Neumünster : Ein Feuerwerk auf Platt

Je nach Temperament: Vornehmes Interesse und lautstarke Leidenschaft fürs Pferderennen in Lüttenbeeken beweisen Oberst Pickering (Volker Rohweder, von links.), Eliza Doolittle (Johanna Kittel) und die Herrschaften der feinen Gesellschaft.
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Je nach Temperament: Vornehmes Interesse und lautstarke Leidenschaft fürs Pferderennen in Lüttenbeeken beweisen Oberst Pickering (Volker Rohweder, von links.), Eliza Doolittle (Johanna Kittel) und die Herrschaften der feinen Gesellschaft.

Die NBN begeisterte mit der niederdeutschen Erstaufführung von „My fair Lady“.

shz.de von
02. Januar 2018, 18:19 Uhr

Neumünster | An Silvester soll es krachen. Auch auf der Niederdeutschen Bühne Neumünster (NBN). Zum Jahreswechsel setzt die Laienbühne traditionell ein Musical aufs Programm. Mit der niederdeutschen Erstaufführung von „My fair Lady“ zündete die NBN an Silvester ein wahres Feuerwerk plattdeutscher Bühnenkunst.

Davon waren nicht nur die 570 Gäste im ausverkauften Theater in der Stadthalle überzeugt, das meint auch Peter Harry Carstensen. Als „ein Feuerwerk an Tanz, Musik und Theater“, beschreibt der Schirmherr die Inszenierung in seinem Grußwort. Als Hommage an die plattdeutsche Sprache, „die es auf jeden Fall zu lernen lohnt“, versteht sie Philip Lüsebrink. „Wir sind sehr stolz, dass alles so reibungslos geklappt hat“, sagte der Gastregisseur. Der Verlag, der über die Rechte von „My fair Lady“ wacht, stimmte einer Übertragung ins Plattdeutsche zu, in Birgitt Jürs fand die Niederdeutsche Bühne eine fachkundige Übersetzerin mit viel Sinn für Wortwitz und Lokalkolorit, als studierter Opernsänger machte Philip Lüsebrink seinem Können als Gesangscoach alle Ehre und die 20 Darsteller – noch nie gab es so viele auf der NBN-Bühne – konnten allesamt mehr als überzeugen. Allen voran: Johanna Kittel als Eliza Doolittle. Mit großer Leichtigkeit und überwältigendem Charme gelang es der Hamburgerin, die nie zuvor auf einer Bühne gestanden hatte, ihre Rolle singend und tanzend, derbe fluchend und nachdenklich über die großen Fragen des Lebens sinnierend, auszufüllen. Dass sie dabei das hässliche Missingsch, das Birgitt Jürs ihrer Rolle verpasst hatte, ebenso beherrschte, wie das lupenreine Plattdeutsch, das der selbstherrliche Sprachwissenschaftler Henry Higgins (Michael Schmidt) sie im Laufe des Stückes lehrte, zeugt vom großen Talent der ausgebildeten Logopädin. Ihre Natürlichkeit war mitreißend.

Michael Schmidt gewann im Laufe des Stückes an Leichtigkeit, Volker Rohweder stellte sehr gekonnt einen galanten Oberst dar, Erika Wittig als Fru Higgins und Annett Schnoor als Fräulein Pierce brachten nachdenkliche Noten ins Spiel, und Tobias von Ankum-Hoch überzeugte als schmachtender Sänger Freddy Eynsford-Hill.

„Für die Laiendarsteller sind die Lieder eine besondere Herausforderung“, erläuterte Regisseur Lüsebrink. Die Musik vom Band habe zwar den Vorteil immer gleich zu klingen, „sie nimmt aber keine Rücksicht auf verpasste Einsätze“, so der Profi. „Was die Schauspieler hier gesanglich leisten, ist einfach toll“, sagte Lüsebrink. Frank Juds Darbietung als Alfred P. Doolittle gab seiner Einschätzung Recht. Mit großer Spielfreude und „so’n lütten büschen Glück“ riss der stellvertretende Bühnenleiter das Publikum zum begeisterten Mitklatschen hin.

Die Inszenierung beeindruckt: Mit tollen Schauspielern, wunderbaren Dialogen, schönen Kostümen und einem raffinierten Bühnenbild, für das Michael Ermel die Fotos lieferte.


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