe Wand“ heißt und so berühmt ist, dass es sogar eine Dokumentation im Fernsehen darüber gab. Tochter, was ist das für ein illusorischer Wunsch? Aber gut, dass wir mal drüber gesprochen haben.

Das Thema ließ mich nicht los und ich erinnerte mich: Im vergangenen Jahr war ich in Atlanta bei CNN, einen Tag vor dem Champions-League-Endspiel. Der große Zufall wollte es, dass von allen europäischen Mannschaften zwei Deutsche übrig blieben. Dortmund und Bayern standen im Finale, das im Wembley-Stadion stattfinden sollte.

Das ja eigentlich nicht gerade fußballbegeisterte Amerika brachte doch tatsächlich über alle Bildschirme bei CNN einen kurzen Vorbericht über dieses Spiel. Wie im Urlaub üblich, hatte ich meine Kamera startklar und konnte ein tolles Foto dieses Berichtes schießen, das bis jetzt im Computer sein Dasein fristete. Jetzt oder nie! Ich ließ von dem Bild eine Vergrößerung machen und schickte sie mit einem netten Brief und dem Wunsch meiner Tochter an die Geschäftsleitung von Borussia Dortmund und wartete. Nach ein paar Tagen bekam ich eine E-Mail und auch noch einen richtigen Papierbrief mit einer Reservierung für zwei Stehplätze in der berühmten Südtribüne. War das nicht toll?

Meine Tochter begriff ihr Glück erst, nachdem ich sie das zweite Mal angerufen hatte, beim ersten Mal war sie etwas durcheinander. Und wir standen dann tatsächlich eine Woche später in der berühmten Wand, zwischen gelb-schwarzen Fahnen und Schals, zwischen euphorischen Fans. Zwar kannten wir die Choreografien und Gesänge nicht, die die beiden Einpeitscher forderten, aber uns wurde auf die Schultern geklopft und bei den Toren bekamen wir von den oberen Rängen Bierduschen – also waren wir voll integriert. Wie bestellt fielen drei Tore für Dortmund und auch noch auf unserer Torseite.

Meine Tochter war selig und hat die ganze Zeit gestrahlt. Hoffentlich vergisst sie nicht, dass das Geburtstagsgeschenk in zwei Jahren ausfällt.

Das ganze Seniorenmagazin - auch mit Beiträgen zum Autofahren im Alter - gibt es morgen im Courier.



 

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erstellt am 29.Mai.2014 | 09:00 Uhr

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