Ein ergreifendes Turnier

Überragender Mann aufseiten der Nord-Ostsee-Auswahl war Marcus Schultz (Eintracht Norderstedt), der hier Torsten Petersen (li.) von den Altliga-Allstars des VfR das Nachsehen gibt. Foto: Sell
Überragender Mann aufseiten der Nord-Ostsee-Auswahl war Marcus Schultz (Eintracht Norderstedt), der hier Torsten Petersen (li.) von den Altliga-Allstars des VfR das Nachsehen gibt. Foto: Sell

Childrens-Cup von Stefan Moik sorgt für bewegende Momente / Nord-Ostsee-Auswahl entthront VfR

shz.de von
25. Juni 2012, 03:59 Uhr

Neumünster | Wenn beim Sport das sportliche Geschehen in den Schatten gestellt wird, dann hat dies einen ernsten Hintergrund - so auch beim zweiten Chil drens-Cup, der insgesamt dritten von Stefan Moik auf die Beine gestellten Benefizveranstaltung. Der unheilbar an ALS erkrankte frühere Neumünsteraner Fußballer hatte sechs Altligateams, die prominent besetzte Nord-Ostsee-Auswahl und die Kreisauswahl des Jahrgangs 92 eingeladen.

Zu Letzterer hätte eigentlich auch Stefan Moiks Sohn Christopher gehört, doch der hat schon vor mehr als einem Jahr mit seinem Vater gebrochen. "Weil auch er meint, dass ich auf Hokuspokus-Medizin vertraue", verriet Stefan Moik in einer von ihm selbst verfassten und vom 1. Vorsitzenden des FC Torpedo, Dr. Hartmut Andresen, vorgetragenen Rede. Jene hatte Stefan Moik an einem PC geschrieben, den er unter größter Anstrengung mit den Augen bedienen kann. Sprechen oder gar sich bewegen kann er schon lange nicht mehr. Man hätte die berühmte Stecknadel auf der VfR-Anlage fallen hören, als Andresen Gastgeber Stefan Moik zitierte: "Stoffel (Spitzname des Sohnes, Anm. d. Red.), ich vermisse dich!" Es war der versteckte Appell an den Filius, sich einen Ruck zu geben und endlich wieder seinen Vater zu besuchen. "Nicht die Angst vor dem Sterben, sondern die Lust auf das Leben treibt mich an", schrieb Stefan Moik in seinen bewegenden Begrüßungsworten.

Stark berührt zeigte sich auch der Präsident des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes (SHFV), Hans-Ludwig Meyer. Der Verbandsboss schämte sich seiner Tränen nicht, als er seine Worte an die versammelten Kicker und Zuschauer richtete. Meyer war einst bei der SG Padenstedt der Trainer von Stefan Moik und hatte im Auftrag der Stiftung Egidius Braun des Deutschen Fußball-Bundes einen Scheck in Höhe von 2500 Euro mitgebracht - Geld, das Straßenkindern in Sri Lanka zu Gute kommt. In einer speziellen Einrichtung, die sogar den Namen Stefan Moiks trägt, werden unter anderem traumatisierte und behinderte Jugendliche betreut und unterrichtet. Zudem wurden am Turniertag 311,94 Euro für den Mukoviszidose-Verein gesammelt, der seit Jahren von der Nord-Ostsee-Auswahl unterstützt wird.

Fußball wurde auch gespielt, im Finale entthronte die Nord-Ostsee-Auswahl um Ex-Profi Gregor Strebel den Vorjahressieger, die Altliga-Allstars des VfR um Stefan Meseberg und Dirk Slomins ki. Aber was war das wert im Vergleich zu dem schönsten Moment dieses Tages? Das waren für jeden die Sekunden, in denen Stefan Moik zwei, drei Sätze eines alten Weggefährten mit strahlenden Augen und dem Ansatz eines Lächelns erwiderte - ein Lächeln, das er so gerne auch seinem Sohn schenken möchte.

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