Café Jerusalem : Ein eigenes „Lebenshaus“ für gestrauchelte Menschen

Andreas Böhm (von rechts) und Gisela Diedrichsen als eine von 33 ehrenamtlichen Mitarbeitern des Cafés Jerusalem haben an der Bahnhofstraße 44 stets eine Mahlzeit und ein offenes Ohr für die Besucher wie Torsten Kopp und Willi Peter.
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Andreas Böhm (von rechts) und Gisela Diedrichsen als eine von 33 ehrenamtlichen Mitarbeitern des Cafés Jerusalem haben an der Bahnhofstraße 44 stets eine Mahlzeit und ein offenes Ohr für die Besucher wie Torsten Kopp und Willi Peter.

Café Jerusalem feiert sein 20-jähriges Bestehen und plant ein Therapiehaus mit zunächst zehn Wohnplätzen

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24. Juni 2014, 06:00 Uhr

Neumünster | Das Café Jerusalem wird 20 Jahre alt und stellt pünktlich zum runden Geburtstag eine Vision vor: das „Lebenshaus Jerusalem“. Gedacht ist an ein Therapiehaus mit zunächst zehn festen betreuten Wohnplätzen.

Seit 20 Jahren ist das Café eine Begegnungsstätte für Menschen am Rande der Gesellschaft, die mit ihrem Leben nicht zurecht kommen. An der Bahnhofstraße 44 finden sie unter dem Motto „Leben teilen – damit Leben gelingt“ Ansprechpartner, die ihnen zuhören und Hilfe in der Not anbieten, sei es ein warmes Essen, Bekleidung, medizinische Hilfe oder ein Obdach für den Tag. Das Jubiläum will der Trägerverein am Sonnabend mit den Neumünsteranern auf dem Großflecken feiern (siehe Artikel unten).

Das „Lebenshaus“ ist ein lange gehegtes Projekt. „Die ambulante Betreuung reicht nicht mehr aus“, sagt Andreas Böhm, der das Café seit 2001 leitet. Hilfe, die weiter reichen solle, müsse größer gedacht werden. Das Haus soll Menschen, die unter Sucht und allgemeiner Lebensunfähigkeit leiden, einen schützenden Lebensrahmen bieten. Gedacht ist an eine gebrauchte Immobilie im Umland von Neumünster. Die Kosten für den Kauf werden auf 600 000 Euro geschätzt, für den laufenden Betrieb sind es rund 165 000 Euro pro Jahr. Bei der Finanzierung setzt das Café Jerusalem auf Großspender, aber auch „Spardosen-Aktionen“, in der Betriebsphase auch auf Haus-Paten und Erlöse aus der angedachten Landwirtschaft. Noch ist das Ganze eine Vision, die aber ab 2016 konkreter werden soll, sagt Böhm: „Das ist ambitioniert, aber machbar.“ Ob hinter dem Lebenshaus ein Verein oder eine Stiftung stehen soll, ist noch offen. Böhm: „Menschen, die dahinter stehen, gibt es viele.“

Gegründet wurde das Café Jerusalem 1994 als Einrichtung der missionarischen Sozialarbeit von der Evangelischen Allianz. „Auch die katholische Kirchengemeinde war von Anfang an dabei“, sagt Böhm. Das erste Café war an der Kaiserstraße 25, seit 1997 hat das Café Jerusalem an der Bahnhofstraße 44 seinen Sitz. Das im gleichen Jahr eröffnete Möbellager an der Altonaer Straße wurde 2004 an den Verein Betel abgegeben; auch das ursprünglich gegenüber an der Bahnhofstraße beheimatete „Lädchen“ ist inzwischen verkleinert ins Café integriert.

Es gibt hier einen Kleiderladen, zweimal im Jahr Visiten eines Zahnarztes und einer Kinderärztin, Fußpflege und andere Angebote. „Wir haben uns auf das Kerngeschäft konzentriert“, sagt Böhm und meint damit das Café, die Begegnungsstätte und das Straßenmagazin „Jerusalemmer“. Es erscheint seit 1995 und ist damit eines der ältesten deutschen Straßenmagazine.

Im Café werden etwa 22 000 Mahlzeiten pro Jahr ausgegeben. „Die Begegnungsstätte und der Mittagstisch sind für alle offen“, sagt Böhm. Bis zu 80 Gäste am Tag zählt das Team, zu dem neben Böhm drei weitere haupt- und 33 ehrenamtliche Mitarbeiter zählen.

Auch die brauchen mal eine Atempause: Vom 17. Juli bis 12. August macht das Café Sommerpause. Hatte es früher 365 Tage im Jahr geöffnet, ist es jetzt noch montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr zu erreichen. Neben Sponsoren aus der Wirtschaft gibt es rund 500 Unterstützer, die das Café mit regelmäßigen privaten Spenden unterstützen. Es dürften gerne mehr sein. Böhm: „Neumünster braucht das Café Jerusalem, weil ohne uns zu viele durchs Netz fallen würden. Wenn wir viel zu tun haben, geht es der Gesellschaft schlecht.“

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